Kreativer Kater?
Forschung: Kreativität steigert das Wohlbefinden. Aber manchmal kommt am nächsten Tag ein Stimmungstief
Kreativen Menschen wird so einiges nachgesagt, auch, dass sie manchmal besonders leiden. Dabei hat die Forschung schon oft festgestellt, dass Kreativität gut für das Wohlbefinden ist. Allerdings gibt es bei kreativ arbeitenden Menschen auch ein überraschend wechselhaftes Muster, wie Forschende von der University of New York im Journal of Positive Psychology berichten. In ihrer Studie hatten sie festgestellt, dass professionelle Kreative sich an Tagen mit höherer kreativer Beteiligung gut fühlen, aber am nächsten Tag eher einen emotionalen Absturz erleben. Die Forschenden bezeichnen das als creative hangover (dt. kreativer Kater).
Für die Studie wurden 355 Erwachsene (darunter 202 Kreative und 153 Vergleichsteilnehmer mit geringerer kreativer Aktivität) anhand von Basiswerten und 13 täglichen Umfragen zu Kreativität und Wohlbefinden unter die Lupe genommen. Für Kaile Smith, Hauptautorin der Studie kam dabei etwas heraus, was sie nicht erwartet hatte: „Was uns überrascht hat, ist, dass kreative Menschen am nächsten Tag einen emotionalen Preis zahlen müssen – selbst wenn die Auswirkungen am selben Tag positiv sind.“ Dies weise aber nicht darauf hin, dass Kreativität schädlich sei, sondern eher einem bestimmten Rhythmus unterliege, vor allem wenn sie im Mittelpunkt des Berufes stehe.
Für Jennifer Drake, Professorin für Psychologie und leitende Autorin der Studie, zeigen die Ergebnisse, dass pauschale Aussagen wie "Kreativittät ist gut für dich" wichtige Nuancen außer Acht lassen. Kreativität steigere zwar das momentane Wohlbefinden, doch am nächsten Tag könnte das anders aussehen. Da habe auch Bedeutung für die psychische Gesundheit und den Einsatz von Kunsttherapie.
Immerhin zeigte die Studie auch, dass Menschen, die sich regelmäßig kreativ betätigen, in dieser Studie von Anfang an ein höheres Grundwohlbefinden aufwiesen, vor allem in Bezug auf das Gefühl, mit anderen verbunden zu sein und Sinn zu empfinden. Sie leiden aber dafür öfter am kreativen Kater als Menschen, die nur gelegentlich kreativ sind. Diese profitieren länger vom Wohlbefinden kreativer Betätigung und haben keinen schöpferischen Kater. Wenn gelegentlich Kreative schlecht drauf sind, steht ihnen sogar eher ein kreativer Tag bevor - so zumindest will es die Studie ausgemacht haben.
Wie rum es auch ist, erst kreativ und dann schlecht daruf oder erst schlecht drauf und dann kreativ, es gibt offenbar keine Tätigkeit und keine Berufe, die rund um die Uhr glücklich machen. Auf ein Hoch folgt ein Tief und umgekehrt. Das ist nicht nur bei langweiligen Büromenschen so, sondern scheint sogar im Besonderen für die zu gelten, die einen beneidenswert schöpferischen Beruf haben.
Quelle
Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung via eurekalert.org