Stadt aus Trug und Schatten

Autorin: Mechthild Gläser

Der Roman „Stadt aus Trug und Schatten“ von Mechthild Gläser ist 2012 im Loewe-Verlag erschienen und handelt der Traumwelt Eisenheim, in der die Seelen der Menschen im Schlaf umherwandeln und in der Unruhe ausbricht, nachdem ein großer Diebstahl stattgefunden hat – ausgeführt von der Protagonistin Flora, die sich an nichts erinnert.
Das Leben der Protagonistin Flora ändert sich, wortwörtlich, über Nacht. Nachdem ihr Leben am Tag schon chaotisch genug ist, wird nun auch ihr Schlaf von seltsamen Träumen gestört. Diese Träume sind genauso realistisch wie bedrohlich. Als dann sowohl in ihrem richtigen Leben als auch in der Traumwelt der mysteriöse Marian auftaucht, und ihr schließlich die Wahrheit sagt, erfährt sie, dass ihre Seele seit jeher ein Doppelleben geführt hat. Ihre Seele hat in der Traumstadt Eisenheim ein eigenes Leben geführt, und anscheinend einen wertvollen und mächtigen Stein, den weißen Löwen, gestohlen, hinter dem ganz Eisenheim her ist. Nur kann sich die richtige Flora nicht mehr daran erinnern und befindet sich bald nicht nur in Eisenheim, sondern auch in der richtigen Welt in Gefahr, denn die Erinnerungen werden wiederkehren und alle sind der festen Überzeugung, dass Flora dann die richtige Entscheidung treffen wird, den richtigen Leuten verraten wird, wo sich der Stein befindet. Nur Flora, ihre Seele, sagt ihr, sie soll niemanden vertrauen, nicht einmal sich selbst oder Marian, der behauptet, dass er ihrer Seele viel bedeutet hat.

Meine Meinung
Dieses Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite, ohne dass man es aus der Hand legen mag. Die Vorstellung, dass alle Menschen auf der Welt ein Doppelleben führen und ihre Seelen im Traum in die Stadt Eisenheim wandern, hat wirklich etwas Magisches und Faszinierendes. Es erscheint außerdem als etwas Neues, dass ein Roman zur Abwechslung mal ohne Vampire, Werwölfe und die Liebe, die nicht sein darf, auskommt.

Die Handlung folgt einem logischen und spannenden Aufbau, der dem Leser wirklich das Gefühl gibt, in der Geschichte drin zu sein und sie miterleben zu können, als wäre man selbst ein Teil davon. Durch die detailgetreue Beschreibung der Stadt Eisenheim sowie der Personen, entwickelt sich ein realistisches Bild, das einen nicht mehr loslässt. Die Art wie Gläßer formuliert, ist zugleich einfach und komplex, was das Buch auch von diesem Aspekt aus lesenswert macht.

Flora erscheint einem auf den ersten Blick als ein ganz normales Mädchen, mit den gleichen Problemen wie alle anderen auch. Einen etwas paranoiden Vater, eine Haushälterin, die ihren Job nicht ganz ernst nimmt, einem Ex-Freund, der immer noch in sie verliebt ist, und eine beste Freundin mit der sie sich super versteht. Dies unterscheidet sich nicht von all den anderen weiblichen Protagonisten der letzten Jahre. Was Flora, meiner Meinung nach auszeichnet und zu einem faszinierenden Charakter macht, ist die Tatsache, dass sie, auch nachdem sie entdeckt hat, dass ihre Seele ein eigenes Leben geführt hat, nicht auf einmal besonders wird. Sie wird nicht plötzlich zur super Kämpferin, wird nicht schlauer, hübscher oder besser, muss noch immer mit ihren Alltagsproblemen kämpfen und nimmt das Geschehene nicht von der einen auf die andere Sekunde an. Sie bleibt weiterhin einfach nur Flora. Ihre Seele scheint jemand völlig anders zu sein, doch deswegen wird Flora nicht zur selben Person und ist nicht bereit, das, was sie ist oder hat, einfach aufzugeben. Das ist es, was mir Flora wirklich näher bringt und sie sehr sympathisch macht. Die Situation, in die sie hineinschlittert, ist schwierig. Sie stellt fest, dass alle sie zu kennen scheinen, oder zumindest glauben sie zu kennen, dass sie ihr ganzes Leben bereits in dieser Stadt verbracht hat, und anscheinend zu einer Kämpferin ausgebildet worden ist, ohne sich daran auch nur zu erinnern. Sie hat keine Ahnung was geschehen ist, und wer dieses andere Mädchen, ihre Seele, eigentlich ist und warum sie das getan hat, was alle sagen: Den mächtigsten Stein von Eisenheim gestohlen. Trotzdem entwickelt sie sich im Laufe des Buches nicht zu irgendetwas außergewöhnlichen und bleibt das Mädchen von nebenan, dass alle anderen Romanfiguren häufig vorgeben zu sein, aber eigentlich nicht sind. Auch die Beziehung zu Marian entspricht nicht den typischen Klischees und gibt dem Buch das besondere Etwas.

Die Handlung um den Stein ist nebulös und bleibt bis zuletzt komplett im Dunkeln, die Menschen die ihn haben wollen und aus welchen Motiven ebenso. Sicher ist nur, dass dieser Stein in den falschen Händen wohl alles zerstören könnte, aber anders als sonst, ist einfach nicht klar, wer jetzt die falschen Hände dafür hat, ist es am Ende Flora selbst?

Nicht zuletzt bietet auch der sozialkritische Aspekt, der in diesem Buch angerissen und angedeutet wird, einen guten Grund, es zu lesen. Es wird unterschieden zwischen den Schlafenden und den Wandernden. Die Schlafenden sind die ganz normalen Menschen, deren Seele nachts in Eisenheim sind, die sich am nächsten Morgen aber nicht mehr daran erinnern, und die Wandernden sind die, die von der Existenz ihrer Seele wissen und in Eisenheim bewusst leben und agieren. Die Schlafenden werden von den Wandernden unterdrückt, müssen für diese die „Drecksarbeit“ erledigen. Ein Umstand, der geändert werden müsste. Doch ist dies nicht so leicht, da die Wandernden so ein bequemes Leben haben, die Schlafenden kaum Möglichkeiten haben zu protestieren und die Veränderung nicht von heute auf morgen funktioniert. Es erinnert an das Problem der unterdrückten Minderheiten, an die Schere zwischen Arm und Reich und das auch in unserer Welt gültige Problem, der Unveränderbarkeit dieser Sozialsituation.

Fazit
Zusammenfassend lässt sich dieses Buch also wirklich als einmalig und genial bezeichnen. Handlung, Charaktere und Schreibstil haben ein hohes Niveau, das das Lesen zu einem Erlebnis sondergleichen macht. Man liest nicht nur von Eisenheim, man ist in Eisenheim. Auf jeden Fall zu empfehlen für Jugendliche ab 12 Jahren.

Erschienen im Loewe Verlag

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Autorin / Autor: LadyJanna - Stand: 5. Januar 2012
 
 
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