"Ein bisschen aus dem Alltag flüchten"

Interview mit Karla Grabenhorst, eine der vier Gewinnerinnen unseres Schreibwettbewerbs "Green Fiction".

Karla Grabenhorst

Liebe Karla, schreibst du schon länger oder war „Kontrastprogramm mit Tofu“ deine erste richtige Kurzgeschichte?
Ja und nein. Ich schreibe gefühlt schon seit ich fünf war, aber das waren dann immer "Auftragsarbeiten" in der Schule oder der Projektwoche. So richtig aus eigenem Antrieb habe ich bis zu diesem Wettbewerb noch keine Geschichte fertiggestellt, hauptsächlich weil ich mir tendenziell zu viel vornehme. Ich habe eine Idee und fange begeistert an zu schreiben, nur um nach zwei Seiten wieder aufzugeben. Deshalb hat mir die Vorgabe bei Green Fiction, erst einmal ein Exposé zu erstellen, total geholfen. Es ist toll, endlich mal eine Geschichte fertiggestellt zu haben.

Was fasziniert dich am Schreiben?
Am Coolsten finde ich, dass man mit ein paar Zeilen eine komplett andere Welt, ganz nach seinen Wünschen, aufbauen kann. Und dann diese anderen zeigt.
Außerdem kann man sich als Autorin beim Schreiben, ähnlich wie der Leser beim Lesen, ein bisschen aus dem Alltag flüchten, sich einfach mal mit seinem Laptop auf die Couch chillen, einen Tee schlürfen und für ein, zwei Stunden die Geschichte weitertippen.

Beim Schreibwettbewerb Green Fiction sollten die Teilnehmerinnen ein Exposé mit einer Textprobe und unter anderem einer Charakterisierung der Hauptpersonen einreichen. Wie bist du vorgegangen? Gab es etwas, das dir dabei besonders leicht/schwer gefallen ist?
Als allererstes, nachdem der ungefähre Plot feststand, suchte ich mir erst einmal die Nationalität der Protagonistin aus. Dazu in der nächsten Frage mehr. Mit Lias chinesischer Mutter stand auch schon ihr Aussehen mehr oder weniger fest. Meine persönlichen Vorlieben sind wahrscheinlich auch irgendwie eingeflossen, denn ich finde dieses typisch asiatische Aussehen sehr hübsch. Den Charakter Lias auszudenken war nicht schwer. Warum weiß ich allerdings nicht genau. Ich dachte mir zum Beispiel einfach „Gut, Lia braucht einen Sport“. Ich selber spiele Badminton, deswegen kam das für sie nicht in Frage, wäre auch zu China-typisch gewesen. Der Sport sollte sowohl in China als auch in Deutschland praktiziert werden, und generell nehme ich natürlich Sportarten, die mir nicht ganz unbekannt sind. Tennis fiel einfach günstig. Das alles nur um meine komischen Gedankengänge ein bisschen zu erklären.

Die Gesangsstunden, die die Protagonistin nimmt, sind sehr relevant für den Verlauf der Geschichte,  damit erklärt sich diese Entscheidung denke ich von selbst.

Schwieriger fand ich es, die Nebenrolle Gary zu entwickeln, denn er musste einerseits liebenswürdig und interessant sein, aber er sollte auch nicht zu perfekt wirken.

In deiner Kurzgeschichte spielt die Chinesin Lia die Hauptrolle, die nach Deutschland kommt und sich mit einem „Umwelt-Hype“ konfrontiert sieht. Wie bist du auf die Idee zu deiner Geschichte gekommen? Und warum hast du als Protagonistin eine junge Chinesin gewählt?
Die Geschichte ist in groben Zügen sogar nach einer wahren Begebenheit verfasst. Eine Bekannte von mir ist nämlich tatsächlich, um einen Typ näher kennenzulernen, einer Jugendgruppe beigetreten, so wie Lia es in „Kontrastprogramm mit Tofu“ auch tut. Der Rest ist frei erfunden.

Dass Lia aus China kommt, habe ich natürlich nicht willkürlich festgelegt. Ich habe mir vorsätzlich ein Land ausgesucht, das mit dem Umweltschutz noch nicht so weit ist, wie wir hier. Auf diese Weise kann die Protagonistin am meisten gegen den „Umwelt-Hype“ wettern, da der für sie total ungewohnt ist.

