Mama reicht's!
Autorin: Anke Neckar
Die bekannte Bloggerin Anke Neckar hat mit „Mama reicht’s!“ ihren Debütroman im Lübbe-Verlag veröffentlicht. Auf rund 330 Seiten berichtet sie uns mit ihrer Protagonistin Julia vom facettenreichen Alltag einer Mutter in der heutigen Zeit. Julia und Marcel führen eine grundsätzlich gleichberichtigte Ehe und haben mit Oskar und Luise zwei wundervolle Kinder, die ihr Leben stets auf Trab halten. Beide gehen arbeiten, Marcel als gut organisierter und emphatischer Lehrer, und Julia als Teilzeitsprechstundenhilfe beim Allgemeinmediziner nebenan. Sie führen ein harmonisches Familienleben – so wie man es halt bezeichnet, wenn die Wirbelwinde gerade alt genug sind, um eine eigene Meinung zu haben und noch alles liegen lassen. Und Vater Marcel dort auch gern ein Auge zudrückt, während Julia Haushalt und Familienplanung schaukelt, und den Alltag für alle drei „Kinder“ plant. Wenn da nicht noch Schwiegermonster Doris wäre, deren großer Schatz Marcel mit Julia eindeutig die falsche Frau gewählt hat. Als Julia von einem der seltenen Treffen mit ihren Freundinnen heimkommt, blickt sie kritisch auf ihr Familienleben. Freundin Britte hat sich von ihrem Mann getrennt – das regt auch Julia zum Nachdenken an. Ist sie wirklich glücklich? Schließlich liegt der Mental Load bei ihr. Marcel ist gut zu ihr, keine Frage, aber ohne Anleitung sieht er selten Aufgaben. Im Familienurlaub brodeln die Gefühle hoch – werden Julia und Marcel über ihre Schwachstellen reden? Und können sie gemeinsam eine Lösung finden?
Anke Neckar kreiert mit Julia eine fiktive Person, die die Herausforderungen einer modernen Mutter in der heutigen Gesellschaft widerspiegelt. Trotz Gleichberechtigung und Aufklärung bleibt ein Großteil der Care-Arbeit und des Mental Loads bei den weiblichen Familienmitgliedern liegen. Nicht einmal aus bösartigen Willen, sondern weil viele Aspekte der Haushalts- und Familienaufgaben schlichtweg nicht gesehen werden. Und obwohl jede Frau mit ihren eigenen Hürden und To-Do-Listen zu kämpfen hat, kann sich jeder ein wenig in Julia wiedererkennen. Anke Neckar thematisiert alle möglichen Themen, die eine Familie mit jungen Kindern bewegen könnte. Auch die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Zusammenleben werden angesprochen. Dadurch findet man sehr schnell Zugang zu der Geschichte. Während im ersten Teil des Buchs vor allem der Status Quo detailliert beschrieben wird, kann man im zweiten Teil einer gewissen Entwicklung folgen, die letztendlich im Finale endet. Ob das nun ein Happy End ist, müsst Ihr aber selbst herausfinden! Als besonderes Stilmittel baut Anke Neckar Briefe ein, die Julia an ihre späteres Ich verfasst. Darin verarbeitet sie die Lebensabschnitte ihrer Kinder und sich selbst, wodurch die Lesenden einen Einblick in die Hintergründe erhalten.
Alles in allem ein sehr kurzweiliger, realitätsnaher Roman. Er liefert zwar keine direkten Lösungen für Schwierigkeiten im Familienalltag, aber er zeigt, dass keiner davor gefeit ist und jeder seine Päckchen zu tragen hat. Und manchmal hilft es ja schon, sich nicht allein zu fühlen. Wer sich also gerade im Familientrubel zu verlieren droht, sollte dieses Buch als Lektüre zur Hand nehmen und sich eine Auszeit gönnen. Ihr habt es Euch verdient!
Erschienen bei Lübbe
Autorin / Autor: Franziska - Stand: 7. Oktober 2026