Unangenehm echt

Studie: Forscher_innen entwickeln Methode, die vorhersagt, ob ein (zu menschlicher) virtueller Charakter uns gruseln wird

In Filmen und Computerspielen begegnen sie uns ständig, und in naher Zukunft werden sie uns in allen möglichen Lebenslagen beraten, werden mit uns in sozialen Netzwerken chatten oder werden unsere ständigen Begleiter: computergenerierte Charaktere. Im Vergleich zu den ersten unbeholfenen Avataren, sind heute hochrealistische virtuelle Wesen möglich, die von echten Menschen kaum noch unterscheidbar sind. Genau das wird ihnen aber paradoxerweise übel genommen, denn wenn ein virtueller Charakter zu realitätsnah ist, dann kommt ein etwas gruseliges Gefühl bei den Betrachter_innen auf, das Dr. Maryam Mustafa und Jan-Philipp Tauscher von der TU Braunschweig als „Uncanny Valley“-Effekt bezeichnen.
Der Ausdruck, der übersetzt "unheimliches Tal" bedeutet, beschreibt das unheimliche Gefühl, wenn  digitale Charaktere allzu menschlich, aber eben nicht völlig überzeugend menschlich sind. Die Expertin für Computergrafik und ihr Kollege haben nun erstmals mit EEG-Messungen diesen Effekt nachgewiesen.

Filmflops durch Uncanny Valley-Effekt?
„Einigen Filmen und Computerspielen ist der ‚Uncanny Valley‘-Effekt bereits zum Verhängnis geworden, aufwändige Produktionen wurden vom Publikum nicht angenommen und dadurch zum Misserfolg“, erklärt Mustafa. Den Effekt zu verstehen, und seine Grenzen zu kennen, wäre für das Forscherteam, wie auch für Film- und Spieleproduzenten eine große Hilfe, um hochrealistische Figuren in der virtuellen Realität zu kreieren. Auf der Grundlage ihrer Forschungsergebnisse und weiterer Untersuchungen hat das Braunschweiger Forschungsteam eine Methode entwickelt, mit der sie die Reaktion auf virtuelle Charaktere voraussagen können.
Eine selbstlernende Software nutzt dafür die EEG-Messergebnisse und bildet die Grundlage dafür, zukünftig mit Einzelmessungen durch die Grafikdesigner eine Aussage über die jeweilige Figur treffen zu können.

Die Expertin und der Experte für Computergrafik an der TU Braunschweig untersuchten die neuronale Reaktion von 40 Testpersonen auf zehn virtuelle Gesichter im Vergleich mit vier realen Gesichtern. Mit einer weiteren Online-Studie haben sie zuvor den Realitätsgrad bestimmt, der den Gesichtern durch weitere 80 Testpersonen beigemessen wird. Die Kombination beider Ergebnisse bildet die Grundlage für die Methode, mit der die Wirkung hochrealistischer computergenerierter Gesicherter zukünftig vorausgesagt werden können.

Gefördert wurde die Forschungsarbeit durch den European Research Council im Rahmen des ERC Starting Grants „Reality CG“ sowie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Reinhart Koselleck-Projekt „Immersive Digital Reality“.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung - Stand: 11. Mai 2017
 
 
 

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