Mir ist allerdings klar, dass auch China sich im Wandel befindet, und es dort ebenfalls Umweltorganisationen gibt. Jedoch vielleicht nicht in dem Maße, wie hier in Deutschland.

Du lässt Lia ihre Geschichte durch Tagebucheinträge erzählen. Warum?
In meinem Exposé habe ich die Tagebuchform so begründet, dass man so als Leser der Figur am nächsten kommt und sie die Möglichkeit hat, ganz ehrlich zu schreiben. Als ich die Geschichte im Zuge des Mentorings weiterentwickelt und -geschrieben habe, fielen mir jedoch noch weitere Vorteile auf. Zum einen ließen sich so langweilige Tage einfach auslassen, sodass es interessant bleibt und zum anderen eignet sich diese Form einfach super für eine Kurzgeschichte, da in einem Tagebuch die Geschehnisse in komprimierter Form wiedergegeben werden – die Protagonistin hat ja nicht den ganzen Tag Zeit, ihr Leben niederzuschreiben.

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Der Gewinn war unter anderem ein dreimonatiges Mentoring. Die Autorin Ulla Lessmann hat dir geholfen, deine Kurzgeschichte zu Ende zu schreiben. Was hast du von ihr gelernt?
Ihr erster Tipp war, auf jeden Fall noch irgendeinen kleinen 'Stolperstein' in die Geschichte einzubauen, damit es spannend bleibt. Das hat mir geholfen, denn ich hatte auch das Gefühl, dass die Story etwas zu seicht dahinplätschert. Viel habe ich auch von Frau Lessmanns stilistischen Korrekturen des Textes gelernt, denn wenn man so vor sich hin schreibt, merkt man gar nicht, dass man zum Beispiel viel zu oft das Wort „fast“ benutzt oder anstatt eines einfachen „das“ im Relativsatz immer mit „welche/r/s“ herumhantiert. Zusammenfassend fand ich das Mentoring unglaublich hilfreich, weil so einerseits meine Geschichte verbessert wurde, ich aber auch für mein zukünftiges Schreiben viel gelernt habe. Sei es nun über das Entwickeln einer Story oder über meinen Schreibstil. Und ich hoffe, auch meine Mentorin konnte etwas aus diesem „Coaching“ mitnehmen.

Musstest du viele deiner ursprünglichen Ideen innerhalb des Mentorings und Schreibprozesses verwerfen?
Nein, überhaupt nicht. Ich konnte eigentlich alles so beibehalten, wie ich es mir gedacht hatte. Wir haben nur den Plot mit dem bereits bestehenden Material ausgebaut und eben diese Stolpersteine, von denen ich vorher erzählt habe, hinzugefügt.

Das war der Wettbewerb Green Fiction

Hat das Schreiben von „Green Fiction“ deinen Blick auf Umweltthemen geändert oder geschärft?
Ich würde sagen, dass ich auch vor „Green Fiction“ bereits umweltbewusst war. Ich bin zum Beispiel seit drei Jahren Vegetarierin, deshalb habe ich diesen Aspekt auch in die Geschichte eingebaut (die Nebenfigur Gary ist Vegetarier). Auch achte ich auf umweltschonende Kleinigkeiten, wie zum Beispiel beim Shoppen keine Plastiktüten in Geschäften anzunehmen, und so oft wie es geht mit Fahrrad, Bus oder Bahn zu fahren. Das sind ja so Dinge, die wir eigentlich alle machen können.

Während des Schreibprozesses musste ich jedoch für genaue Fakten etwas Recherche betreiben, zum Beispiel wie viel Getreide nun genau für ein Kilo Fleisch verfüttert wird. Dadurch konnte ich mein Wissen noch ein bisschen erweitern. Es sind übrigens durchschnittlich sieben Kilo, falls sich das jetzt jemand fragt.

Am 21. März 2014 liest du mit den anderen drei Gewinnerinnen und den Mentorinnen auf der lit.Cologne. Wie bereitest du dich darauf vor?
Lesen, lesen, lesen. Das ist eigentlich alles, was ich tun kann, um mich vorzubereiten. Jeder, der nicht bei drei weg ist, bekommt die Geschichte vorgelesen. Also meine Großeltern.

Auf die Lesung bin ich jedenfalls schon gespannt!

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: Februar 2014
 
 

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