Könnte ja wahr werden

Studie: Wie unser Vorstellungsvermögen unsere Toleranz gegenüber Lügen erhöht

Warum dulden Menschen Falschinformationen oder tragen zu ihrer Verbreitung bei, selbst wenn sie wissen, dass sie falsch sind? Antworten auf diese Frage werden in Zeiten von der massenhaften Verbreitung von Fake News händeringend gesucht. Forscher_innen um Beth Anne Helgason, einer Doktorandin an der London Business School, haben eine Idee, woran das liegen könnte. Es liegt den Forschenden zufolge nicht unbedingt daran, dass sie irgendwie doch an den Wahrheitsgehalt einer falschen Aussage glauben, sondern dass sie glauben, dass sie in Zukunft wahr werden könnte. Sachverhalte, die so nicht stimmen, aber in Zukunft wahr werden könnten, werden offenbar als weniger unethisch empfunden und darum auch eher mal geteilt.

Auslöser für ihre Studie waren Fälle, in denen führende Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik Behauptungen wie "das könnte sich in Zukunft bewahrheiten" zur Rechtfertigung von Aussagen verwendet haben, die in der Gegenwart nachweislich falsch sind. Um zu überprüfen, dass diese Rechtfertigung zieht, ließen die Forschenden in sechs verschiedenen Experimenten eine Reihe von Aussagen bewerten, die nachweislich falsch waren, was die Teilnehmer_innen auch wussten. Mal sollten sich die Teilnehmenden einen Freund vorstellen, der in seinem Lebenslauf Kenntnisse vorgibt, die er nicht hat. Wurden sie dabei aufgefordert, sich vorzustellen, der Bewerber könnte die Kenntnisse bis zum Antritt der Stelle noch erwerben- etwa durch den Besuch eines entsprechenden Kurses, stuften sie die Lüge als weniger unethisch ein, als wenn sie ich das Wahrwerden der Lüge nicht vorgestellt hatten.

Auch bei politischen Aussagen zeigten sich die Testpersonen großzügiger gegenüber falschen Behauptungen. Wurde etwa behauptet, der durchschnittliche Top-CEO verdiene 500-mal mehr als der durchschnittliche Arbeiter, dann fanden sie diese nachweislich falsche Behauptung weniger unethisch, wenn sie sich den Weg dorthin vorstellen (""Der durchschnittliche Top-CEO wird bald 500 mal mehr Geld verdienen als der durchschnittliche amerikanische Arbeiter, wenn...".
Die konkrete Vorstellung, dass eine Lüge Wirklichkeit wird, half also dabei, die Lüge eher zu tolerieren. Dies traf besonders dann zu, wenn sie mit den politischen Einstellungen des Teilnehmenden grundsätzlich harmonierte. Da half auch nicht der Hinweis der Forschenden an die Testpersonen, wirklich genau über die Unwahrheiten nachzudenken, bevor sie sie bewerteten.

Es zeigte sich auch, dass die Teilnehmenden geneigt waren, Fehlinformationen in den sozialen Medien zu teilen, wenn sie sich vorstellen, dass sie wahr werden und noch dazu ihren politischen Einstellungen entsprechen. Sie glauben, dass die Aussage im Wesentlichen wahr ist, auch wenn sie im genauen Wortlaut offensichtlich unrichtig ist.

Die Ergebnisse zeigen den Forschenden zufolge, wie unser Vorstellungsvermögen dazu beiträgt, offensichtliche Fehlinformationen zu rechtfertigen. Etwas, das wahr werden könnte, lasse sich zudem schlecht mit Fakten widerlegen.

Denkt daran, wenn ihr Aussagen, die nachweislich falsch, vollkommen übertrieben oder zumindest fragwürdig sind, beurteilt oder gar verbreitet. Sie sind auch dann Lügen, wenn sie irgendwann in Zukunft oder in eurer Vorstellung wahr werden könnten.

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Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung