Kamera aus oder an?

Studie: Wie das Schauen auf das eigene Spiegelbild bei Online-Konferenzen wahrgenommen wird

Alle haben die Pandemie langsam so richtig satt und damit natürlich auch das ständige Zoomen, Teamen und sonstige Formen von Videokonferenzen. Viele nervt auch besonders der Spiegel-Effekt bei solchen Online-Meetings, also nicht nur die anderen auf dem Bildschirm, sondern sich auch ständig selbst im Video zu sehen. Die Gedanken, die einem dabei meist durch den Kopf gehen, kennen bestimmt alle: Sitzen meine Haare? Oh Gott hab ich Ränder unter den Augen! und so weiter. Allerdings - für manche Menschen scheint der ständige Spiegel-Effekt virtuelle Sitzungen nicht unangenehmer zu machen, wie eine aktuelle Studie der Washington State University ergab.

Schon im Sommer und Herbst 2020, kurz vor Beginn der Pandemie, befragte Kristine Kuhn, außerordentliche Professorin am Carson College of Business der WSU zwei Gruppen von Personen: mehr als 80 Angestellte aus verschiedenen Teilen der USA, die auf Online-Arbeit umgestellt worden waren, und etwa 350 Studierende der Wirtschaftshochschule, deren Kurse ins Netz verlegt worden waren. Alle Teilnehmenden beantworteten eine Reihe von Fragen über die Art ihrer Arbeit oder ihrer Unterrichtssitzungen und wie sie diese empfunden hatten. Sie sollten auch ihr Selbstbewusstsein bewerten im Hinblick auf das Bild, das sie von sich selbst in der Öffentlichkeit hatten.

Selbstbewusstsein und eigenes Kamerabild

Erste Auswertungen ergaben ein überraschendes Bild: es waren diejenigen mit einem größeren Selbstbewusstsein, die die Online-Meetings schlechter bewerteten, wenn sie sich selbst auch auf dem Bildschirm gesehen hatten. Diejenigen, bei denen das öffentliche Selbstbewusstsein gering ausgeprägt war, hatten dagegen tendenziell eine positivere Einstellung zu ihren virtuellen Meetings je häufiger ihr eigenes Gesicht zu sehen war. 

Kuhn wies allerdings darauf hin, dass es auch noch viele weitere Faktoren gibt, die die Online-Meeting-Zufriedenheit beeinflussen. Dazu gehört auch, ob man selbst die Kontrolle darüber hat, wann man seine Kamera einschaltet.

Die Studie ist allerdings nicht besonders umfangreich, da sie einen nur einen besonderen Fokus auf die emotionalen Reaktionen und Erfahrungen mit virtuellen Meetings auswertete; Faktoren wie Effektivität oder Lernergebnisse spielten bei der Befragung keine Rolle.

Die Forscherin plädiert daher dafür, weiter zu untersuchen, wie virtuelle Meeting-Plattformen effektiv genutzt werden können. Sie würden wahrscheinlich nicht verschwinden und fester Bestandteil der Arbeitswelt sowie der Universitäten bleiben. Die Ergebnisse der Studie zeigten aber, dass Manager_innen und Lehrkräfte gut überlegen sollten, ob sie pauschale Regeln für die Verwendung von Kameras aufstellen. "Es gibt keine Einheitslösung, die für alle passt", so die Forscherin. "Ein Manager, der eine Teambesprechung leitet, würde es wahrscheinlich bevorzugen, wenn jeder seine Kamera eingeschaltet hätte. Aber es scheint nicht unbedingt für jede_n ideal zu sein."

Auf der anderen Seite bestätigte sich aber auch nicht die weit verbreitete Annahme, dass es für alle gleichermaßen ein Online-Meeting unerträglich macht, wenn man sich selbst auch auf dem Bildschirm sieht. Es hängt eben wie so oft von jedem/jeder Einzelnen ab.

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 5. Januar 2022