Essen war mein Trost

...und gleichzeitig mein größter Feind. Ein Erfahrungsbericht einer Lizzy

Ich war immer für alle da, auch wenn ich sehr viel Distanz hielt, aber ich wollte helfen, ich dachte auch, dass andere es immer viel schlechter haben als ich und ich keinen Grund hätte mich zu beklagen.

Ein täglicher Kampf
Jetzt nach all den Jahren der Selbstaufgabe, in der sich die Bulimie und die soziale Isolation immer mehr in meinem Leben etablierten, steh ich hier, mit siebzehn Jahren, seit einem dreiviertel Jahr bei meiner Familie ausgezogen und kämpfe tagtäglich gegen Erinnerungen, Gedankenfetzen und zu hohe Erwartungen. Ich hab am Anfang auch gedacht, ich breche nur ein-, zweimal und fange dann mit einer normalen Diät an, aber so ist es nicht, man merkt es kaum, aber irgendwann wird es normal zu brechen, es wird zum Alltag.

Es ist eine Qual, nichts ohne schlechtes Gewissen essen zu dürfen,
Mir fällt es heute noch schwer zu begreifen, dass es mir so schlecht geht, dass ich zu einer Psychologin gehen muss, aber ich bin auch sehr dankbar, dass ich jetzt endlich eine gefunden habe, mit der sich langsam ein Vertrauensverhältnis aufbaut. Ich möchte auch nicht, dass ich beim Kaufen von Lebensmitteln nur noch darauf achte, wie schnell es wieder ausgebrochen werden kann, denn das ist das wahre Gesicht der Bulimie, es hat nichts mehr mit Selbstkontrolle zu tun, es ist eine Qual, nichts ohne schlechtes Gewissen essen zu dürfen, Tag für Tag nur ein Monster im Spiegel zu sehen.

Nicht die Medien sind schuld
Ich habe mich nicht wie andere Mädchen von den Medien leiten lassen, dazu hatte ich auch gar keine Zeit, Essen war mein Trost und gleichzeitig mein größter Feind. Noch heute ertrage ich mich kaum, aber ich werde mit der Psychologin daran arbeiten, ich weiß, dass Therapien schon um die zwei oder drei Jahre dauern können. Es gibt 30-jährige Frauen, die immer noch an der Bulimie leiden, aber sie sagen auch, dass es darauf ankommt, nie aufzugeben. Und je eher man die Bulimie bekämpft, desto mehr Chancen hat man, davon loszukommen, wobei das meistens kaum möglich ist. Magersucht und Bulimie sind in der Regel lebenslange Krankheiten, die Symptome können schwächer werden, aber die Krankheit ist immer da. Ist es das dann wert? Das Problem ist, dass es Menschen wie mich gibt, die kaum Halt finden und die viele schreckliche Erlebnisse hatten, und wenn diese Menschen dann versuchen einfach immer weiter zu funktionieren, suchen sich die Gefühle einen anderen Weg, und das können Essstörungen, Selbstverletzungen etc. sein.

Niemand muss perfekt sein
Ist es da nicht besser, doch einmal um Hilfe zu bitten als ein Leben lang damit kämpfen zu müssen, dass man es nicht getan hat? Ich erzähle meine Geschichte nicht, weil ich Mitleid möchte, sondern weil ich hoffe, dass sich ein paar Mädchen gegen die Essstörung entscheiden, dass sie doch lieber reden, als sich völlig zu verschließen und andere Auswege für ihre Gefühle zu suchen. Ich hoffe es so sehr, denn hinter der Bulimie steckt so viel mehr als nur ein gestörtes Essverhalten, dahinter steht eine zerstörte Seele und damit kämpft man ein Leben lang. Niemand hat es verdient, auf der Erde zu liegen und nichts essen zu dürfen, niemand muss perfekt sein und niemand muss weiter funktionieren, wenn er nicht mehr kann. Es stimmt, das Leben ist oft nicht fair und manchmal sieht es so aus, als wenn es niemals mehr besser wird, aber es gibt immer eine Chance, sich Hilfe zu holen, und wenn man nicht mehr kann, dann hat man diese Hilfe auch verdient. Egal wie sehr man sich selber verachtet, ein Leben, das man wirklich ein Leben nennen kann, hat jeder verdient und das schließt Gesundheit und Respekt für sich und andere mit ein.

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Autorin / Autor: Anonym - Stand: 19. März 2008
 
 
 

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