Musikwissenschaft und Musikmanagement

Paula ist 20 Jahre alt und studiert seit 3 Semestern an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar Musikwissenschaft mit dem Nebenfach interkulturelles Veranstaltungs- und Musikmanagement. LizzyNet erzählt sie, wie sie darauf gekommen ist und was daran ihr besonders Freude macht.

Paula, wie bist auf die Kombination Musikwissenschaft und interkulturelles Veranstaltungs- und Musikmanagement gekommen?

Ursprünglich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, ein Instrument als Hauptfach zu studieren, also später Orchestermusikerin zu werden, da ich schon während meiner Schulzeit fast meine ganze Freizeit damit verbracht habe, Musik zu machen, am liebsten gemeinsam mit vielen anderen im Orchester. Ich habe dann aber entschieden, dass mir so ein Studium einerseits zu einseitig sein könnte, da ich schon immer viele verschiedene Interessen hatte, die über das "reine Musizieren" hinausgingen. Andererseits war ich mir nicht sicher, ob ich dem Konkurrenzdruck unter Musikern, der sich durch das Studium und die spätere Berufslaufbahn zieht, gewachsen sein würde. Ich suchte also einen Kompromiss, ein vielseitiges Fach, das sich auf Musik konzentriert, aber auch darüber hinausgeht. Fündig wurde ich an der Musikhochschule Weimar. Mein Studiengang beinhaltet sowohl Musikpraxis, wie zum Beispiel Chor oder Klavierunterricht, als auch die verschiedenen Bereiche der Theorie und Wissenschaft. Mein Nebenfach, das auf den weiterführenden Master Kulturmanagement ausgerichtet ist, vermittelt gleichzeitig Grundlagen im Bereich der Kulturwissenschaft, -politik und des Managements.

Welche Erwartungen hattest du an das Studium? Und welche wurden erfüllt?
Ich erwartete ein sehr vielseitiges Studium, das eine Verbindung zwischen dem Aus- bzw. Weiterbilden musikalischer Fähigkeiten, der Vermittlung von Grundlagen des Managements und Einblicken in die verschiedenen Bereiche der Musikwissenschaft bildet. Während mir jedoch vor Beginn des Studiums viele musikwissenschaftliche Seminare im Vorlesungsverzeichnis sehr abstrakt und trocken erschienen, freute ich mich um so mehr auf die Kurse in meinem Nebenfach, unter denen ich mir einfach mehr vorstellen konnte. Ich machte dann aber die Erfahrung, dass das musikwissenschaftliche Studium das ist, was mich wirklich interessiert und begeistert und empfinde nun mein Nebenfach als eher trocken und manchmal lästig, was möglicherweise auch mit der sehr schulähnlichen Umsetzung und Gestaltung des Faches zutun hat.

Welche Fächer beinhalten die Studiengänge? Und was genau wird dort vermittelt?
Die Module meines Kernfachs Musikwissenschaft setzen jeweils verschiedene Schwerpunkte, um ein möglichst breites Fundament für die weiterführenden Masterstudiengänge zu legen. Einerseits eignet man sich musiktheoretisches "Handwerkszeug" in Fächern wie Analyse, Gehörbildung, Instrumentenkunde, Formenlehre oder Harmonielehre an, um bei allen Studenten ein Grundwissen und Grundfähigkeiten beim Umgang mit Musik zu garantieren.
Ein weiterer Teil dieses "Grundgerüstes" ist eine Vorlesung zur Musikgeschichte über vier Semester. Ergänzt wird dieses Gerüst durch Seminare aus verschiedenen Themenbereichen, die jeder Student frei wählen kann. Da das musikwissenschaftliche Institut in Weimar außergewöhnlich viele Professoren beschäftigt, ist von Musikethnologie, historischer Musikwissenschaft bis zu einer Professur über die Geschichte jüdischer Musik etwas dabei. Hinzu kommen Projektseminare oder Spezialvorlesungen, in denen man ein sehr spezialisiertes Thema vertiefen oder bei Projekten wie dem Kuratieren einer Ausstellung oder Archivarbeit mitarbeiten kann.

Mein Neben- oder Ergänzungsfach besteht in Kooperation mit der Friedrich Schiller Universität Jena und vermittelt größtenteils Grundlagen im Bereich Management, zum Beispiel in Fächern wie "Haushalts- und Rechnungswesen", "Rechtsgrundlagen im Kulturbereich" oder "Kulturmarketing". Kombiniert werden diese Übungen mit Seminaren und Vorlesungen in Jena, die zum Institut für interkulturelle Wirtschaftskommunikation gehören. Das können zum Beispiel kulturwissenschaftliche oder -geschichtliche Seminare wie "Wirtschaftsbezogene Kulturgeschichte Polens" sein, Übungen wie "interkulturelle Teamarbeit" und Vorlesungen wie "Migrationsgeschichte".

Was gefällt dir besonders gut an deinem Studium und was nicht so sehr?
An meinem Studium gefallen mir vor allem die vielseitigen Möglichkeiten, sich mit Musik auseinanderzusetzen, die einem geboten werden. Und auch wenn manche Managementgrundlagen sehr trocken sein können, gefallen mir dort die kulturwissenschaftlichen Einflüsse. Das Besondere am Studium an der Musikhochschule in Weimar ist die Atmosphäre unter den Studenten. Da sich alle für Musik und ihr Studium begeistern, findet auch außerhalb der Uni ein reger Austausch und viele Diskussionen statt, was ich als sehr bereichernd empfinde.

