Steinmetzin und Bildhauerin

Silva Geisen ist 19 Jahre und hat nach ihrem Realschulabschluss eine Lehre zur Steinmetzin und Steinbildhauerin begonnen. Es macht sie glücklich, verschiedene Materialien zu bearbeiten, sie nach ihren Vorstellungen und Fantasien zu formen.

Das Material Stein begeistert und fasziniert sie wie kein anderes. "Etwas so Schönes und doch Hartes zum Leben zu erwecken, ist ein unglaublicher Prozess. Ich lernte während des Bildhauerns verschiedener Werkstücke zu wachsen, zu fallen und wieder aufzustehen um aus der Erfahrung wieder zu wachsen." erzählt sie LizzyNet.

Wie entstand in dir der Wunsch, den Beruf des Steinmetzes zu lernen?
In der Schule hieß es irgendwann, dass bald Girls' day ist und so bewarb ich mich in einem Steinmetz- und Steinbildhauerbetrieb. Nach diesem einen Tag war mir klar: “Ich will weiter machen“. Ich fühlte, wie sehr ich meiner Kreativität freien Lauf lassen konnte und genoss das. Es folgten weitere Praktika und Ferienjobs im selben Betrieb. Als es an der Zeit war, sich zu entscheiden, das Abitur zu machen oder eine Lehre zu beginnen, bewarb ich mich an mehreren Gymnasialen Oberstufen und in dem kleinen Betrieb in dem alles begann. Ich sagte mir: "Wenn mich dieser eine Betrieb als Azubi einstellen will, dann werde ich kein Abitur machen und die dreijährige Lehre beginnen“. Und der Betrieb wollte mich aufnehmen. So begann ich meine Lehre.

Was machen Steinmetz/innen bzw. Steinbildhauer/innen eigentlich genau?
Die Lehre ist aufgeteilt in die Steinmetz- und die Steinbildhauerlehre. Viel Unterschied ist im Lehrplan jedoch nicht zwischen den beiden Berufszweigen. Steinmetze machen viele technische Dinge. Sie sind darauf spezialisiert, Treppen und Grabsteine zu setzen, Bodenbeläge zu legen, Fassadenplatten anzubringen… Sie lernen den Umgang mit Maschinen und das traditionelle Hauen darf natürlich auch nicht fehlen.
Bildhauer lernen in der Ausbildung das gleiche, jedoch kommt am Ende ein weiterer Teil dazu, der sich nur auf Bildhauerstücke- und Techniken bezieht. Dreidimensionale Stücke werden gehauen.

Was passiert in der Ausbildung?
Die Lehre findet im Betrieb, in der Berufsschule und den überbetrieblichen Blöcken statt. In der Schule gibt es Fächer wie technisches Zeichnen, Freihandzeichnen, Schriftzeichnen, Gesteinskunde, Baustilkunde, Geometrie, Mathe, Deutsch und Wirtschaft. Das deckt den theoretischen Teil ab.
Im Betrieb lernt man praktisch, aber meist nur in einem gewissen Arbeitsteil. Ich zum Beispiel mache Grabsteine: Schrift zeichnen, Ornamente hauen und bildhauern gehören zu meinen Tätigkeiten. Andere Mitlehrlinge sind auf Baustellen und setzen Treppen oder verlegen Böden und andere restaurieren regelmäßig. In der überbetrieblichen Ausbildung lernen wir als Klasse den praktischen Teil, das heißt, ich habe dort zum Beispiel gelernt, Treppen zu setzen. Das mache ich ja sonst nicht im Betrieb.

Gibt es Eigenschaften, die ein/e (zukünftige/r) Steinmetz/in unbedingt braucht?
Kreativität und räumliches Denkvermögen sind wichtig. Man sollte jedoch auch Genauigkeit und Geduld mitbringen, denn Stein ist kein „leichtes“ Material.

Würdest du sagen, dass es wegen der Schwere des Materials und der benötigten Kraft eher ein Männerberuf ist oder gibt es auch viele Frauen in dem Beruf?
Der Beruf ist definitiv männerlastig, jedoch werden es immer mehr Frauen. Ja, der Job kann schwer sein, immerhin arbeitet man viel draußen, jedoch gibt es heute viele Hilfsmittel. Ich sage: “Jeder, unabhängig ob Mann oder Frau, der körperlich gesund ist kann diesen Job ausüben.“

Wie sieht denn so ein typischer Tagesablauf in deinem Betrieb aus?
Ich verbringe meist den Tag damit vorzuzeichnen. Ob Ornamente wie Vögel, Blumen oder Gegenstände aus Hobbys der Verstorbenen oder Schriften... ich zeichne alles vor und arbeite das Ganze dann in Stein. Sandstrahlen oder das Hauen der Schrift mit Hand gehören dazu. Manchmal fahre ich mit auf den Friedhof, um einen Grabstein zu setzen. Außerdem lege ich die Schriften und Ornamente farbig an.

Welche Momente in deinem Berufsalltag lassen dein Herz (freudig) höher schlagen?
Da wir eine sehr zentrale Lage am Frankfurter Hauptfriedhof haben, kommt es leider öfter vor, dass Eltern verstorbener Kinder einen Auftrag für den Betrieb und damit auch an mich haben. Es freut mich zu sehen, wie sie anfangen abzuschließen mit dem schwierigen Thema Tod. Sie freuen sich auf das Endproduckt und meistens entwerfen wir das Stück zusammen, besprechen, korrigieren, erarbeiten. Die Dankbarkeit die sie zeigen ist enorm und es freut mich zu helfen. Auch der Moment, in dem man sieht, was man leisten kann (besonders bei Bildhauerstücken), wenn man vor dem vollendetem Werk steht und man vor Stolz gerade platzen könnte, gehört zu den Dingen, die den Puls in die Höhe treiben.

Gibt es auch etwas, was vielleicht am Anfang der Ausbildung schwer war oder was jetzt immer noch nicht zu deinen Lieblingsaufgaben gehört?
Geduld war ein Problem am Anfang, aber ich habe gelernt mir Zeit zu nehmen. Wie in jedem Handwerk gehört es dazu, aufzuräumen und zu putzen… eine Sache, die mir immer noch lästig ist ;-).

Was ist für dich das Faszinierendste in dem Beruf?
Das Material und, dass dieser Beruf so unglaublich stolz ist.

Was würdest du Mädchen raten, die diesen Beruf erlernen möchten?
Lasst euch nicht vom Stein unterkriegen, wie gesagt: “wachse, falle und stehe wieder auf, um aus der Erfahrung zu wachsen“.

Was sind deine beruflichen Zukunftspläne?
Erst einmal werde ich im Sommer meine Lehre abschließen. Sicherlich werden dann Zukunftspläne kommen wie den Meister zu machen oder sogar selbst den Beruf des Steinmetz und Steinbildhauers lehren… aber dabei lasse ich mir Zeit und genieße es, MEINEN Trauberuf leben zu dürfen.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr Infos zum Berufsbild findest du auf der Webseite

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 3. Mai 2016
 
 
Frau vor Einsen und Nullen
 
 

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