Studie "Berufe im Demografischen Wandel"

Ältere Beschäftigte verbleiben immer länger im Beruf

Prof. Dr. Thusnelda Tivig (l.), Universität Rostock, und Prof. Dr. Jutta Rump (r.), Themenbotschafterin „Chancengleichheit & Diversity“ der Initiative Neue Qualität der Arbeit; © Initiative Neue Qualität der Arbeit

Die Deutschen werden immer älter - und sie bleiben auch immer länger beruflich aktiv. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie "Berufe im Demografischen Wandel" der Initiative Neue Qualität der Arbeit, die erstmalig in detaillierter Weise 12 Berufsgruppen aus vier Tätigkeitsbereichen untersuchte:

Fertigungsberufe: Chemiebetriebswerker und Zerspanungsmechaniker

Ingenieurtechnische und naturwissenschaftliche (MINT-)Berufe: Elektroingenieure; Sonstige Ingenieure; Chemiker und Chemieingenieure; Physiker, Physikingenieure und Mathematiker

Gesundheits- und Pflegeberufe: Krankenschwestern, Krankenpfleger und Hebammen, Helfer in der Krankenpflege; Erzieher und Kinderpfleger

Kaufmännische Berufe: Bankfachleute; Buchhalter

Die Studie bietet eine differenzierte und innovative Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Alterungstrends und Risiken der Fachkräfteverknappung.

Verschiebung der Altersverteilung wird bei Krankenschwestern besonders deutlich
"Wenn der Demografische Wandel, wie in Deutschland der Fall, fortgeschritten ist, altern über kurz oder lang alle Berufe", sagt Thusnelda Tivig, Professorin an der Universität Rostock und Leiterin der Autorengruppe der Studie. "Das betrifft dann sowohl Berufe mit sinkender, stagnierender, als auch solche mit wachsender Beschäftigtenzahl." Besonders bei Krankenschwestern, Krankenpflegern und Hebammen zeige sich die Verschiebung in der Altersverteilung hin zu Älteren bereits sehr deutlich: So waren im Jahr 1993 die jüngeren Altersgruppen weit stärker besetzt als die älteren - danach kehrte sich das Verhältnis um. Besonders interessant: Ähnlich wie bei den ErzieherInnen und KinderpflegerInnen ist nur etwa ein Drittel der Alterung in der Berufsordnung auf demografische Faktoren zurückzuführen, der Rest hat strukturell-ökonomische Ursachen. Zu diesen gehören Präferenzen bei der Berufswahl, die Ausweitung der Frauenerwerbstätigkeit und konjunkturelle Entwicklungen.

Beschäftigung 40+: Im Pflegebereich erfolgt der (Wieder)Einstieg in den Beruf auch in höheren Altersstufen
Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist, dass bei fast allen untersuchten Berufsgruppen ein Beschäftigungszuwachs im Beobachtungszeitraum nur bei den rund Über-40-Jährigen stattfand und dann besonders ausgeprägt bei den Über-60-Jährigen, "…also in den Altersstufen, in denen auch die gleichaltrige Bevölkerung (stark) zunimmt", erläutert Prof. Tivig. Ein Teil dieser Entwicklung sei auf das "Durchaltern" der vormals größeren Geburtsjahrgänge und den längeren Verbleib im Beruf zurückzuführen. In den Gesundheits- und Pflegeberufen kommt hinzu, dass offenbar ein (Wieder-)Einstieg in den Beruf ab einem Alter von rund 40 Jahren stattfindet. Waren beispielsweise 1993 nur 600 Beschäftigte der Berufsordnung "Krankenschwester, Krankenpfleger, Hebamme" 61 Jahre alt, so waren es 2011 bereits 6.238 (dies entspricht einer Steigerung um fast das Zehnfache). Bei den HelferInnen in der Krankenpflege erhöhte sich die Zahl der 61-Jährigen sogar um über das 26-fache. Eine solche Entwicklung dürfte laut Studie typisch für Berufe mit einem hohen Frauenanteil sein. Insgesamt macht die Studie deutlich, dass Menschen immer länger in Pflegeberufen arbeiten und sogar im höheren Alter noch dazu stoßen. Wegen der körperlichen und psychischen Belastungen, die diese Berufe mit sich bringen, gewinnt eine Verbesserung von Arbeitsbedingungen an Bedeutung. Hierfür setzt sich die Initiative Neue Qualität der Arbeit ein, beispielsweise mit dem Projekt DemOS (Demenz, Organisation, Selbstpflege) das sich mit den Herausforderungen in der Pflege von Demenzkranken befasst hat.

Umgang mit demografischen Entwicklungen erfordert berufsspezifische Lösungen
Neben der Analyse der Alterungstrends und der Verfügbarkeit von Fachkräften zeigt die Studie "Berufe im Demografischen Wandel" auch Wege auf, wie eventuellen Knappheiten begegnet werden kann. Die Studie spricht von "Kompensationspotenzialen", also von Möglichkeiten, den zahlenmäßig weniger werdenden Nachwuchs auszugleichen. In der öffentlichen Diskussion werden beim Thema Fachkräftemangel vor allem vier noch nicht vollständig genutzte Potenziale erwähnt: die Arbeitskraft von Frauen, von Älteren, von unqualifizierten Jungen und von Migranten. Die zentrale Erkenntnis der Autorengruppe lautet aber: Antworten müssen berufsspezifisch gesucht werden. Ein wichtiger Aspekt ist zudem die Mobilität zwischen den Berufen. "Dieses Thema wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Erwerbspersonen wechseln zwischen ähnlichen Berufen, wodurch ein noch wenig beachtetes Potenzial entsteht, um einer sinkenden Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu begegnen", so Prof. Dr. Thusnelda Tivig.

Hintergrund der Studie
Die Studie "Berufe im Demografischen Wandel" ist im Rahmen des Projekts "Work & Age: Branchen und Berufe im Wandel" der Initiative Neue Qualität der Arbeit entstanden. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt der Universität Rostock / Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels mit dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie econsense - Forum Nachhaltige Entwicklung der Deutschen Wirtschaft. Es wird fachlich durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin begleitet und durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert. Projektträger ist die Gesellschaft für soziale Unternehmensberatung mbH.

Die Initiative Neue Qualität der Arbeit: Zukunft sichern, Arbeit gestalten
Die Initiative Neue Qualität der Arbeit ist eine gemeinsame Initiative von Bund, Ländern, Verbänden und Institutionen der Wirtschaft, Gewerkschaften, der Bundesagentur für Arbeit, Unternehmen, Sozialversicherungsträgern und Stiftungen. Ihr Ziel: mehr Arbeitsqualität als Schlüssel für Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Dazu bietet die im Jahr 2002 ins Leben gerufene Initiative inspirierende Beispiele aus der Praxis, Beratungs- und Informationsangebote, Austauschmöglichkeiten sowie ein Förderprogramm für Projekte, die neue personal- und beschäftigungspolitische Ansätze auf den Weg bringen.

Die Studie "Berufe im Demografischen Wandel" ist online verfügbar unter:

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 29. Oktober 2013
 
 
 

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