2. Teil: Das ABC des Fragens

Jemanden zu interviewen heißt, Fragen zu stellen. Schön und gut – aber wie stellt man gute Fragen? Und welche Arten von Fragen sind nicht so gut geeignet?

Offene Fragen sind geschickte Fragen
Euer Ziel ist, möglichst viel von eurer Interviewpartnerin zu erfahren. Fragen, die sich mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen, sind nicht so gut, da sie euch so gut wie keine Informationen einbringen.
Beispiel: „Madonna, hat es Ihnen Spaß gemacht, bei einem James-Bond-Film mitzumachen?“ Die Antwort würde „ja“ oder „nein“ lauten und - fertig. Unbefriedigend, was? Solche Fragen heißen geschlossene Fragen, die ihr in einem Interview nur sehr selten stellen solltet. Besser ist es so zu fragen, dass die Antwort ausführlich ausfällt wie zum Beispiel: „Was hat Ihnen besonders daran gefallen, am James-Bond-Film mitzuwirken?“ Nun kann Madonna richtig auspacken und erzählen, was gut, was sehr gut oder auch was nicht so gut war. Solche Fragen heißen - ihr ahnt es - offene Fragen.

Warum ist die Banane krumm?

Kleine Kinder lieben es, immer und immer wieder nach dem "warum" zu fragen - so lange, bis jede große Schwester genervt ist. So ähnlich solltet ihr es auch machen: bei Warum-Fragen muss die Interviewpartnerin ausführlich antworten und auch mal in die Tiefe gehen.
Übrigens: Auch Fragen, die mit "Was ist der Grund dafür, dass..." oder "Was war die Ursache für..." anfangen, sind Warum-Fragen, weil man nach einem Grund fragt.

Fragen mit Einleitung

Nicht immer muss man mit der Tür ins Haus fallen. Ihr könnt euren Fragen auch eine kleine Einleitung vorausschicken - und einen kompetenten Eindruck dadurch machen.
Beispiel: "Vor fünf Jahren haben Sie öffentlich erklärt, dass... Wie stehen Sie heute dazu?" Auch diese Art der Frage "zwingt" die Interviewpartnerin zu einer ausführlicheren Antwort.

Meinungsfragen

Meinungsfragen sind klasse, denn da wird es persönlich! "Was halten Sie von Präsident Bush? Wie stehen Sie zur Todesstrafe? Welches Bild haben Sie von uns Deutschen?" Hier kann es richtig zur Sache gehen - allerdings solltet ihr euch darauf einstellen, dass brisante Fragen manchmal ausweichend beantwortet werden. Aber: ein Versuch ist es wert, denn die persönlichen Statements von bekannten Personen sind ja das Spannende an Interviews!

Suggestivfragen

Diese Art Fragen sind tabu, denn wer suggestiv fragt, will der Interviewpartnerin eine bestimmte Meinung unterschieben. Als Journalistinnen solltet ihr euch jedoch objektiv geben und schon gar nicht andere manipulieren.
Beispiel: "Meinen Sie nicht auch, dass die Musikbranche ein ganz korrupter Haufen ist?" oder "Ist es nicht vielmehr so, dass alle Musikerinnen Drogen nehmen?" Ihr merkt schon, solche Fragen sind eher peinlich und können dazu führen, dass die Interviewpartnerin das Interview abbricht.

Autorin / Autor: Natascha Bleckmann - Stand: 5. Dezember 2002