Welche Berufsmöglichkeiten ergeben sich aus dem Studium?
Neben einer Hochschulkarriere kann man mit einem Abschluss in Musikwissenschaft zum Beispiel im Verlagswesen, als Journalistin, Musikkritikerin oder als Musiktheaterdramaturgin arbeiten. Da das Fach jedoch relativ breit gefächert ist, bietet sich eine Vielzahl von Möglichkeiten. Oft gehört wahrscheinlich etwas Glück und Flexibilität dazu, den richtigen Job zu finden. Im Bereich Kulturmanagement bieten sich Jobmöglichkeiten zum Beispiel als Projektmanagerin für Festivals, Kulturelle Institutionen oder Stiftungen.

Wo siehst du dich in fünf Jahren?
In fünf Jahren bin ich warscheinlich gerade mit meinem Master fertig. Es wäre wirklich ein Traum, wenn ich dann sofort eine Stelle als Dramaturgin an einer Oper oder einem Theater fände, denn das ist momentan der Beruf, von dem ich träume. Durch Zufall bin ich letztes Jahr in ein Praktikum am Theater "reingerutscht", das mir einfach wahnsinnig viel Spaß gemacht hat. Jetzt mache ich momentan so viele Projekte in dem Bereich wie möglich, um Erfahrungen zu sammeln und herauszufinden, ob das ganze nicht nur im Traum, sondern auch in der Realität genau das Richtige für mich ist. Im Moment fühlt es sich jedenfalls so an.

Welche Interessen und sonstigen Eigenschaften sollte man für das Studium mitbringen?
Um für das Musikwissenschaftsstudium an der Musikhochschule in Weimar zugelassen zu werden, muss man zunächst eine kleine Eignungsprüfung bestehen. Diese Prüfung, die sich aus einer Musiktheorie- und Gehörbildungsklausur, einer Klavierprüfung und einem Motivationsgespräch zusammensetzt, ist an den meisten anderen Hochschulen und Universitäten in Deutschland, an denen man Musikwissenschaft studieren kann, nicht üblich. Man sollte also einige Grundkenntnisse über Musiktheorie und am Klavier besitzen und sich vor allem gut auf die Prüfung vorbereiten, dann ist sie relativ leicht zu bestehen. Der Vorteil einer solchen, wenn auch leichten, Aufnahmeprüfung ist, dass sich ausschließlich Leute bewerben, die sich wirklich für das Fach begeistern und bereit sind, sich im Vorfeld schon ein wenig mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Im Gegensatz zu einer sehr anspruchsvollen Aufnahmeprüfung, die man bestehen muss, um ein Instrument als Hauptfach an einer Musikhochschule studieren zu können, ist die Eignungsprüfung für Musikwissenschaft in Weimar eher als kleine Hürde gedacht, die einerseits garantiert, dass alle Studierenden ein Grundwissen besitzen und andererseits verhindert, dass sich auf gut Glück beworben und eingeschrieben wird, nur weil der Studiengang NC-frei ist.
Alles in allem sollte man also neben einigen geringen Grundkenntnissen großes Interesse für Musik und Musikwissenschaft mitbringen. Auch Neugier auf Praktika und kleine Aushilfsjobs im kulturellen Bereich können hilfreich sein, da viele in meinem Studiengang schon parallel zum Studium viele verschiedene Berufsrichtungen ausprobieren - zum Beispiel in Form von Hospitanzen oder kleinen Jobs am Theater, der Organisation von eigenen Konzerten und kleinen Projekten oder Aushilfs- und Traineejobs bei Festivals wie dem Kunstfest Weimar.

Wem würdest du von dem Studium eher abraten?
Ich würde in erster Linie vom Musikwissenschaftsstudium abraten, wenn kein großes Interesse an der Wissenschaft besteht und/oder ein großes Bedürfnis nach Sicherheit bzw. einem Studium, das zu einem bestimmten Beruf hinführt (z. B. Medizin). Grundsätzlich muss man aber weder eine lückenlose musikalische Grundausbildung besitzen, noch eine ausgereifte Vorstellung vom späteren Beruf. Und noch etwas: nicht immer stimmen die Erwartungen mit der Realität überein. Während ich mich in erster Linie aufgrund des Kulturmanagement-Schwerpunktes im Nebenfach für den Studiengang in Weimar entschieden hatte, bin ich jetzt im vierten Semester froh, dass Musikwissenschaft mein Hauptfach ist, und auch meine Berufswünsche haben sich in dieser Hinsicht verändert.

Und was machst du neben dem Studium?
In meiner Freizeit gehe ich so oft wie nur möglich ins Theater, in Konzerte oder die Oper, lese oder mache Sport. Seit dem Beginn meines Studiums dreht sich sowohl mein Uni-Alltag als auch meine Freizeit um Musik, das genieße ich im Moment total.

Danke schön für das Interview!



 
 
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