Unmoralische Reiche und effektive Schnäuztechniken

Die Ig Nobel Preise für unwahrscheinliche Forschung wurden verliehen. Geehrt wurden wieder wundersame Forschungsarbeiten mit originellen Themen

Erst lachen, dann denken - das ist das Motto der wissenschaftlichen Spaßpreise Ig Nobel für unwahrscheinliche Forschung. Honoriert werden jährlich abwegige, skurrile oder merkwürdige Forschungsarbeiten, die aber dennoch das Zeug haben, zum Nachdenken anzuregen. Wenn auch "Ig" für "ignoble" also "unehrenhaft" oder "unedel" steht, ist die Auszeichnung kein bösartiger Negativ- oder Spottpreis und wird von den Nominierten sogar häufig persönlich entgegengenommen. Die humorvolle Preisverleihung, bei der die Geehrten  mit Papierfliegern beworfen werden, hat Kultstatus und gilt auch unter Wissenschaftler:innen als liebenswerte Institution.
Die Preise wurden in diesem Jahr erstmalig außerhalb der USA vergeben, nämlich in Zürich. Die Veranstalter:innen wollten ihre Preisträger:innen keinen unnötigen Risiken aussetzen - insbesondere wegen Trumps restriktiver Einreisepolitik.

Fiese Freund:innen, gute Freund:innen

IG NOBEL FÜR FRIEDEN 2026 [USA, ARGENTINA, AUSTRALIA]

Der Friedens IG Nobel geht an fiese Freund:innen, nein, natürlich an die Forscher:innen, die dazu eine Untersuchung gemacht haben. Niemand möchte fiese Freund:innen haben, zumindest will niemand solche, die fies zu einem selbst sind. Aber manchmal haben Freund:innen, die auch mal richtig gemein sein können, auch Vorteile. Denn wenn eine Freundin fies zu unserem größten Feind ist oder eine uns unangenehme Person unfreundlich in die Schranken weist, dann wissen wir das durchaus zu schätzen. Für diese durchaus wahre Erkenntnis gab es den Friedenspreis, möge er Frieden stiften ;-).

Kuss-Definition

IG-NOBEL-PREIS FÜR BIOMECHANIK 2026 [Großbritannien, USA]

Die Wissenschaftler:innen Matilda Brindle, Catherine Talbot und Stuart West haben sich an einer präziseren Definition des Kusses unter Ameisen, Vögeln, Eisbären und Menschen versucht und sind dabei zu einer sehr präzisen Beschreibung gekommen: "Eine nicht-agonistische Interaktion [also nicht mit Rivalität oder Konkurrenz verbunden], die einen gezielten, innerartlichen, oralen Kontakt mit einer gewissen Bewegung der Lippen bzw. Mundteile und ohne Nahrungsübertragung beinhalten“.
Das klingt zwar wenig romantisch, wurde von der Jury aber als preiswürdig befunden. Glückwunsch und Küsschen!

Reiche klauen Kindern eher Süßigkeiten

IG-NOBEL-PREIS FÜR WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN 2026 [USA, MEXIKO, KANADA]

Einer Forscher:innen-Team aus den USA, Mexiko und Kanada haben in ihrer Studie Skandalöses zu Tage gebracht. Sie haben Belege dafür gesammelt, dass Menschen aus der Oberschicht eher dazu neigen, Kindern Süßigkeiten wegzunehmen und andere Formen unethischen Verhaltens an den Tag zu legen. Haben wir uns schon gedacht, aber gut, dass es mal jemand wissenschaftlich untermauert und sichtbar macht. Verdiente Auszeichnung!

Nährstoffreiche Kakerlakenmilch

IG-NOBELPREIS FÜR CHEMIE 2026 [INDIEN, FRANKREICH, JAPAN, USA]

Können Kühe jetzt einpacken? Ein internationales Team konnte zeigen, dass Milchproteine von lebendgebärenden Kakerlaken dreimal so viel Energie enthalten wie Milchproteine von Kühen. Wollten wir das wirklich wissen? Immerhin: Der Umstieg auf Kakerlakenmilch wäre definitiv eine gute Methode, alle Menschen zum Veganismus zu bekehren. Belohnt wurde diese kuriose Studie mit einem IG Nobel Preis für Chemie und reichlich Papierfliegern.

Kräftig schnäuzen!

