Frankfurt und der Vatikan Horte des Verbrechens?

Unstatistik des Monats für Kriminalitäts-Ranking

Sag mir wo du herkommst und die Statistik sagt dir, wie sicher du bist ... oder auch nicht. Frankfurt am Main sei die gefährlichste deutsche Stadt, wohingegen es in München besonders friedliebend zugeht. Wer's glaubt! Der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Bochumer Ökonom Thomas Bauer und der Dortmunder Statistiker Walter Krämer glauben es nicht. Sie kürten die Aussage „Frankfurt/Main deutsche Hauptstadt des Verbrechens“, die am 12. Mai 2013 von der Online-Ausgabe der „Welt“ verbreitet und von vielen anderen Medien übernommen wurde, zur Unstatistik des Monats Mai.

Grundlage dieser Meldung ist die „Polizeiliche Kriminalstatistik 2012. Diese Kriminalstatistik fasst die in den verschiedenen Städten und Gemeinden Deutschlands polizeilich erfassten Straftaten zusammen und sei als solche nicht zu beanstanden, so die Wissenschaftler.

Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln am gefährlichsten?
Bei der Interpretation dieser Statistik werde jedoch häufig übersehen, dass zum Beispiel in einigen Städten Rauschgiftdelikte oder Schwarzfahrer aggressiver verfolgt und angezeigt werden als in anderen. Dies führt bei identischer „wahrer“ Kriminalität zu einer höheren Kriminalität in der offiziellen Statistik. Am bedenklichsten aus statistischer Sicht ist jedoch die Ermittlung von Rangfolgen durch Bezug der gemeldeten Fälle auf jeweils 100.000 Einwohner. Nach der so ermittelten aktuellen Statistik liegen Frankfurt am Main, Düsseldorf und Köln auf den drei ersten Plätzen, Augsburg und München auf den letzten.

Eine seriöse Rangfolge müsste aber nicht nur die reinen Einwohnerzahlen, sondern alle Menschen berücksichtigen, die in der jeweiligen Stadt Opfer wie auch Verursacher einer Straftat werden könnten. Dazu zählen auch Einpendler, Messebesucher, umsteigende Reisende am Hauptbahnhof oder Fluggäste. Die Stadt Frankfurt hat beispielsweise fast so viele Einpendler wie Einwohner, am Flughafen Frankfurt fliegen jedes Jahr rund 30 Millionen Menschen ab. Und genauso viele kommen an. Jede dort verübte Straftat – in der Regel Diebstähle – fällt statistisch der Stadt Frankfurt zur Last. Ähnliches gilt für Düsseldorf, mit ebenfalls überdurchschnittlich vielen Einpendlern, Messebesuchern und Fluggästen. Würde man die Zahl der verübten Straftaten durch die Zahl sämtlicher potenzieller Opfer und Täter teilen, käme vermutlich eine ganz andere und weitaus realistischere Rangliste heraus.

Auch der Vatikan ist laut Statistik Hochburg des Verbrechens
Zu welch absurden Ergebnissen die Kriminalstatistik auf Basis von Einwohnerzahlen führen kann, zeigt der Vatikanstaat. Er ist demnach das kriminellste Land der Erde. Wie „Radio Vatikan“ berichtet, gab es dort im Jahr 2011 insgesamt 640 Zivil- und 226 Strafverfahren – deutlich mehr als eines je Vatikanbürger (492). Aber in 99 Prozent der Fälle waren nicht diese, sondern einer der rund 18 Millionen Besucher jährlich als Opfer oder Täter involviert. Deshalb sollte man versuchen, auch für die deutschen Städte Zahlen der potenziell Betroffenen zu ermitteln, meinen Gigerenzer und Co.

Hintergrund: Die "Unstatistik des Monats"
Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 16. Mai 2013
 
 
 

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