24 Sekunden ab jetzt
Autor: Jason Reynolds
Übersetzt von Anja Hansen-Schmidt
24 Sekunden ab jetzt, klingt wie ein Countdown für Neon, aber auch für Aria.
“Heute Abend. Geht es. Um uns. Aria und mich. Mich und Aria. Um die Gewinner des ultimativen Superlativs. In der Kategorie Verliebtes Liebespaar. […] Heute Abend geht es. Um unser erstes Mal. Wird unser erstes Mal sein. Zusammen.” (Seite 9f.) Jason Reynolds entfaltet gleich in diesen ersten Zeilen des Textes, worum es geht, und es dennoch auch wieder nicht geht. Denn Neon und damit auch wir Leser befinden uns ja noch 24 Sekunden davor und anstelle nun weiter zu erzählen, wird die Liebesgeschichte der beiden in Retrospektive beschrieben. Vom Jetzt gehen wir zunächst 24 Minuten zurück, dann 24 Wochen und zuletzt 24 Monate, als sie sich das erste Mal trafen. Das macht das Buch besonders, da vom häufigen Erzählmuster “Start im Jetzt, dann zurück auf Null und von dort aus chronologisch voraus auf das Jetzt hin erzählend” abweicht. Es wird konsequent “zurück” erzählt, wenngleich es in den Kapiteln um konkrete Anlässe zu dem jeweiligen Zeitpunkt geht. Diese haben zwar etwas mit Neon und Aria zu tun, aber es sind keine ersten Male. Stattdessen geht es um das letzte Jahr auf der Highschool, das Jahrbuch, gemeinsame Freunde und viel um die Familien, insbesondere Neons Eltern, seine ältere Schwester und die verwitwete Großmutter. Dabei erfahren wir auch einiges über deren Liebesgeschichten. Es geht um füreinander, miteinander, zusammen und ehrlich zu sein, so dass es Neon in Sekunde 24-x möglich ist, vor Aria zuzugeben, dass er nervös ist.
Ein an vielen Stellen leises, fast zart erzähltes Buch, und gleichzeitig auch laut, direkt, unmittelbar. Mit Nachhall. Für viele, vor dem ersten Mal. Für viele, nach dem ersten Mal. Für alle als Erinnerung, dass Sex persönlich, intim, besonders ist. Und ja, auch für Romantiker.
Erschienen bei dtv
Autorin / Autor: VFM - Stand: 20.Juli 2026