Lästige Endlosschleife

Studie: Wie sich Ohrwürmer ihren Weg bahnen

Manchmal schleicht er sich einfach so in unsere Gehörgänge, kriecht bis in unsere Gehirnwindungen, und will da einfach nicht mehr weggehen: der Ohrwurm. Man will ihn loswerden, aber es gelingt nicht. Wie es dazu kommt, dass manche Lieder wie ein Kaugummi an uns haften bleiben, hat jetzt ein britisches Forscherteam untersucht. Dafür arbeiteten Victoria Williamson von der Goldsmith University of London und ihre Kollegen mit unterschiedlichen internationalen Radiosendern zusammen. Auf einer eigens dafür eingerichteten Website baten die ForscherInnen und der Sender BBC 6 die HörerInnen, ihre Ohrwurm-Erfahrungen zu schildern. Die  Daten von mehr als 600 TeilnehmerInnen werteten sie anschließend für aus.

Der häufigste Auslöser ist wenig überraschend: Viele bekamen dann einen Ohrwurm, wenn sie das Lied kurz zuvor gehört hatten. Dabei ist nicht immer das Radio die Quelle, bei der wir uns "infizieren". Dauernd sind wir von Musik umgeben: im Kaufhaus, dem Fitnessstudio, dem Café. Aber auch das Summen eines Spaziergängers oder der Klingelton eines Handys können uns einen Ohrwurm verpassen.

Doch nicht immer müssen wir die Lieder akustisch wahrnehmen. Ein Ohrwurm wird oft allein durch Assoziationen ausgelöst, schreiben die ForscherInnen im Magazin "Psychology of Music". Wir begegnen einer Person, die uns an ein bestimmtes Lied erinnert, wir kommen mit dem Auto an einer Stelle vorbei, an der wir einen Song zum ersten Mal gehört haben oder wir schnappen ein Wort auf, das uns an einen Songtitel erinnert – solche Situationen reichen aus, um uns einen Ohrwurm einzufangen. Manchmal sind die Assoziationen auch etwas weiter hergeholt. So berichtete ein Radiohörer, er habe beim Autofahren ein Nummernschild mit den Endbuchstaben "EYC" gesichtet und von da musste er unentwegt das Lied "PYT" von Michael Jackson vor sich hersummen.

Stimmung bestimmt Ohrwurm-Wahl
Was für Lieder zum Ohrwurm werden, das bestimmt vor allem unsere momentane Stimmungslage, meint das Forscherteam. Wenn wir traurig sind, ist auch das Dauerkonzert in unserem Kopf eher von melancholischem Klang. Sind wir gut gelaunt, so ist der Ohrwurm eher ein fröhlicher Partysong. Zu Ohrwürmern werden vor allem emotional besetzte Lieder, die wir entweder super oder total nervig finden. In der Regel ist es nur der Refrain, der in unser Gedächtnis drängt und nicht das ganze Lied.  Text muss allerdings schon vorhanden sein – rein Instrumentales wird, so zeigen die Studienergebnisse, äußerst selten zur Endlosschleife im Kopf. Anfällig für Ohrwürmer seien wir vor allem in den Momenten, in denen wir nicht besonders aufmerksam sind, wenn wir uns langweilen oder müde sind, sagen Victoria Williamson und ihre Kollegen. Ein Hörer berichtete von einem Lied, das in seinem Traum vorkam und im Wachzustand weiter präsent war.

Wer einem Ohrwurm aus dem Weg gehen möchte, sollte folglich besonders aufmerksam durch die Gegend gehen, ohne vor sich hinzuträumen. Wer sich dennoch ein äußerst unangenehmes Exemplar eingefangen hat,
kann dieses durch das Summen eines Liebklingssongs meist gegen etwas Angehmeres eintauschen ;-)

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Autorin / Autor: Redaktion - Stand: 22. November 2011