Einfach Schicksal

Autoren: Suzanne Young und Cat Patrick
übersetzt von Anja Malich
ab 14 Jahren

Ein nichts sagender Klappentext ist auf dem Backcover des in weiß gehaltenen Buches gedruckt. Er verrät nur so viel: es geht um ein Mädchen namens Caroline, die vor eine Entscheidung gestellt wird. Eine Entscheidung, die zwei völlig andere Handlungsfäden nach sich zieht.
Das Cover selbst ist ziemlich beeindruckend, etwas Besonderes, das mir bisher noch nie untergekommen ist. Wie man das Buch auch hält, Namen der Autorinnen und der Titel, „Einfach Schicksal“, bleiben, doch das Bild des Mädchens? Ein Wackelbild, das zweimal das gleiche hübsche Mädchen zeigt, einmal schaut sie ein bisschen frei, ein bisschen wild, ein bisschen verführerisch nach links, kippt man das Buch leicht schaut sie jedoch gedankenversunken und ein wenig traurig nach rechts.

Caroline selbst scheint kein einfaches Kind zu sein, sie lässt sich ungern etwas vorschreiben und erhält in  der Schule schon das ein oder andere Mal eine Verwarnung. Ihre Familie lässt sich nur als kompliziert beschreiben. Eine große Schwester, mit der sich Caroline nur zofft, ein großer Bruder, der bei diesen Streits dazwischen geht. Eine zweieinhalbjährige kleine Schwester. Die Eltern getrennt. Vor fünf Jahren zog Caroline genervt von den Streitereien ihrer Eltern, dem Gezicke ihrer Schwester, weg zu ihrer Großmutter.
Jetzt liegt ihre Großmutter im Sterben, eine emotionale Achterbahnfahrt für Caroline.

Und das sind auch genau die Entscheidungen, die ihr zur Wahl stehen: Soll sie bei ihrer sterbenden Großmutter bleiben, oder doch mit ihrer Freundin Simone auf eine Party gehen?

Statt einen großen emotionalen Konflikt über diese Entscheidung zu schreiben, hat man selbst die Wahl. Denn das Buch hat jedes Kapitel zwischen „Vorher“ und „Epilog“ zweimal, einmal in der „Bleiben“ und einmal in der „Gehen“ Variante. Über die Handlung in diesen Teilen möchte ich allerdings nichts sagen, denn es hat schon seinen Grund, wenn der Klappentext nichtssagend ist.

Ich habe das Buch zweimal gelesen, wobei ich zunächst die Möglichkeit „Bleiben“ wählte. Jedoch fand ich diese Version sehr ernüchternd, nachdem doch recht hohe Erwartungen an das Buch gestellt hatte. Die Handlung kam mir teils wenig durchdacht vor, die Emotionen hatten zu wenig Tiefe, was eine unglaubliche Distanz zwischen Leser und Protagonistin schafft, die das Lesen erschwert. Mir war es großteils nur möglich, Carolines Gefühle nachzuempfinden, weil ich selbst schon in ähnlicher Lage war. Schade – denn die Idee ist wirklich gut!

Der „Gehen“-Part hat mich dann aber doch überzeugt. Hier klappt die Emotionsvermittlung besser, man kann sich mit Caroline identifizieren, und die Konflikte, in die sie sich durch diese Entscheidung, die Entscheidung ihrer Großmutter nicht beim Sterben zuzusehen und stattdessen mit Simone wegzugehen, bringt, wirken sehr lebendig.
Die Charaktere selbst sind nicht bis ins Detail ausgearbeitet, was für dieses Buch sicher positiv ist, da man keine überflüssigen Informationen hat und sich besser auf Carolines Wahrnehmung der Situation konzentrieren kann.
Alles in allem betrachte ich „Einfach Schicksal“ dennoch recht skeptisch. Der gelungene „Gehen“ Teil kann zwar die Mankos unter „Bleiben“ ausgleichen, aber nicht vergessen machen und so beläuft sich mein Fazit darauf, dass es sich um eine außergewöhnliche Form eines „Du entscheidest“-Romans handelt, der auf einer enorm guten Idee basiert, die Ausarbeitung jedoch eher wackelig ist und ein wenig Verbesserungsbedarf hat.


Erschienen bei one

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Autorin / Autor: cheshirekitty - Stand: 23. Februar 2015