36 Fragen an dich

Autorin: Vicki Grant
Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke

Das auf einem realen Experiment beruhende Buch „36 Fragen an dich“ der Kanadierin Vicki Grant befasst sich mit der entstehenden Beziehung zweier Jugendlicher, die an einer Studie teilnehmen und den jeweils anderen dabei beim Beantworten von 36 Fragen kennenlernen sollen.

Hildy ist die Tochter zweier Akademiker und kommt somit aus einem materiell und bildungstechnisch gut aufgestellten Sozialgefüge. Mehr oder minder geplant nimmt sie an der oben genannten Studie teil und wird dort dem Straßenjungen Paul, der es als Errungenschaft bezeichnet, FAST einen Schulabschluss gemacht zu haben, zugeteilt. Die beiden beginnen den Fragenkatalog abzuarbeiten und geraten dabei oft aneinander. Jedoch wechseln sich diese Streitmomente mit ernsten Gesprächsabschnitten ab, sodass sich der Grundton der Unterhaltung nie klar benennen lässt. Obwohl es Paul und Hildy nicht gelingt, ihre 36 Fragen in der vorgesehenen Sitzung zu beantworten, beenden sie den Fragenkatalog über einige Tage verteilt digital. Nach und nach geben sie dabei Wahrheiten preis, sodass die Antworten an emotionaler Tiefe und Ehrlichkeit gewinnen.

Meine Meinung
Die Idee, ein Jugendbuch auf einer bekannten Studie basieren zu lassen, ist sehr zeitgemäß, wenn auch die Umsetzung für meinen Geschmack nicht zu hundert Prozent gelungen ist. Die Protagonisten und ihre später aufgedeckten Wahrheiten sind oft vorhersehbar und auch die Nebencharaktere haben keine eigene Tiefe, sondern sind meines Erachtens lediglich zur Unterstützung der sich entwickelnden Romanze eingesetzt. Leider ist auch der Umgang mit Klischees und Verallgemeinerungen für mich nicht optimal. Die Grundhandlung „Reiches Strebermädchen und unsympathisch anmutender Badboy treffen sich und lernen einander trotz Herkunft und Vergangenheit kennen und lieben“ an sich, ist für viele Leser zu wenig herausfordernd, während die Rückschlüsse, die Hildy zieht „Bisher hatte ich kein Glück in der Liebe – ich muss asexuell sein“ oft leider weder präzise noch der Bedeutung der von ihr genutzten Worte entsprechend ist (was anhand der Tatsache, dass sie sich sehr gebildet gibt, beinahe etwas enttäuschend ist). Generell ist das Buch etwas langatmig, denn es fehlen die Tiefen und neuen Plot-Twists, die die Seiten füllen. Auch verlieren durch die langfristig angelegten Andeutungen die vorhandenen Abgründe der Charaktere an Wirkung.
Der Schreibstil von Autorin und Übersetzerin ist angenehm flüssig, besonders die Dialoge erweisen sich als spritzig und abwechslungsreich. Wer einfach auf der Suche nach einem süßen, nicht zu anspruchsvollen Buch mit einem angenehmen Protagonistenduo ist, wird diesen Roman sicher genießen!


Erschienen bei Heyne fliegt

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Autorin / Autor: Alina - Stand: 20. August 2018