Mein letzter Livestream – und alle schauen zu

Autorin: Erin Jade Lange
Aus dem Englischen von: Uwe-Michael Gutzschhahn

Butter ist aufgrund seines starken Übergewichts ein Außenseiter an der Schule, doch gemobbt wird er nur selten. Die meisten Leute gehen ihm aus dem Weg. Doch Butter ist unglücklich, denn nicht nur seine Ernährung und sein Gewicht sind ein Problem. Butter fühlt sich einsam. Keine Freunde, denen er sich anvertrauen kann, seine Eltern wissen nicht wie sie mit ihrem Sohn umgehen sollen und Anna, das hübscheste Mädchen an der Schule, weiß höchstens von seiner Existenz. Butter beschließt, einen Schlussstrich unter sein Leben zu ziehen. Kurzerhand kündigt er in online seinen geplanten Selbstmord an: Er will sich vor laufender Kamera zu Tode essen. Butter erwartet Empörung oder Mitleid, aber stattdessen wird er für sein Vorhaben gefeiert. Und das ausgerechnet von den beliebtesten Leuten seiner Schule. Plötzlich hat Butter Freunde und der beste Abschnitt seines Lebens beginnt, doch dieser hat ein Ablaufdatum: Der Livestream.

In den ersten Kapiteln des Romans kamen mir die Charaktere recht langweilig und wenig ausgearbeitet vor. Bei wenigen blieb dies auch bis zum Ende so, doch die meisten entwickelten sich im Laufe der Geschichte weiter und ließen auf mehr Charaktertiefe blicken. Dies war glücklicherweise auch bei Butter der Fall. Meiner Meinung nach sollte wenigstens die Hauptfigur eine gewisse Charaktertiefe besitzen.

Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits war die teilweise aufkommende Erwähnung von Charakteren, die den Anschein hatten, von einer gewissen Bedeutsamkeit für die Geschichte zu sein, deren Hintergrund jedoch nicht weiter ausgeführt wurde und die danach nicht mehr vorkamen. In solchen Fällen ist es mir lieber, die Charaktere ganz wegzulassen.
Nichtsdestotrotz vereinigt Erin Jade Lange in ihrem Roman einige sensible Themen: Übergewicht, Mobbing und Selbstmord. Im Einzelnen in der Literatur durchaus vorkommende Themen, jedoch immer noch selten und in dieser Kombination wahrscheinlich einzigartig.

Es tut buchstäblich weh, die Erfahrungen von Butter zu lesen, seine toxische Schulumgebung mitzuerleben, seine Einsamkeit mitzufühlen. Es sollte gut überlegt werden, ob man sich emotional stark genug fühlt, dieses Buch zu lesen, vor allem im Jugendalter. Nichtsdestotrotz ist es ein interessanter Roman, der wichtige, häufig vernachlässigte Themen behandelt, die den Roman lesenswert machen.

Mein letzter Livestream – und alle schauen zu von Erin Jade Lange erschien dieses Jahr in Erstauflage im Arena Verlag.

Erschienen bei Arena

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    Autorin / Autor: berry - Stand: 11. August 2022