Klimawandel am Arbeitsplatz nötig

US-Studie: Ingenieurinnen verlassen Firmen, wenn Aufstiegschancen und Arbeitsklima nicht stimmen

Es ist eigentlich ein Skandal: Selbst in einem für Frauenrechte als vorbildlich geltenden Staat wie den USA verlassen viele Frauen, die eine Ingenieursausbildung absolviert haben, ihren Beruf frühzeitig oder - noch schlimmer - sie gehen erst gar nicht in das Berufsfeld. Nach einer neuen Studie, die auf der 122. Jahrestagung der American Psychological Association vorgestellt wurde, liegen jetzt die Gründe dafür vor: Fast 40 Prozent der Befragten gaben an, dass sie sich wegen des schlechten Arbeitsklimas und der Missachtung von Managern und Mitarbeitern von ihrem Beruf verabschiedet hätten.

Die Wissenschaftlerin Nadya Fouad von der University of Wisconsin Milwaukee präsentierte ihre Ergebnisse aus der ersten Phase einer Drei-Jahres-Studie, in der sie 5.300 Frauen mit Ingenieursstudiengängen aus sechs Jahrzehnten beobachtet. Die Teilnehmerinnen kommen überwiegend aus den 30 Universitäten mit der höchsten Anzahl von Frauen in den Ingenieurwissenschaften und aus 200 anderen Universitäten.

Während der Frauen-Anteil in den Ingeniersausbildungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten auf mehr als 20 Prozent geklettert ist, beträgt der Frauen-Anteil unter den praktizierenden Ingenieuren nur noch 11 Prozent, und nur 9 Prozent sind als Elektro- und Umweltingenieurinnen tätig, so die Ergebnisse der US-Studie.

Immerhin: 62 Prozent der befragten Frauen hatten ihre berufliche Karriere als Ingenieurin fortgesetzt. Aber 11 Prozent haben nie als Ingenieurin gearbeitet, 21 Prozent gaben nach etwa fünf Jahren auf und 6 Prozent sogar nach weniger als fünf Jahren. Von letzteren gaben etwa zwei Drittel an, dass sie bessere Chancen in anderen Bereichen verfolgt hätten. Ein Drittel blieb wegen der Kindererziehung zu Hause, weil es im Unternehmen keine Möglichkeiten gab, Familie und Arbeit zu kombinieren, so die Ergebnisse von Fouad. Von denen, die in andere Branchen gegangen waren, wurden 54 Prozent Führungskräfte, 22 Prozent kamen im Management unter und 24 Prozent arbeiteten als Angestellte.

"Diese Ergebnisse treffen vor allem auf Frauen zu, die in Bereichen arbeiten, in denen der Frauenanteil unter 30 Prozent liegt. Dort werden Frauen viel eher 'herausgekickt', weil sie meist nicht in das interne Raster der "guten alten Jungs-Solidarität" passen", so Fouad.

Diejenigen Frauen, die im Ingenieursberuf geblieben waren, gaben an, dass sie sich von Chefs und Kollegen unterstützt gefühlt hatten, und dass ihre Leistungen von der Firma anerkannt wurden. Außerdem wurden ihnen Schulungen angeboten, sie bekamen Aufstiegschancen und das Thema Work-Life-Balance wurde ernst genommen, so die Studie.

"Jetzige Ingenieurinnen werden davonlaufen, wenn sie erleben, dass sie nur wenige Aufstiegsmöglichkeiten haben, schlecht von Managern und Mitarbeitern behandelt werden und unter einer Arbeitskultur leiden müssen, die dauernd verlangt, Arbeit mit nach Hause zu nehmen, am Wochenende zu arbeiten, oder wenn sie kaum Unterstützung für ihre multiplen Rollen finden", warnte Fouad.

Die StudienteilnehmerInnen belasteten übrigens nicht eine Branche besonders, die Ergebnisse treffen offenbar gleichermaßen auf die Luft- und Raumfahrt, Transport- und Versorgungsunternehmen, Bau, EDV-Dienstleistungen als auch Software-und Biotechnologie-Branchen zu.

"Unternehmen, die Ingenieurinnen behalten wollen, müssen erstmal erkennen, dass es nicht eine 'Frauenfrage' ist, Zeit mit ihren Kindern verbringen zu wollen", sagte Fouad. "Die Gründe, warum Frauen im Ingenieurs-Beruf bleiben, sind ähnlich zu denen, warum sie ihn verlassen: Aufstiegschancen und Arbeitsklima."

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 15. August 2014
 
 
 

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