Glücksdrachenzeit

Autorin: Katrin Zipse

Eins vorneweg: das Cover des Buches passt nicht wirklich zum Inhalt. Ganz und gar nicht, denn es kommt viel zu fröhlich und etwas kitschig daher. Im Buch geht es aber um viel ernstere Themen, aber dazu später mehr.

Wir haben hier eine Familie mit ziemlich vielen Problemen und Baustellen. Der volljährige Sohn hat sich aus dem Staub gemacht und seine kleine Schwester Nellie steht nun ohne ihn da. Da er für sie aber der Elternersatz darstellte und sie immer beschützt hat, will sie ihn zurückholen. Ohne groß nachzudenken versucht sie also mit ihrem Hund nach Frankreich zu trampen. Sie fährt erst bei einer Studentin mit, dann bei einem Geschäftsmann, der ihr aber zu aufdringlich wird und vor dem sie letztendlich flüchtet. Und hier kommt die verrückte Miss Wedlock ins Spiel.

Mit ihrem grünen alten Auto rettet sie Nellie vor dem seltsamen Typ und auf geht’s in eine abenteuerliche Spritzfahrt mit der alten Lady. Bald erkennt Nellie, dass Miss Wedlock aber psychische Probleme hat und das nicht gerade zu einer ruhigen Autofahrt führt, im Gegenteil, Nellie muss immer wieder eingreifen, wenn Miss Wedlock wieder einer ihrer Anfälle hat (sie glaubt, dass ihre im Krieg verstorbene Schwester mitfährt und sie von kleinen Leuten verfolgt wird).
Dann taucht an einem Rastplatz plötzlich Elias mit dem Drachentattoo auf.

Der hat auch schon eine abenteuerliche, schlimme Zeit hinter sich, gesellt sich aber zu den Zweien, da er in dieselbe Richtung will. Auf dem Weg nach Avignon passieren einige Zwischenfälle, welche das Dreiergespann zusammenfinden lassen. Und natürlich verliebt sich Nellie in Elias... Endlich in Frankreich angekommen findet Nellie auch endlich ihren Bruder, doch der freut sich gar nicht sie zu sehen, da er in einen Drogendeal verwickelt ist und sie nicht mithineinziehen will.

Aber Nellie lässt nicht locker, sie will ihren Bruder unbedingt nach Hause holen.
Da hat sie die Rechnung aber ohne eine gefährliche Drogenbande gemacht, die nur darauf wartet, dass Kolja ihnen ins Netz geht...

Wie die Geschichte ausgeht, lest ihr am besten selbst nach!

Meine Meinung zum Buch:
Insgesamt eine ganz nette Geschichte, die aber größtenteils unrealistisch rüberkommt. Die Drogengeschichte ist meiner Meinung nach nicht authentisch und übertrieben actionlastig wie in einem Tatort gehalten.

Auch die einzeln eingestreuten Passagen aus Miss Wedlocks Vergangenheit verwirren und nerven eher, als dass sie etwas zur Geschichte beitragen. Die verschiedenen schlimmen Schicksale (Elias hat sich früher geritzt, Nellies Mama ist in der Psychiatrie, die Familie hat vor langem ein Baby verloren, Miss Wedlock ist ebenso ziemlich verwirrt...) wirken hier irgendwie zusammengewürfelt um der Geschichte mehr Tiefe zu verleihen, das ist mir aber etwas too much.

Auch finde ich, dass Nellie eigentlich schon ziemlich selbstständig und reflektiert ist für ihr junges Alter, daher verändert sie sich meines Erachtens kaum durch die Erlebnisse. Klar, sie kann sich von ihrem Bruder ablösen und lernt, die Situation zuhause zu akzeptieren, aber ob dafür der Roadtrip verantwortlich war?

Ansonsten aber sehr gut zu lesen und spannend.

Erschienen im Magellan Verlag

Autorin / Autor: mietzi8 - Stand: 26. März 2015