Vront - Sie hören dich denken

Autor: Yves Grevet
Übersetzt von Nadine Püschel

In dem Buch „Vront – Was ist die Wahrheit?“ von Yves Grevet, geht es um ein Zukunftsszenario, in der alle (gesundheitlichen) Daten von (fast) allen Menschen von einer Institution überwacht werden. Der Autor spinnt in diesem Roman einige bisher bereits bestehende Trends weiter: Fitnessarmbanduhren, Überwachung des öffentlichen Raumes, Babyphone-Kameras und vieles mehr. Dabei erzählt er eine Geschichte aus mehreren Perspektiven, wobei die Einführung aus der Sicht einer eigentlich angepassten und zufriedenen Person geschieht. Stans Bruder, Scott, wird gleich zu Anfang verhaftet und vor Gericht gestellt, weil er einer Jugendbewegung namens „Vront“ angehört, die verschiedene Aktionen gegen die totale Überwachung bei Nacht und Nebel unternehmen und eine Lockerung der Gesetze anstreben. Stan fällt aus allen Wolken und versteht die Welt nicht mehr. Was hat sein Bruder gegen das System? Es rettet doch unzählige Leben! Und wieso hat er ihn nicht eingeweiht? Er macht sich auf die Suche nach Antworten und bleibt dabei nicht alleine, während sein Bruder Dinge erfährt, die er lieber nichts wissen wollte.

Meine Meinung
In dem Buch werden einige Gefahren und Chancen der sich immer weiterentwickelten Technik aufgezeigt und der Konflikt zwischen Sicherheit und Freiheit spannend dargestellt. Es wird gezeigt, wie sich der Staat damit auch verwundbar machen kann und es immer schwerer fällt, Grenzen zu ziehen, wie viel Kontrolle er tatsächlich über das Individuum übernehmen darf und sollte. Auch wird aufgezeigt, dass – egal wie engmaschig die Kontrolle ist – Verbrechen niemals ganz ausgeschlossen werden können. Denn nicht nur die Behörden entwickeln sich (technisch) weiter, sondern auch der Untergrund. Auch wird die Frage gestellt, ob ein langes Leben auch wirklich immer ein lebenswertes Leben ist, und wer am Ende über den Tod entscheidet, wenn durch die Technik eine quasi endlose Lebenserhaltung theoretisch möglich ist. Insgesamt geht also auch viel um körperliche Unversehrtheit und den freien Willen.

Das Buch regt zum Nachdenken an
Ich selbst habe mich immer wieder beim Überlegen erwischt, ob der Zweck wirklich die Mittel heiligen kann und bin meistens zu dem Ergebnis gekommen: Nein. Was mich wiederum zur Reflektion zu eigenen Lebensbereichen gebracht hat. Das Buch regt also auf jeden Fall zum Nachdenken an. Schade fand ich jedoch, dass nur aus der Sicht von privilegierten Mitgliedern, „guten“ Menschen der behandelten Gesellschaft geschrieben wurde. Die „Bösen“ waren halt einfach „böse“, geldgierig und grausam. Es wird zwar kurz einmal das Problem einer Zweiklassengesellschaft angesprochen, aber es wird nicht näher darauf eingegangen, sondern mit einem abwertenden Satz einer Protagonistin abgetan. Es wird auch nicht näher drauf eingegangen, weshalb der soziale Unterschied so stark ist und ein Teil der Bevölkerung unter schlechteren Bedingungen aufwächst. Ähnlich unbefriedigend fand ich das Ende. Für die Protagonist_innen war es möglicherweise eine große Änderung, die am Ende stattfindet, allerdings finde ich, dass da nur an der Oberfläche des Problems gekratzt wurde.

Feministische Themen trotz männlicher Akteure
Andererseits ist es auch gut, dass das Buch keine festen Antworten liefert, sondern einfach ein mögliches Szenario darstellt, dass zum Nachdenken anregt. Auch gut fand ich, dass einige starke Frauenfiguren vorkamen und auch ein paar feministische Themen angesprochen wurden. Die meisten Akteure und Sichtweisen waren jedoch männlich, und ein paar Stereotype wurden immer noch reproduziert. Auch der Stil in dem geschrieben wurde, hat mir nicht so gut gefallen, da er mich nicht sehr in den Bann gezogen hat. Er war mir ein wenig zu analytisch und beschreibend und wenig emotional packend. Das könnte jedoch auch an der Übersetzung liegen, und eigentlich passt es auch ganz gut zu dem Setting. Ich fand es dennoch manchmal zu reflektiert und erklärend. Gleichzeitig fand ich die Beweggründe der einzelnen Personen oft schwer nachvollziehbar, da zum Beispiel die Brüder im gleichen Umfeld aufwachsen und ganz andere Meinungen entwickeln. So was kommt natürlich schon vor, aber ich fand den Kontrast etwas zu stark.

Fazit
Trotz einiger Kritikpunkte finde ich, dass „Vront – Was ist die Wahrheit?“ ein Buch ist, das gekonnt auf Konflikte aufmerksam macht, der sich unsere Gesellschaft noch verstärkt stellen muss. Besonders geeignet ist es für Leser_innen ab 12 Jahren oder älter, da auch es schon eher düster ist und einige Gewaltszenen vorkommen.

Erschienen bei Mixtvision

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Autorin / Autor: Johanna - Stand: 17. August 2020