Gemütlich, praktisch, unverwüstlich

Am 21. Januar ist der Tag der Jogginghose. Sie hat sich diesen Ehrentag redlich verdient.

An ihr scheiden sich die Geister! Die Jogginghose. Sie gilt manchen als Symbol jeglichen Stilverlusts, als Zeichen des gesellschaftlichen Abstiegs und als unvermeidliche Einheitskluft nachlässiger Schüler:innen, schludriger Home-Office-Fans, fauler Rentner:innen und Nichtsnutzen aller Art. Was für eine Fehleinschätzung, ist die Jogginghose doch so ziemlich das genialste Kleidungsstück, da je erfunden wurde! Ein Multitalent! Sie zwängt den Bauch nicht ein und ermöglicht die unmöglichsten Sitzpositionen und Körperverrenkungen. Sie ist warm, aber luftig. Sie ist bügelfrei (spart Energie!) und nahezu unverwüstlich. Sie wächst und schrumpft (heiß waschen) mit und muss nicht sofort durch eine andere Größe ersetzt werden, wenn sich die Figur ändert. Man kann sie mit Schlappen, Turnschuhen oder glamourösen Highheels kombinieren. Dabei ist sie immer mit Lässigkeit und Sportlichkeit assoziiert.

Die Jogginghose ist nicht für Damen, nicht für Herren, nicht für Jung, nicht für Alt, sie ist "unisex", "all age" und klassenlos! Steinreiche Promis tragen sie ebenso wie erfolgreiche Sportler:innen, hart arbeitende Menschen oder dauermüde Faulenzer:innen. Sie macht höchstens vor Menschen Halt, die einen Stock verschluckt haben oder denen starre Konventionen eine Herzensangelegenheit sind. Apropos starr. Es bleibt ein ewiges Rätsel, warum Menschen angeblich besser funktionieren, aktiver und effektiver sein, mehr Würde und Respekt ausstrahlen sollen, wenn sie sich in zu enge Hosen, steife Hemden, würgende Krawatten, meterhohe Schuhe und korsettartige Unterwäsche quetschen. Beflügelt das etwa das Denken? Sorgt es für eine selbstbewusste Körperhaltung, wenn man bestenfalls Tippelschrittchen machen kann, weil der Kostümrock zu eng ist? Kann man in einer knallengen Plastikhose mit steifem Jacket mit Spagat angeben? Über Mauern klettern? Tief durchatmen? Lernen, gestikulieren, diskutieren, sprechen, lachen? 10:0 für die Jogginghose! Ob sie darum immer vorteilhaft aussieht, ist eine andere Frage. Aber es wird ja auch an anderer Stelle stets gepredigt, dass es auf die inneren Werte ankommt, auf Charakter und Köpfchen, warum sollten wir uns ausgerechnet bei der Jogginghose darauf berufen, dass allein das Äußere zählt?

Die Jogginghose hat sich darum ihren Ehrentag redlich verdient und wird durch die Vielzahl unterschiedlichster Träger:innen zum verbindensten Kleidungsstück überhaupt. Also ehrt und adelt dieses bequemste aller bequemen Kleidungsstücke, in dem ihr es mit Würde tragt, zu allen Gelegenheiten, die euch passend erscheinen und euch pudelwohl darin fühlt.

Der Tag der Jogginghose, der 2009 erfunden wurde, geht verschiedenen Quellen zufolge auf vier österreichische Schüler zurück, die an Fasching in Jogginghosen zur Schule erschienen. Die Zeiten, in denen das ein handfester Skandal war, dürften mittlerweile allerdings wirklich passé sein.

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 21. Januar 2026