Mehrsprachig selbstbewusst

Britische Studie zeigt, dass Schüler_innen, die sich selbst als "mehrsprachig" identifizieren, bei Prüfungen besser abschneiden

Redet ihr zuhause oder mit Freund_innen eine andere Sprache als in der Schule? Dann könntet ihr womöglich einen Vorteil haben gegenüber denjenigen, die nur eine Sprache sprechen. Denn Jugendliche, die sich selbst als "mehrsprachig" bezeichnen, schneiden in der Schule in vielen Fächern besser ab, unabhängig davon, ob sie tatsächlich eine andere Sprache fließend sprechen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Universität Cambridge, an der mehr als 800 Schüler_innen in England teilnahmen. Diese ergab nämlich einen positiven Zusammenhang zwischen den sogenannten GCSE-Prüfungs-Ergebnissen (entspricht in Deutschland etwa der Mittleren Reife) und der "mehrsprachigen Identität", d. h. der Frage, ob die Schüler_innen durch ihre Kenntnisse und ihren Sprachgebrauch eine persönliche Verbindung zu anderen Sprachen haben. Diejenigen, die sich selbst als mehrsprachig bezeichneten, schnitten in der Regel besser ab als ihre Mitschüler_innen, und zwar nicht nur in Fächern wie Französisch und Spanisch, sondern auch in nichtsprachlichen Fächern wie Mathematik, Geografie und Naturwissenschaften. Interessanterweise gilt dies auch unabhängig davon, ob sie die zweite Sprache tatsächlich fließend sprechen oder nicht.

Laut den Forscher_innen könnte die Ermutigung der Schüler_innen, sich mit Sprachen zu identifizieren und verschiedene Kommunikationsstile zu schätzen, ihnen helfen, eine Denkweise zu entwickeln, die den akademischen Fortschritt insgesamt unterstützt. Auch andere neuere Forschungsarbeiten plädieren dafür, den Umfang des Sprachunterrichts zu erweitern, damit die Schüler_innen nicht nur Vokabeln und Grammatik lernen, sondern auch die Bedeutung von Sprachen und ihre Bedeutung für ihr eigenes Leben erkunden.

Wachstumsmentalität

Dr. Dee Rutgers, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fakultät für Erziehungswissenschaften der Universität Cambridge, sagte: "Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass je mehrsprachiger man sich selbst einschätzt, desto besser sind die GCSE-Ergebnisse." Es müsse zwar noch mehr dazu geforscht werden, warum das so ist, "aber es könnte sein, dass Kinder, die sich selbst als mehrsprachig betrachten, eine Art 'Wachstumsmentalität' haben, die sich auf ihre weiteren Leistungen auswirkt".

Ihre Kollegin Dr. Linda Fisher ergänzt, dass man auch Kindern, die glauben, dass sie keine Sprachen 'können', helfen sollte, zu erkennen, dass wir alle eine Reihe von Kommunikationsmitteln benutzen und dass das Erlernen einer Sprache einfach eine Erweiterung dieser Palette darstelle. Dies könne sich auf die Einstellung und das Selbstvertrauen auswirken, was für das Lernen in der Schule wichtig sei. Mit anderen Worten: Was man von sich selbst hält, kann wichtiger sein als das, was andere von einem sagen.

Laut Studienautor_innen bedeutet Mehrsprachigkeit weit mehr als nur eine weitere "Fremdsprache" zu sprechen. Selbst junge Menschen, die sich selbst als einsprachig betrachten, verfügten über ein Repertoire an Kommunikationsmöglichkeiten, wie zum Beispiel verschiedene Dialekte, im Urlaub aufgeschnappte Wörter und Redewendungen, Gebärdensprache oder Computercodes.

Aktive und fähige Sprachenlerner_innen

Die Forscher_innen interpretieren die Studie so, dass die positive Mentalität und das Selbstvertrauen, die sich bei Schüler_innen mit einer mehrsprachigen Identität typischerweise entwickeln, sich auch auf ihre weitere Bildung auswirken. Dies könnte auch im Sprachunterricht kultiviert werden: zum Beispiel, indem man Lernprogramme anbietet, die verschiedene Arten von Sprachen und Dialekten erforschen, oder indem man die Schuüler_innen ermutigt, darüber nachzudenken, wie Sprachen ihr Leben sowohl innerhalb als auch außerhalb der Schule prägen.

"Allzu oft denken wir, dass wir andere Sprachen nicht kennen müssen oder dass es schwierig ist, sie zu lernen", sagte Fisher. Aber es könne sich sehr positiv auf die schulischen Fortschritte auswirken, wenn die Schüler_innen ermutigt würden, sich selbst als aktive und fähige Sprachenlerner zu sehen.

Die Ergebnisse wurden im Journal of Language, Identity and Education veröffentlicht.

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