Anmache im Netz

Aus dem verständnisvollen Freund, mit dem du über alles reden konntest, wird plötzlich einer, der komische sexuelle Andeutungen macht... Was kann man dagegen tun?

Dass das Netz voll ist von Pornographie ist kein Geheimnis mehr. Auch die Hunderten von Spams, die unsere Postfächer überfluten, bieten "erotische Bilder" und Mittel für "besseren Sex" an. Daran haben wir uns ja schon irgendwie gewöhnt, auch wenn es nicht nur lästig, sondern auch zutiefst ekelhaft ist. Immerhin kann man die Pornowerbung noch wegklicken und die Spams löschen. Was aber ist, wenn sich dein Chat oder ICQ-Partner plötzlich komisch verhält, dich nach intimen Dingen wie zum Beispiel deiner Körperbehaarung ausfragt? Das ist eindeutig ein Eingriff in deine Intimsphäre! Solche Fälle werden leider immer häufiger: da findet man plötzlich Nacktbilder in seinem E-Mail-Account, wird zum Cybersex aufgefordert und wird ohne Vorwarnung mit unangenehmen Szenen wie z.B. einem onanierenden Mann konfrontiert, die über die Webcam übertragen werden.

Jede/r fünfte Jugendliche betroffen
Das sind nicht immer nur harmlose Jungsstreiche. Es gibt leider immer wieder Sexualstraftäter, die über Chat-Rooms oder Kontaktanzeigen im Netz - unter Angabe einer falschen Identität und Angabe eines falschen Alters - Kontakt zu Jugendlichen aufnehmen und sich mit ihnen verabreden. In einigen Fällen kommt es dann zu Missbrauch und Vergewaltigung. Laut einer Studie des Crime Against Children Research Center der Universität of New Hampshire wurde jede/ jeder fünfte Jugendliche zwischen 10 und 17 Jahren in den USA schon einmal online sexuell belästigt bzw. zu sexuellen Aktivitäten überredet. Und das nicht nur in Chats und Foren, sondern leider sogar immer öfter per Mail und auch telefonisch.

Vertrauensmissbrauch
Sexuelle Belästiger fallen nicht sofort auf. Sie tarnen sich mit für Jugendliche typischen Nicknames und erschleichen sich langsam das Vertrauen von ihren MitchatterInnen. Erst später fangen sie nach und nach an, immer intimere Fragen zu stellen, bei denen man sich zunächst nichts denkt, denn die Person ist einem ja nicht mehr fremd. Wozu also Hemmungen haben? Schließlich kann kann ja online viel besser über bestimmte Tabu-Themen reden als in der Realtität. Niemand sieht, dass man rot wird oder vor sich hinstammelt oder noch gar nicht so genau Bescheid weiß. Und genau das ist das Gemeine an solchen Situationen. Die Täter nutzen diese Situation bewusst aus und werden immer intimer. Sie fragen Dinge, die du ihnen gar nicht erzählen willst, schicken dir möglicherweise E-Mails mit Nacktbildern oder fordern dich auf das Gleiche zu tun... Aus dem verständnisvollen Freund, mit dem du über alles reden konntest, wird plötzlich ein perverser Unbekannter.

Autorin / Autor: Rosi Stolz - Stand: aktualisiert 19. März 2007