Der Klassenfeind + ich

Autorin: Barbara Bollwahn
Hautnahes Miterleben einer ergreifenden Liebe, getrennt durch die Mauer...

Inhalt
Ramona ist in der DDR geboren, ihr Vater ist in der Partei. Jedoch merkt Ramona mit zunehmendem Alter schnell, dass das Erfolgskonzept des Kommunismus nicht aufgeht. Zudem packt sie immer mehr das Fernweh und als sie dann das erste Mal mit ihrer besten Freundin ins Ausland - nach Ungarn - in den Urlaub fährt, verliebt sie sich auch noch prompt in einen Klassenfeind, einen westdeutschen Jungen. Durch die Sehnsucht nach Jürgen hat sie erstmals in ihrem Leben einen richtigen Hass auf die Partei und die „blöde Mauer“, die ein Wiedersehen verhindern. Mit ihrem Freund bricht dann der Briefkontakt ganz unerwartet und plötzlich ab. Erst nach einigen Jahren steht Jürgen vor ihrer Tür und nun wird endlich klar, dass die Stasi ihre Briefe zurückgehalten hat und keiner der beiden die Beziehung beenden wollte. Allerdings steht nun immer noch die Mauer zwischen ihnen. Und nicht nur die, sondern auch Jürgens Mutter, die schwer etwas gegen die ostdeutsche Freundin hat, steht zwischen der Liebe und verhindert jeglichen Kontakt und lässt beide glauben, der Andere wolle keine Beziehung mehr.
Immer mehr lehnt sich nun Ramona auch gegen die Werte des Ostens auf, denn sie will selbst entscheiden können, wohin sie geht und welchen Beruf sie wählt und nicht, dass die Regierung alles für sie entscheidet. So ist sie natürlich bei den berühmten Montagsdemonstrationen dabei und eine der Ersten, die in den Westen ausreisen, um dort bei einer Freundin ein neues Leben anzufangen und endlich wieder Kontakt zu ihrer früheren Liebe – Jürgen, der nun nicht mehr der Klassenfeind ist – aufzunehmen.

Hintergrund
Über ziemlich genau sechs Jahre schreibt die Hauptperson in ihr Tagebuch und man begleitet sie von der ersten Liebe an bis ins junge Erwachsenenalter mit ihren ganzen Hochs und Tiefs. Aber eigentlich ist es doch die Geschichte der Autorin, Barbara Bollwahn, die sie aus ihren alten Tagebüchern übernommen hat. Genau wie die Hauptperson hat sie mit 17 ihre erste Liebe in Ungarn kennen gelernt und ist gleich nach dem Mauerfall nach Westberlin gefahren. Auch mit ihrer „Jugendliebe aus dem Westen“ ist sie heute noch gut befreundet.

Eigene Meinung
Die Autorin versetzt den Leser wirklich in die Zeit von damals zurück und bringt ihm die DDR sehr nahe. Nun kann auch ich mir – obwohl ich damals ja noch nicht geboren war – ein ziemlich gutes Bild davon machen, welche Verhältnisse dort geherrscht haben müssen. Die Geschichte ist umso ergreifender, wenn man weiß, dass sie wirklich die Jugend der Autorin, also einer, die das Ganze hautnah erlebt hat, beschreibt.
Für mich war es eine sehr gute Erfahrung dieses Buch zu lesen, da ich mir vorher nie genau vorstellen konnte, was damals in der DDR eigentlich los war und wie sehr die Menschen kontrolliert und in ihrem Weg gezwungen wurden. Leider kommen – vor allem am Anfang des Buches – einige Fachbegriffe vor, die zwar im hinteren Teil des Buches sehr gut erklärt sind, aber den Lesefluss zuerst einmal etwas unterbrechen. Aber natürlich fühlt man sich nur so wirklich in die Zeit und das Land zurückversetzt und lernt nebenbei noch ziemlich viel dazu.


Erschienen bei Thienemann


Autorin / Autor: schlumpfi17 - Stand: 4. September 2007