Vorurteilsfalle "Generation"

Arbeitspsychologe warnt vor stereotypen Ansichten über jüngere und ältere Arbeitnehmer_innen

Wer sich bewirbt oder bereits im Berufsleben steht, kennt solche Sprüche wie "die Jüngeren sind doch irgendwie unzuverlässig, orientierungslos, sehr auf sich bedacht und schauen ständig auf ihr Smartphone". Den älteren Arbeitnehmer_innen wird im Gegenzug oft Zuverlässigkeit und Bescheidenheit attestiert. Arbeitspsychologe Prof. Dr. Hannes Zacher von der Universität Leipzig hält solche Annahmen über Generationen für Stereotypen und hat sich zum Ziel gesetzt, sie aus der Welt zu schaffen. "Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Unterschiede zwischen Generationen in Bezug auf Werte, Einstellungen und Verhalten existieren. Das sind Vorurteile, die Ausgrenzung und Diskriminierung fördern", warnt er. Wenn es denn Unterschiede zwischen den Gruppen gäbe, hätten sie eher mit altersbezogenen Veränderungen und dem Lebensumfeld zu tun, seien aber nicht einer bestimmten Generation wie zum Beispiel den sogenannten "Babyboomern" oder der "Generation Z" zuzuschreiben. Mit zunehmendem Alter ändere sich oft die Persönlichkeit, Menschen würden mit der Zeit verträglicher, gewissenhafter und stressresistenter.

Zacher und seine Kollegen veröffentlichten in der Fachzeitschrift "Organizational Dynamics" einen Beitrag zu diesem Thema, indem sie Praktikern in Unternehmen erklären, warum Generationen und Unterschiede zwischen ihnen ein Mythos seien. Der Begriff "Generation" bezeichnet eine Gruppe von Personen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraumes geboren sind, zum Beispiel zwischen 1980 und 2000. In bisherigen Studien seien Menschen verschiedenen Alters immer nur zu einem Zeitpunkt befragt worden. Eigentlich müssten Menschen aber über mehrere Jahre und Jahrzehnte lang wissenschaftlich begleitet werden, um fundierte Aussagen treffen zu können. Die Wissenschaftler bemängeln außerdem, dass die Zeitspannen der Geburtsjahrgänge, durch die Generationen bestimmt werden, willkürlich gesetzt seien, dadurch werde ein- und dieselbe Generation in verschiedenen Studien häufig unterschiedlich definiert. "Es ist generell nicht möglich, von bestimmten Gruppenmerkmalen auf die Werte, Einstellungen und das Verhalten von Einzelpersonen zu schließen", so Zacher.

Das Konzept der Generationsunterschiede sei inzwischen so selbstverständlich, dass es sogar eine ganze "Generationsindustrie" gäbe, die Ratgeber und Filme zu diesem Thema veröffentlicht und Workshops anbietet, wie beispielsweise in der Berufswelt mit der "Generation iPhone" oder der "Generation Golf" am besten umzugehen ist. Die meisten Bedürfnisse seien aber unabhängig vom Alter. "Beispielsweise brauchen nicht nur jüngere Menschen berufliche Herausforderungen, auch ältere", erklärt Zacher. Durch die Diskussionen über Generationsunterschiede würden zeitliche und finanzielle Ressourcen in Organisationen verschwendet, meint er.

Neue Technologien und andere Veränderungen in der Arbeitswelt beeinflussen sowohl Ältere als auch Jüngere - unabhängig vom Geburtsjahr. Auch viele Senioren würden regelmäßig zum Smartphone greifen - sie nutzten es nur zu etwas anderen Zwecken als die Jugend. "Menschen wollen nicht aufgrund von Stereotypen unterschiedlich behandelt und beurteilt werden, sondern als Individuen. Deshalb sind Generationslabels und verallgemeinernde Zuschreibungen von bestimmten Merkmalen gefährlich", betont der Experte. Er schlägt daher vor, die Forschung zu Generationen vorerst auszusetzen, bis es angemessene Untersuchungsmethoden und eine bessere Datengrundlage gibt. Stattdessen sollten Praktiker in Unternehmen eine individuelle Perspektive und Lebensspannenorientierung einnehmen, bei der die Einzelperson und ihre persönliche Entwicklung über die Zeit im Vordergrund stehen.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 7. Juni 2018
 
 
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