Zu gut für den Job?

14 % der erwerbstätigen Frauen empfanden sich 2014 für ihre berufliche Tätigkeit überqualifiziert

Während die Medien immer häufiger über Burnouts berichten, hat das Statistische Bundesamt (Destatis) mal genauer nachgefragt, wie zufrieden die Erwerbstätigen denn mit ihren Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz sind, und ob die derzeit ausgeübte Tätigkeit der eigenen Qualifikation entspricht. Anlässlich des internationalen Frauentags am 8. März teilt das Bundesamt nun die Ergebnisse der Umfrage mit. Demnach gaben im Jahr 2014 12 Prozent der Erwerbstätigen an, für die Anforderungen an ihrem Arbeitsplatz überqualifiziert zu sein. Frauen waren mit einem Anteil von 14 % sogar überdurchschnittlich häufig von der Unterforderung betroffen. Unter den befragten Männern schätzten sich dagegen nur 10 % als überqualifiziert ein.

Mehrheit der Beschäftigten fühlt sich adäquat qualifiziert
Im Idealfall stimmen die Anforderungen des aktuellen Jobs mit der eigenen Qualifikation natürlich überein. Diese Übereinstimmung traf 2014 auf erfreuliche 86 Prozent der Erwerbstätigen zu. Aber auch hier gab es wieder einen Geschlechterunterschied: Männer gaben mit einem Anteil von 88 Prozent an, adäquat qualifiziert zu sein, während Frauen nur zu 84 Prozent der Meinung waren, dass ihre Qualifikation passe. Interessant ist auch das Ergebnis, dass nur 2 Prozent  aller Erwerbstätigen ihre Qualifikation als zu niedrig für ihre Arbeitsstelle bewerteten. Hierbei gab es übrigens keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.

Bleibt jetzt nur noch die Frage offen, woran es denn liegt, dass Frauen sich im Job eher unterfordert fühlen als ihre männlichen Kollegen? Eine mögliche Antwort gab Dr. Edelgard Kutzner, Soziologin an der Sozialforschungsstelle der Technischen Universität Dortmund, kürzlich in einem Interview auf mintrelation.de: "Noch immer findet sich in vielen Unternehmen eine geschlechterbezogene Arbeitsteilung. Wenn wir nach den Gründen dafür gefragt haben, nannten Frauen und Männer immer wieder vermeintliche Eigenschaften der Geschlechter, Stärken, Vorzüge, Schwächen und Nachteile des eigenen und des anderen Geschlechts. Solche Zuschreibungen dienen zur Begründung alter und neuer geschlechterbezogener Arbeitsteilungen. Die meisten Begründungen heben allerdings ab auf Defizite von Frauen. In einem unserer Untersuchungsbetriebe hielt sich beispielsweise hartnäckig das Vorurteil, Frauen seien technisch weniger begabt. Bei näherem Nachfragen stellte sich allerdings heraus, dass Frauen mit gleichem Erfolg an gleichen Maschinen arbeiten wie Männer. Allerdings werden nur Männer in bessere Positionen befördert. Das Vorurteil ist also in der Praxis längst widerlegt, dient aber nach wie vor zur Legitimation männlicher Privilegien."


Die Angaben wurden im Rahmen einer Zusatzerhebung des Mikrozensus 2014 erhoben und beruhen auf der Selbsteinschätzung von Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 Jahren.

Quelle

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 3. März 2016
 
 

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