Das Herz von Libertalia

Autorin: Anna Kuschnarowa
ab 14 Jahren

Zu sagen, dass mich „Das Herz von Libertalia“ reizte, wäre untertrieben. Bereits seit früher Kindheit üben die Welt der Piraten sowie Legenden und Fakten zum Thema Piraterie eine unglaubliche Faszination auf mich aus, und so versprach der Jugendroman aus der Feder Anna Kuschnarowas, spannend zu werden, handelt er doch von keiner anderen als Anne Bonny.
Doch nicht nur die Storyline, auch das Cover weckte mein Interesse. Schlicht gehalten in dunkelgrau mit einem kleinen goldenen Piratenschiff in der Mitte und dem Titel in schnörkeligen schwarzen Lettern darunter, wirkt es unglaublich geheimnisvoll und ich fragte mich, welches Geheimnis wohl zwischen den Buchdeckeln lauern mochte.

Der Einstieg in die Geschichte jedoch ist dabei recht ernüchternd. Zäh wird von Annes Mutter berichtet und wie diese schließlich das uneheliche Töchterchen Anne zur Welt bringt. Auch als die zukünftige Piratin heranwächst, hält sich die Geschichte noch recht langatmig; man erhält hier Einblick, wie sich das Mädchen für das Meer und die Seefahrt zu begeistern beginnt, wie sie ein paar Jahre als Junge erzogen wird, um in der neuen Welt dann doch wieder ein Mädchen sein zu müssen.
Ihrer Sehnsucht nach Freiheit folgend, brennt sie schließlich mit einem Mann namens James Bonny durch und flieht nach New Providence.
Hier nimmt die Geschichte endlich Fahrt auf und reißt den Leser komplett in ihren Bann. Im kleinen Piratennest Nassau, New Providence, landet Anne Bonny schließlich an, jagt James, nachdem er sie betrügt, zum Teufel und arbeitet in einem kleinen Wirtshaus. Doch das Leben, das sie sich wünscht, ist das nicht. Auch ist sie in Nassau immer noch nicht ganz frei, denn auch hier ist man als Frau nicht viel wert.
So beginnt sie wieder, Männerkleidern zu tragen, um endlich auf einem Schiff anheuern zu können und Pirat(in) zu werden.
Ab diesem Zeitpunkt beginnt das Leben, für das Anne Bonny heute bekannt ist, ihr Leben als Pirat, ein Leben voller Kämpfe auf Schiffen und Land, eine Suche nach Freiheit und dem sagenumwobenen Ort Libertalia, wo es diese Freiheit geben soll.

Wie viel der Geschichte der wahren Biografie Anne Bonnys entspricht, wie viel erfunden ist, lässt sich schwer sagen, schafft es die Autorin doch alles flüssig und (weitestgehend) glaubhaft aneinanderzufügen. Zudem überzeugt „Das Herz von Libertalia“ mit einem poetischen und dennoch rauen Erzählstil, der die Geschichte lebendig macht und Bilder im Kopf malt, die Worte alleine nicht zaubern können.
Dennoch ist das Buch nicht für jeden empfehlenswert, obgleich es ein literarischer Goldschatz ist, denn zum einen hat man es hier mit einer recht speziellen Thematik, zum anderen mit einer ans Altdeutsch angelehnten Wortwahl zu tun. Aber vielleicht ist es genau das, womit Anna Kuschnarowa ihre Leser verzaubert; auf jeden Fall hat mir genau das so gut gefallen und mich beim Lesen gefesselt, es mir schwer gemacht, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen.

Erschienen bei Beltz und Gelberg

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 29.03.2015