Synchron lernen

Studie: An der Synchronizität der Gehirnströme lässt sich die positive Wahrnehmung von Unterricht und Mitschüler_innen ablesen

Eigentlich nichts Neues: Wer sich gut versteht, dem fällt das Lernen leichter und der findet auch den Unterricht besser. Aber dass man diese Tatsache an den Hirnströmen ablesen kann, ist ziemlich neu. Ein Forschungsteam unter maßgeblicher Beteiligung des Max-Planck-Instituts für empirische Ästhetik führte Messungen der Gehirnströme und der Hirn-Synchronizität während des Unterrichts in einer New Yorker High School durch. Aus den Ergebnissen konnten die Wissenschaftler_innen Prognosen erstellen, wie sehr der Unterricht den Schüler_innen gefiel und wie sympathisch sich die Jugendlichen gegenseitig fanden.

Mit einer neuartigen methodischen Herangehensweise hat ein internationales Team von Neurowissenschaftlern vom Max-Planck-Institut, der New York University, USA, und der University of Florida, USA, erstaunliche Ergebnisse bei der Untersuchung sozialer Interaktionen erzielt. Anders als in üblichen Standardversuchen begleiteten die Wissenschaftler_innen eine Gruppe von zwölf Schüler_innen der New York City High School sowie ihre Lehrer ein ganzes Schuljahr lang; sie erfassten deren Hirnaktivität während des Biologieunterrichts mit Hilfe mobiler EEG (Elektronenzephalogramm)-Technik. Die Synchronisierung der Gehirnströme spiegelte wider, wie sehr der Unterricht den Schülern gefiel und wie sympathisch sich die Jugendlichen gegenseitig fanden.

„Wie stark unsere Gehirnströme mit denen einer anderen Person synchronisiert sind, scheint ein guter Prädiktor dafür zu sein, wie gut wir miteinander auskommen und wie stark wir uns engagieren”, erläutert Hauptautorin Suzanne Dikker, Wissenschaftlerin am Department of Psychology der New York University und an der Universität Utrecht in den Niederlanden. „Unseren Ergebnissen zufolge ist die Hirn-zu-Hirn-Synchronizität ein möglicher neuraler Marker für soziale Interaktionen im Alltag.”

In früheren Studien wurden typischerweise einzelne Personen oder Einzelinteraktionen in einem streng kontrollierten Laborumfeld erfasst. Im Gegensatz dazu hat diese Arbeit dynamische soziale Interaktionen in einer Gruppe in natürlicher Umgebung außerhalb des Labors untersucht.

Mit Hilfe mobiler EEG-Aufzeichnungsgeräte verglichen die Wissenschaftler die Gehirnströme der Schüler_innen. Anschließend wurden sie befragt, wie sehr sie andere Schüler_innen und den Lehrer mochten. Darüber hinaus sollten sie Angaben dazu machen, wie gut ihnen die Gruppenaktivitäten generell gefielen. Beide Faktoren – sowohl das Engagement in der Klassengemeinschaft als auch die soziale Dynamik – gelten als entscheidend für den Lernerfolg.

Die Ergebnisse zeigten erstaunliches: Je stärker die Hirnströme eines Schülers oder einer Schülerin mit denen in der Klasse insgesamt übereinstimmten, desto wahrscheinlicher wurde der Unterricht positiv bewertet. Und je größer die Synchronizität zwischen einzelnen Schüler_innen war, umso größer war die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Lehrstil der Lehrkraft positiv beurteilten.

Die Forscher_innen untersuchten auch die Frage, ob die Hirn-zu-Hirn-Synchronizität wiedergibt, wie sehr die Schüler_innen einander mögen. Dabei stellten sie fest, dass Schüler_innen, die sich näherstanden, während des Unterrichts eine stärkere Synchronizität aufwiesen. Allerdings war dies nur dann der Fall, wenn sie direkt vor dem Unterricht persönlich miteinander zu tun hatten. Dieses Ergebnis lässt laut der Wissenschaftler_innen vermuten, dass eine persönliche Interaktion direkt vor einer gemeinsamen Erfahrung von Bedeutung ist – selbst dann, wenn während des Ereignisses selbst kein direkter Kontakt besteht. Darüber hinaus wurde bei Schüler_innen, die gesagt hatten, dass Gruppenaktivitäten bedeutend für ihr Leben seien, eine stärkere Synchronizität mit ihren Mitschüler_innen nachgewiesen.

Was könnte daraus folgen? Gemeinsame Aktivitäten vor dem Unterricht, die den Gruppengeist stärken und persönliche Beziehungen fördern, scheinen offenbar wichtiger zu sein als angenommen. Vielleicht könntet ihr das im Hinterkopf behalten und der Lehrkraft zum Beispiel ein gemeinsames Frühstück vor dem Unterricht vorschlagen, wenn es in der Klasse mal wieder haken sollte ;-)

Das Fachjournal Current Biology präsentiert nun die Resultate der Studie.

Habt ihr auch diese Erfahrung gemacht?
Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 5. Mai 2017
 
 
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