Vielfalt Fehlanzeige?

Lehrplanstudie des Mercator Forum Migration und Demokratie bemängelt, dass Migrations- und Integrationsthemen zu wenig im Unterricht vorkommen

Wie oft redet ihr in der Schule über Einwanderung oder Integration? Und wenn, welche Themen stehen im Mittelpunkt? Sind es die Probleme oder die Chancen einer vielfältigen Gesellschaft? Laut einer neuen Studie des Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) tauchen die Themen Migration und Integration zwar inziwschen in den Lehrplänen deutscher Schulen auf, aber sie spiegeln die Realität der deutschen Einwanderungsgesellschaft nicht angemessen wider, so die Ergebnisse. Was nur selten behandelt würde, seien Etappen der jüngeren deutschen Migrationsgeschichte. Dazu gehört zum Beispiel die der Gast- und Vertragsarbeiteranwerbung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die Zuwanderung von sogenannten Spätaussiedlern und die Fachkräftemigration.

Wenn dann mal über Einwanderungsthemen gesprochen würde, stünden oft nur die krisenhaften Entwicklungen wie Flucht und Vertreibung im Vordergrund. Die Vielfalt in unserer Gesellschaft und Fragen nach Identität und Zugehörigkeit würden dagegen nur selten thematisiert. Fazit der Untersuchung: Wie die Themen in den Lehrplänen behandelt werden, spiegele nicht die gesellschaftliche Normalität wider.

„Dabei geht es bei der Bildung in einer vielfältigen Gesellschaft auch um die Sichtbarmachung individueller und kollektiver Migrationsgeschichten", so MIDEM-Direktor Prof. Dr. Hans Vorländer. "Migrationsbedingte Vielfalt ist längst Bestandteil unserer gesellschaftlichen Normalität. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler mit einer familiären Einwanderungsgeschichte – auch aus den Staaten der Europäischen Union - wächst beständig.“

Was kann man tun?
Die Autor_innen empfehlen, Migration, Vielfalt und Integration in den Lehrplänen explizit und auf der Ebene der prüfungsrelevanten Sachinhalte zu verankern. Außerdem sollten mehr Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte und migrationspädagogische Fachdidaktiker_innen bei der Überarbeitung von Lehrplänen eingebunden werden. Die Lehrplankommissionen der Länder sollten sich dabei bundesweit vernetzen und stärker in den Erfahrungsaustausch gehen.

Vielfalt gehört längst zum selbstverständlichen Alltag in den Schulen
Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz, in deren Auftrag die Studie verfasst wurde: „Ein Viertel der Menschen in Deutschland hat eine Einwanderungsgeschichte. Diese Vielfalt gehört schon längst zum selbstverständlichen Alltag in den Schulen und Klassenzimmern. Wichtig ist, dass diese Vielfalt mit all ihren Chancen und Herausforderungen auch im Schulunterricht und in den Lehrmaterialien zum Thema gemacht wird. Wertvolle Hinweise, wie das gelingen kann, gibt die neue Lehrplanstudie Migration und Integration des Mercator Forum Migration und Demokratie.“

Was untersuchte die Studie?
Im Rahmen der Studie führte das Mercator Forum Migration und Demokratie (MIDEM) eine umfassende Bestandsaufnahme der Lehrpläne durch. Hierfür wurden die Fächer Geographie, Geschichte und Politik/Gemeinschaftskunde der Klassenstufen sieben bis zehn der Länder Bayern, Berlin und Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen, sowie die Schulgesetze und einschlägigen Beschlüsse der Kultusministerkonferenz analysiert. Darüber hinaus wurden leitfadengestützte Interviews mit ausgewählten Expert_innen der Lehrplanentwicklung und der Lehrkräftefortbildung und - vor allem - den Lehrkräften selbst durchgeführt und ihre Perspektiven in die Studie mit aufgenommen. Die Ergebnisse der Interviews sind nicht repräsentativ, geben jedoch Einsicht in die unterschiedlichen Perspektiven auf Lehrpläne.

Wenn ihr nicht so lange warten wollt, bis die Lehrpläne überarbeitet sind, werdet selbst aktiv und bringt diese Themen in den Unterricht ein - zum Beispiel in Form von Referaten, Projektwochen oder anderen Aktionen, die der gesellschaftlichen Vielfältigkeit eine positive Stimme geben.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung