Vom Muskelbody zur "Manosphere"?

Studie: Soziale Netzwerke machen toxische Männerbilder für Jungen attraktiv

Dass fast alle Jugendlichen in sozialen Netzwerken unterwegs sind und auch in ihrem Weltbild stark davon geprägt werden, wird zur Zeit überall diskutiert. Wie stark diese Beeinflussung vor allem bei Jungen sein kann, zeigt die Studienreihe „Soziale Medien, Geschlechterbilder und Werte“ des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI). Neun von zehn Jugendlichen beziehen demnach ihr Weltbild aus sozialen Medien. Viele Jugendliche starten ihren Tag mit TikTok und beenden ihn auch damit. Was sie dort genau erleben und erfahren, wurde in der Studie im Rahmen einer qualitativen Befragung erhoben. Im Fokus standen hierbei Jungen. Dabei zeigte sich ein alarmierendes Muster. Interessieren sich Jungs für Fitness und Muskelaufbau oder Statussymbole wie schnelle Autos, bedient der Algorithmus sie auch mit Inhalten aus der rechtsextremen Ecke und der sogenannten "Manosphere", das sind plattformübergreifende Online-Communities, in der übertriebene Männlichkeitsideale gefeiert und frauenfeindliche Ideologien verbreitet werden. Die Befragten gaben zwar an, Fake News erkennen zu können und sozialen Netzwerken eher zu misstrauen, allerdings heißt das nicht automatisch, dass Desinformation und Propaganda in der Praxis auch wirklich erkannt werden.

Die Studie offenbarte zumindest bei 26 % der befragten Jungen ein Weltbild, das von einer vermeintlich naturgegebenen Dominanz von Männern, politisch rechter Orientierung, LGBTQ+-Feindlichkeit, Klimakrisenskepsis oder -leugnung sowie Unzufriedenheit mit der Demokratie in Deutschland geprägt ist. Dies bedeutet u.a.:

  • 97 % sehen Männer und Frauen von Natur aus als grundsätzlich unterschiedlich
  • 95 % finden, dass Gendern grundsätzlich abgeschafft werden sollte
  • 81 % halten Klimaaktivist*innen für völlig unnötig
  • 63 % sind unzufrieden mit der Demokratie, wie sie in Deutschland besteht
  • Nur 43 % sind der Meinung, dass Männer, Frauen und non-binäre Personen die gleichen Rechte und Chancen haben sollten.

Was tun gegen vergiftete Social Madia Inhalte?

In der Studie wurde sichtbar, dass Jugendliche, die sich politisch als rechts einordnen, eher den Klimawandel leugnen und toxische Männerbilder vertreten. Insgesamt gab es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechterbildern bei Mädchen und Jungen. Die Mädchen hatten deutlich häufiger eine gleichberechtige Vorstellung von Geschlechterrollen. Einige Forscher:innen vermuten, dass diese auseinanderdriftenden Vorstellungen möglicherweise ein Grund dafür sind, dass Jugendliche und junge Erwachsene heute zunehmend seltener feste Partnerschaften eingehen.

Um herauszufinden, was den vergifteten Inhalten in sozialen Netzwerken entgegengesetzt werden könnte, haben die Studienautor:innen ein Experiment mit alternativen TikTok Clips durchgeführt. Darin widerspricht ein attraktiver junger Mann der Idee deutlich, Männer seien Opfer der Gleichberechtigung. Er bezeichnet diese Sichtweise als „total schräg“ und die daraus resultierende Gewalt gegen Frauen als „echt ekelhaft“. Seine klare Botschaft: „Starke Männer verteidigen Frauen – und ihre Rechte.“ Der nur zwölf Sekunden lange Spot hatte messbaren Einfluss auf die Studienteilnehmer. Anschließend stimmten nur noch 43 % der politisch rechtsorientierten Jugendlichen der Aussage zu, Männer seien mittlerweile Opfer der Gleichberechtigung, davon waren es noch 50 % gewesen.

Wie allerdings die Algorithmen in sozialen Netzwerken dazu gebracht werden könnten, solche Clips in die Accounts von Sixpack- und Autofans zu spülen, ist am Ende vermutlich die größere Herausforderung.

Die Studienreihe »Soziale Medien, Geschlechterbilder und Werte« des  Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) wurde in Kooperation mit dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie der MaLisa Stiftung durchgeführt. Sie bestand aus Fallstudien mit Jugendlichen (15 bis 17 Jahre) erhoben, von denen sich jeweils die Hälfte als politisch rechtsstehend identifiziert, aus einer repräsentativen Befragung von 705 Jugendlichen im Alter von 13 bis 18 sowie einer Rezeptionsstudie, in der die Wirkung von 30 TikTok Clips getestet wurde, die sich thematisch und ästhetisch an den Interessen rechter Jugendlicher orientierten, aber pro-soziale und pro-demokratische Werte zeigten.

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 18. Februar 2026