Mord unterm Mistelzweig. Der fünfte Fall für Wells & Wong

Autorin: Robin Stevens

In ihrem Buch „Mord unterm Mistelzweig“ beschreibt die Autorin Robin Stevens anschaulich Cambridge im Jahre 1930. Sie erschafft Charaktere, die einen ansprechen und manchmal auch faszinieren. Das heißt jedoch nicht, dass sie einem immer gleich sympathisch sind.
Auch ihre Illustratorin Nina Tara hat sie geschickt ausgewählt. Schon das Cover lässt den Blick an dem Buch haften. Wenn man das Buch dann aufschlägt, entdeckt man die detaillierten und anschaulichen Karten.

In dem Buch wird viel über die Art geschrieben, wie die Engländer damals mit Ausländern umgingen. Das wird nochmal dadurch verdeutlicht, dass eine der beiden Hauptfiguren (Hazel Wong) selbst in Honkong aufgewachsen ist und schließlich von ihrem Vater auf ein englisches Internat geschickt wurde. Seitdem versucht sie sich möglichst gut an die Engländer anzupassen, wird aber durch ihr Aussehen immer als Ausländerin abgestempelt. Und da das Buch aus ihrer Sicht geschrieben ist wird das noch deutlicher.
Ich habe die ersten vier Bücher noch nicht gelesen, werde es aber bei Zeiten nachholen, da mir der fünfte Band sehr gefallen hat. Trotzdem verstand ich das Buch gut, was ja nicht immer selbstverständlich ist.

Zu Anfang des Buches fahren die beiden Hauptfiguren Hazel Wong und Daisy Wells mit dem Zug nach Cambridge. Dort wollen sie Daisys Bruder Bertie (Albert) treffen, der dort aufs Maudlin-College geht. Kurz danach lernen sie auch Amanda kennen, die anscheinend Hals über Kopf in Daisys Bruder verliebt ist. Doch da das Maudlin-College nur für Jungen zugelassen ist, besucht sie das St. Lucys. Da kommen auch die beiden Mädchen unter, denn dort arbeitet Daisys Tante Eustacia als Professorin/ Lehrerin, oder wie es in dem Buch genannt wird: als Don.

Bertie erzählt ihnen, dass er zu einer streng geheimen Gruppe namens die Nachtkletterer gehört, die nachts auf die Gebäude von Cambridge klettert. Zu der Gruppe von Bertie gehören auch die Melling-Zwillinge, deren sehr reiche Eltern bei einem Autounfall ums Leben kamen. Charles (auch genannt Chummy) und Donald sind ihre Namen. Da Donald der Ältere von beiden ist, würde er das ganze Geld seiner Eltern an seinem einundzwanzigsten Geburtstag, also am fünfundzwanzigsten Dezember dieses Jahres erben. Doch alle sagen immer, dass Chummy eigentlich das Geld erben sollte. Na klar, Chummy sieht besser aus, ist selbstbewusster und viel beliebter als Donald. Er wurde nur fünf Minuten später geboren, und kriegt trotzdem kein Geld. Es ist allgemein bekannt, dass Donald es in eine Diamantmine investieren will, was Chummy sehr wütend macht. Doch wird Donald diesen Geburtstag überhaupt erleben? Immer wieder hat er seltsame, manchmal lebensgefährliche Unfälle, und für Daisy und Hazel ist es klar: Jemand hat es auf  Donald abgesehen.

Erst weisen alle Hinweise auf Chummy, denn dieser Spielt seinem Bruder schon lange blöde Streiche, aber bisher waren diese nicht so gefährlich. Doch dann stirbt Chummy auf der Treppe des Maudlin-Colleges an einer Falle und die beiden Detektivinnen müssen alles neu überdenken. Es gibt eine Menge verdächtiger Personen, doch dieses Mal sind die Beiden ja nicht allein. Denn dieses Mal haben sie sich mit der Detektei die junior Pinkertons verbündet, die aus George und Alexander besteht. Hazel und Daisy kennen Alexander schon, und Hazel empfindet mehr als nur Freundschaft für von ihn (an dieser Stelle muss ich einschieben, dass ich diese Liebe in dem Buch vollkommen überflüssig finde). Doch dieser erwidert die Liebe nicht, sondern ist offensichtlich in Daisy verliebt. Und Hazel muss feststellen, dass Alexanders Freund George, den sie sich immer als typischen Engländer vorgestellt hat, einen indischen Vater hat und deshalb, obwohl er in London geboren und aufgewachsen ist, so wie Hazel behandelt wird.
Und so werden die Verdächtigen jetzt von vier jungen Detektiven (oder auch Detektivinnen) beschattet.

Schlecht oder unnötig fand ich auch, dass die beiden Mädchen immer so vernarrt darauf waren, erwachsen zu erscheinen.
Doch im großen und ganzen ist das Buch sehr gut, und auch wenn ich Krimis eigentlich nicht mag, hat es mir doch sehr Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen.

Ein spannendes und witziges Buch über zwei junge Damen im Jahre 1930, die Mordfälle nur so anziehen.

Erschienen bei Knesebeck

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Autorin / Autor: Anna - Stand: 9. Januar 2019