15 kopflose Tage

Autor: Dave Cousins
übersetzt von Anne Brauner
ab 13 Jahren

Der Roman „15 kopflose Tage“ des englischen Autors Dave Cousins erzählt die Geschichte des 15-jährigen Jungen Laurence, der sich zwei Wochen lang ganz alleine um seinen 6-jährigen Bruder Jay kümmern muss, nachdem die alkoholkranke Mutter der beiden einfach verschwindet. Es ist das erste Buch des Autors, inzwischen hat er bereits zwei weitere Jugendromane veröffentlicht.
Laurence’s Leben ist schwierig, doch er hat es im Griff. Er weiß, wann er seine Mutter ansprechen kann, nämlich wenn sie angetrunken ist, immer lächelt und lallt. Er weiß auch, wann er ihr besser aus dem Weg geht, weil sie sonst nur schreit und um sich schlägt. Seine Mutter ist Alkoholikerin, sein Vater ist schon vor langer Zeit verstorben. Laurence hat sich mit dieser Situation arrangiert und kümmert sich weitestgehend alleine um seinen kleinen Bruder Jay. Als seine Mutter eines Tages nicht von ihrer Schicht in einer Imbissbude nach Hause kommt, nimmt Laurence zunächst an, dass sie mal wieder über Nacht weggeblieben ist um ihren Lohn zu versaufen. Kein Problem für Laurence, er managt sich und seinen Bruder routiniert. Nebenbei ruft er jeden Abend in einer Radioshow an, um eine Urlaubsreise für seine Mutter zu gewinnen – sie soll sich mal wieder freuen und den Alltag hinter sich lassen, Laurence setzt all seine Hoffnungen in diese Reise. Die Tage vergehen und es wird immer schwieriger alles unter einen Hut zu bringen. Laurence muss in die Schule, Jay muss in die Schule gebracht und abgeholt werden, es gibt nichts mehr zu essen in der Wohnung und Geld hat Laurence auch keins mehr. Jay ist hungrig und motzig, er vermisst seine Mum und kann nicht verstehen, was vor sich geht. Laurence gibt sich alle Mühe zu verbergen, dass seine Mutter verschwunden ist; zu groß ist seine Angst vor dem Jugendamt, das damit droht, Jay in eine Pflegefamilie zu stecken. Doch lange hält Laurence das ständige Versteckspiel nicht mehr durch...
Das Familienleben von Laurence und Jay ist geprägt vom Alkoholismus ihrer Mutter. Dieser zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Buch, es beginnt und endet mit einem Drink, so viel sei verraten. Ihre Sucht zerfrisst die Familie, stürzt die Wohnung ins Chaos und lässt sie  Dinge tun, die sie später unglaublich bereut. Doch all diese Probleme, der Hunger, die Geldnot, die Unordnung, bilden die Leinwand, auf der sich dich Stärke von Laurence und Jay abbildet: Gemeinsam schaffen sie es, nicht den Verstand zu verlieren. Laurence kümmert sich hingebungsvoll um seinen kleinen Bruder, den er mehr als alles andere auf der Welt liebt. Und auch Jay tut sein Bestes, um Laurence zu helfen – obwohl er nicht begreifen kann, was vor sich geht.
Dem Autor gelingt es, den Alltag von Laurence und seinem kleinen Bruder authentisch darzustellen, ohne zu sehr auf die Tränendrüse zu drücken oder die Dinge extrem auszuschmücken. Trotzdem ist es beklemmend, wenn Laurence sich Sorgen macht, weil außer trockenem Toast nichts mehr zu essen im Haus ist. Das Buch spricht ein wichtiges Problem an und fordert Bewusstsein für die Probleme des Nächsten, sei es ein Freund oder ein Nachbar. Damit wird es nicht nur dem Anspruch gerecht zu unterhalten, sondern regt den Leser auch zum Nachdenken an. Insgesamt ein Buch für die jüngere Leserschaft, die damit einen Einblick in das Leben mit einem Alkoholkranken bekommt.

Erschienen bei Verlag Freies Geistesleben

Deine Meinung zu diesem Buch?
Autorin / Autor: lacrima - Stand: 23. Februar 2015