I Know Where You Buried Your Husband

Autorin: Marie O'Hare
Übersetzt von Frauke Meier

'I Know Where You Buried Your Husband' ist ein Roman aus der Feder von Marie O'Hare, erschienen 2025 in der deutschen Übersetzung bei Lübbe, der von einer Gruppe Freundinnen erzählt, die ein dunkles Geheimnis verbindet: Sofias Ehemann. Als dieser plötzlich tot in Sofias Wohnzimmer liegt, halten die langjährigen Freundinnen zusammen und werden seine Leiche gemeinsam los. Nach sieben Jahren Funkstille zwischen den Frauen taucht jedoch ein Erpresser auf, der damit droht, ihre dunkelsten Geheimnisse ans Licht zu bringen. Die Frauen sind gezwungen, sich mit ihren eigenen Abgründen auseinanderzusetzen, aber auch mit ihrer Freundschaft.

Vorab lässt sich sagen, dass der Titel großartig gewählt ist. Er ist reißerisch, unheimlich, irgendwo dann doch wieder witzig, aber springt vor allen Dingen sofort ins Auge. Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass man ihn nicht krampfhaft übersetzt hat, sondern ihn im Original belassen hat. So kommt auch der Anklang an “I Know What You Did Last Summer” hervor - und, im Ernst, ich will nicht “Ich weiß, wo du deinen Gatten begraben hast” lesen. Das deutsche Coverdesign gefällt mir tatsächlich besser als das der Originalausgabe. Es ist zielgruppengerecht dunkel und schlicht, wirkt damit selbstbewusst und nicht verkünstelt.

Die Handlung selbst wird von einem personalen Er-Sie-Erzähler erzählt, der dabei zwischen den Perspektiven der Freundinnen wechselt. Obwohl ich Verfechterin der Ich-Perspektive bin, halte ich die Wahl hier für treffend und stimmig mit dem Gesamtbild. In den einzelnen Perspektiven entfalten sich dabei überspitzte und teils echt unsympathische Züge der Figuren, die mich im echten Leben nur abschrecken würden, hier aber faszinieren. Schön schräg, und vielleicht genau das, was beim Lesen auch mal Spaß macht. Der Hang zum Unsympathischen ist für mich nicht zum Problem geworden, sondern zum Teil des Vibes.

Besonders begeistert hat mich auch der Schreibstil. O'Hare schreibt großartige Sätze und über Dinge, die ich bisher noch nicht so gelesen habe. Ihr Humor trifft meinen Geschmack und ich finde es toll, wenn dem Hässlichen ein Name gegeben wird. Die Handlung blieb über den Roman hinweg interessant – sowohl die Vorgeschichte als auch die eigentlichen Ereignisse haben mich gut unterhalten. Ein bisschen wie in den Staffeln von Pretty Little Liars, bevor es absurd wurde.

Allerdings muss ich sagen: Der Roman hat Thriller versprochen. Und das ist es für mich nicht. Ich weiß nicht, wie nervenkitzelig etwas sein muss, um sich so schimpfen zu dürfen, aber der Teil ist völlig an mir vorbeigegangen. Als jemand, der Geschichten mit langsamer Entwicklung durchaus etwas abgewinnen kann, konnte ich mich mit dem Werk gut anfreunden und habe ich den Thrill auch nicht vermisst. Mir fallen allerdings direkt Leute ein, denen ich von dem Buch abraten würde, weil sie enttäuscht wären.

Letztendlich hat mir der Roman echt gut gefallen, auch wenn er nicht der Thriller war, den ich erwartet habe. Wer wirklich einen Thriller will, greift besser zu etwas anderem. Für alle, die darüber hinwegsehen können und interessante Sprache und Figuren zu schätzen wissen, ist dieser Roman jedoch eine solide Wahl.


Erschienen bei Lübbe

Autorin / Autor: Louisa - Stand: 30. Dezember 2025