Wie die Ruhe vor dem Sturm

Autorin: Brittainy C. Cherry
Übersetzt von Katja Bendels

Eleanor ist beinah noch ein Kind, als ihre Mutter an Krebs erkrankt. Und so ist sie gezwungen, zuzusehen, wie ihre Sonne, ihre große Schwester, ihr Lebensmittelpunkt vor ihren Augen immer schwächer, immer müder wird. Doch es gibt auch einen Lichtblick in Eleanors Leben: Greyson. Er ist einer der beliebtesten Jungen der Schule und nimmt nach einer Party plötzlich Kontakt zu ihr auf. Die beiden verstehen sich überraschend gut und spüren eine besondere Verbindung: Vor kurzer Zeit ist Greyson‘s Großvater verstorben, er weiß also wie es sich anfühlt, einen geliebten Menschen viel zu früh zu verlieren. Die wöchentlichen Ausflüge mit Greyson geben Eleanor Kraft, auch wenn sich die Dinge zwischen den beiden nur langsam entwickeln. Sie sind füreinander da und geben einander einen Grund zum Lächeln. Als Eleanors Mutter sich entscheidet, ihre Chemotherapie zu beenden und den Dingen ihren Lauf zu lassen, zieht die ganze Familie von Illinois nach Florida, sodass Paige ihren Lebensabend am Meer verbringen kann.

Während Eleanor die letzten Monate mit ihrer Mutter genießt, vermisst sie natürlich Greyson‘s Gegenwart. Das wird ihr umso schmerzlicher bewusst, als Paige den Kampf gegen den Krebs schließlich verliert und aus Eleanors Leben schwindet. Mitten in der Dunkelheit gefangen, kann nicht einmal ihr Vater zu Eleanor durchdringen. Einzig die E-Mails und Anrufe von Greyson holen sie manchmal zurück ins Leben. Die beiden bleiben noch eine Weile in Kontakt, verlieren sich aber irgendwann aus den Augen. Bis Eleanor 16 Jahre später ein Vorstellungsgespräch als Nanny bei einer reichen Familie hat – und sich plötzlich Greyson gegenüber wiederfindet. Er soll ihr neuer Arbeitgeber sein? Greyson hat sich sehr verändert, nichts an ihm erinnert Eleanor noch an den fröhlichen Jungen, den sie einst geliebt hatte. Sein Blick ist hart, sein Umgang mit ihr kühl, er spricht wenig. Der Verlust seiner Frau Nicole hat ihn schwer getroffen und für immer verändert. Eleanor versucht ihren Platz zwischen ihm und seinen zwei Töchtern zu finden, doch nicht nur das Trauma ausgelöst durch Nicoles Tod, sondern auch Eleanors Herzklopfen wann immer Greyson sie ansieht, sorgen für Spannungen in ihrem Alltag. Während Eleanor alles tun würde, um Greyson zu helfen und zu heilen, seine Schmerzen zu lindern und seine Beziehung zu seinen Töchtern zu kitten, tut er alles, um sie auf Distanz zu halten und so wenig Zeit wie möglich mit seinen Kindern zu verbringen. Hat Eleanor überhaupt eine Chance, diese Familie wieder zusammen zu bringen? Und wie kann sie mit ihren eigenen Gefühlen umgehen?

Brittainy Cherry erzählt die Geschichte von Eleanor und Grey eingebettet in eine allesumfassende, tiefe Traurigkeit. Diese Traurigkeit wiegt zwar schwer, doch sie ist nicht das Ende. Vielmehr ist sie die Leinwand, auf der sich die Freundschaft und Liebe zwischen diesen zwei verletzten Menschen erst entwickeln kann. Die Autorin nimmt uns dabei mit auf eine Reise, die mehrere Jahrzehnte, eine Ehe, zwei Kinder und zwei Seelen miteinander verbindet und auch dem Leser das Gefühl gibt, Teil dieser Geschichte zu sein. Cherrys Art zu erzählen lässt einem das Herz schwer werden und das Glück im Alltäglichen erkennen. Selten war ich so froh, meine Liebsten um mich zu haben und habe es gleichzeitig so genossen, mehr über die teilweise schmerzhaften Erfahrungen von Eleanor und Greyson zu erfahren. Das Buch liest sich angenehm und lässt den Leser dank seines Umfangs wirklich eintauchen in die Geschichte. Auch wenn die Geschichte von Eleanor und Greyson für mich nicht die Entdeckung des Jahrhunderts ist, ist sie trotzdem wunderschön und eine nette Möglichkeit, dem Alltag für ein paar Stunden zu entfliehen. Wer auf bittersüße Liebesgeschichten steht, wird hier voll auf seine Kosten kommen!

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    Autorin / Autor: lacrima - Stand: 24. Juli 2020