IG-NOBEL-PREIS FÜR MEDIZIN 2026 [JAPAN]

Ihr habt sicher schon öfter davon gehört, dass es gute und schlechte Formen des Naseputzens gibt. Manche schwören sogar drauf, dass man gar nicht die Nase putzt, sondern sie laufen lässt. Nicht Dr. Miki Takahara, der den IG Nobel Preis für Medizin posthum verliehen bekam. In seiner Studie „Wie man sich die Nase putzt – Eine aerodynamische Untersuchung des Nasenputzens“ verglich er kulturelle Unterschiede beim Schnäuzen und gab praktische Tipps, wie Naseputzen richtig geht: das freiere Nasenloch zuhalten, denn das erhöht die Geschwindigleit des Luftaustoßes im anderen Nasenloch. Dann kräftig und lang ausschnauben.

Wann beißt die Schlange?

IG NOBEL-PREIS FÜR BIOLOGIE 2026 [BRAZIL, AUSTRALIA]

Wenn man auf eine Schlange tritt, beißt sie möglicherweise. Aber wann und unter welchen Bedingungen? Das haben Forscher:innen aus Brasilien und Australien, Ländern, in denen es viele Giftschlangen gib, an lebenden Tieren erprobt. Mit Sicherheitsschuhen ausgestattet stupsten sie Schlangen mit den Füßen an  - bei unterschiedlichen Tageszeiten und Temperaturen. Trotz der Spaßauszeichnung war die Studie allerdings nicht besonders gelungen, sie wurde wegen Tierschutzbedenken zurückgezogen.

Spritzfreie Urinale

IG-NOBEL-PREIS FÜR PHYSIK 2026 [KANADA, USA, CHINA, SAUDI-ARABIEN]

Für unsere Breiten praxistauglicher erscheint da die Studie eines internationalen Teams, das sich auf experimentelle und theoretische Weise mit der Berechnung spritzfreier Urinale beschäftigt hat. Why not!

Mückenrüssel-Druck

IG-NOBEL-PREIS FÜR TECHNOLOGIE 2026 [CHINA, KANADA, USA, ÄGYPTEN]

Beeindruckt hat die Jury auch ein neues Verfahren, das als „Necroprinting“ bezeichnet wird. Dabei werden Mückenrüssel als hochauflösende 3D-Druckdüsen verwendet.

Beweisstück Unterhose

IG NOBEL-PREIS FÜR BODENWISSENSCHAFTEN 2026 [SWITZERLAND, THE NETHERLANDS, GERMANY]

Schweizer und deutsche Forscher:innen haben in einem Citzen Science Projekt Unterhosen für die Forschung verbuddelt bzw. von Bürger:innen verbuddeln lassen (LizzyNet berichtete) und Wochen später deren Verrottung erfasst. Für diese originelle Idee haben sie den "Boden-Preis" verliehen bekommen. Zu Recht, denn auf diese Weise hat ein wichtiges, aber unterschätztes Thema wie Bodendiversität jede Menge mediale Aufmerksamkeit bekommen.

Wann riechen Kinder gut?

IG NOBEL-PREIS für GERUCHSFORSCHUNG 2026 [POLAND, GERMANY, SWEDEN]

Babys riechen gut, Teenager...puh! Das hätten wir vermutlich auch ohne Studie gewusst oder erschnuppert, aber dass die Forscher:innen diesem Thema eine umfassende Studie gewidmet haben, wurde gewürdigt und mit dem IG NOBEL OLFACTION PRIZE 2026 belohnt. Dir Forscher:innen hatten Eltern zum Geruch ihrer Kinder befragt und auch mit Hirnscans untersucht, was beim Riechen in ihrem Kopf vorgeht.

Forschung kreativ anwenden

Wissenschaft erfordert auf jeden Fall viel Kreativität und ungewöhnliche Fragestellungen. Und sie darf auch Spaß machen! Vielleicht klingen die ein oder andere der hier prämierten Arbeiten merkwürdig oder albern, das heißt aber nicht, dass sie nicht lehrreich waren und sind. Man kann wissenschaftliches Arbeiten, Methoden und die Interpretation von Forschungsdaten auch bei Themen anwenden und erproben, die die Menschheit nicht zwingend braucht.

Unter den Ig Nobelpreisträger:innen sind übrigens auch einige Berühmtheiten zu finden, z.B. der Physiker Andre Geim, der neben dem Ig Nobelpreis auch einen echten Nobelpreis gewonnen hat. Oder der Physiker Robert Matthews, den ihr sicher für sein mit dem Ig-Nobel ausgezeichnetes "Murphys Gesetz" kennt, welches besagt, dass Toastbrotscheiben immer auf die gebutterte Seite fallen.

Mehr zu den IG Nobel Preisen, den Gewinner:innen und Quellen findet ihr hier:

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Autorin / Autor: Pressemitteilung / Redaktion; Bild: LizzyNet - Stand: 7. September 2026