Lacktechnologie: Die Faszination liegt im Neuen!

Sabine Scharf (30 Jahre) ist leidenschaftliche Lackingenieurin und tüftelt "selbstheilende Beschichtungen" aus

Sabine Scharf (30 Jahre) ist leidenschaftliche Lackingenieurin und arbeitet derzeit am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung, kurz Fraunhofer IFAM in Bremen als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Lacktechnik. Das Fraunhofer IFAM ist eines der größten der 60 Fraunhofer-Institute in Deutschland mit über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

LizzyNet hat sie gefragt, wie sie auf den Beruf gekommen ist und warum sie ihn Mädchen ans Herz legt...

Frau Scharf, wie wird man Lackingenieurin?
Ich habe an der Hochschule Niederrhein in Krefeld Lackingenieurwesen mit dem Abschluss Diplom-Ingenieurin (FH) studiert. Schon während der Schulzeit war für mich klar, dass ich einen Beruf im Chemiebereich erlernen möchte, weil ich es immer schon faszinierend fand, dass aus verschiedenen Substanzen etwas ganz Anderes – mit völlig neuen Eigenschaften – entstehen kann. Ich habe mich dann nach meinem Abitur dazu entschieden, eine Ausbildung als Chemielaborantin zu absolvieren. Während der Ausbildung hatte ich die Möglichkeit, in verschiedenen Laboren mitzuarbeiten und dort vielfältige Themenbereiche kennenzulernen. Einer dieser Bereiche waren die Lacke. Das war sozusagen mein erster Kontakt mit der Thematik. Die Ausbildung hat mir gezeigt, dass der Chemiebereich prinzipiell für mich das Richtige ist, aber ich wollte gerne weitermachen. Mein damaliger Ausbildungsbeauftragter hatte mir vorgeschlagen, Lackingenieurwesen an der Hochschule Niederrhein in Krefeld zu studieren. Es handelt sich um ein Chemieingenieurstudium mit dem Schwerpunkt Lacktechnologie. Ich habe mich dann zunächst über das Studium informiert, zum Beispiel, welche Lehrinhalte angeboten werden, wie lange es dauert, wie der Studienablauf gestaltet ist. Die Entscheidung zu studieren war für mich nicht einfach, da ich mit meinem Ausbildungsvertrag eine Übernahmegarantie bekommen hatte, somit hätte ich direkt nach der Ausbildung einen Job gehabt. Ich habe mich aber trotzdem für das Studium entschieden, weil mich die Thematik der Lacke sehr interessiert hat. Nach meinem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung habe ich mich dann an der Hochschule Niederrhein für den Studiengang Lackingenieurwesen eingeschrieben. Rückblickend war es die beste Entscheidung!

Woran arbeiten Sie zurzeit und wie sieht dieses Arbeitsgebiet genau aus?
Ich arbeite an der Thematik „selbstheilende Beschichtungen“, d. h. ich entwickle Beschichtungen, die sich bei auftretenden Beschädigungen – beispielsweise Kratzern in lackierten Oberflächen – selbst wieder verschließen, also „heilen“, können. Meine Arbeit besteht darin, eine Strategie auszuarbeiten, wie selbstheilende Beschichtungen für einen ganz konkreten Anwendungsfall entwickelt werden können. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, zum Beispiel die zu verwendenden Substanzen, der Herstellungsprozess, aber auch das Testen des Selbstheilungseffektes. Diese theoretischen Überlegungen müssen dann durch praktische Versuche im Labor überprüft werden. Hierfür werden Reihenversuche gemacht, die Erkenntnisse darüber liefern, ob die überlegte Strategie erfolgreich ist oder angepasst werden muss. Da solche anwendungsbezogenen Forschungsprojekte in einem Fraunhofer-Institut oft im Kundenauftrag durchgeführt werden, stehe ich im ständigen Kontakt mit den Kunden. Ich spreche mit ihnen nicht nur über die aktuellen Ergebnisse, sondern stimme mit ihnen auch die weitere Vorgehensweise ab. So ist innerhalb eines Projektes immer gewährleistet, dass die Forschung im Sinne des Kunden stattfindet.

Wie sieht Ihr typischer Arbeitsalltag aus?
Es gibt keinen „typischen“ Arbeitsalltag. Das würde nicht zu meiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit passen, bei der sich ständig unvorhergesehen neue Situationen, die neue Perspektiven auftun oder aber zum plötzlichen Ende führen, ergeben. Aber es gibt auch Arbeiten, die immer wieder aufkommen, wie beispielsweise das Auswerten von Ergebnissen, Kundengespräche oder auch Kundenbesuche.

Welche besonderen Vorkenntnisse, Fähigkeiten und Interessen braucht man für diesen Beruf?
Gerade in den MINT-Berufen gehört eine gewisse Neugier und Flexibilität einfach dazu. Speziell in der Forschung muss ich offen für Neues sein und auch mal unkonventionelle Wege gehen, die manch einer zunächst als Sackgasse betrachten würde. Da gilt, wie so oft, der Spruch „Versuch macht klug“. Darüber hinaus gehört flexibles Denken und auch eine Portion Hartnäckigkeit dazu, denn Forschung liefert nicht immer die Ergebnisse, die ich gerne hätte. Auch spielen die Teamfähigkeit und die Kommunikation wichtige Rollen, da viele Projekte zusammen mit Kolleginnen und Kollegen bearbeitet werden und ich so im ständigen Austausch mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Fraunhofer IFAM, mit Kunden, aber auch externen Experten stehe.

Was ist für Sie das Faszinierendste an Ihrer Tätigkeit?
Mich fasziniert am meisten, dass ich in meinem Beruf Fragen stellen kann, die ich mir im alltäglichen Leben nicht unbedingt stellen würde, und die Zukunftsmusik sind. Die Herausforderung, diese Forschungsfragen zu beantworten und an etwas Neuem mitwirken zu können, fasziniert mich immer wieder. Ich mag außerdem die Abwechslung meines Berufes und die Möglichkeit, sich mit anderen Experten auszutauschen. Oftmals werden Projekte nicht nur innerhalb einer Abteilung bearbeitet, sondern in Zusammenarbeit mit anderen Kolleginnen und Kollegen, die Spezialisten für weitere Themengebiete sind. Dadurch ist es mir an vielen Stellen möglich, direkt Fragen zu stellen und zu diskutieren.

Was machen Sie, um junge Menschen für MINT zu begeistern?
Die Fraunhofer-Gesellschaft bietet in ihren 60 Instituten mit über 20.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern jungen Menschen vielfältige Möglichkeiten – zum Beispiel die Talent-School, die wir auch jedes Jahr für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in den Herbstferien in Bremen durchführen, wie auch Fraunhofer MINT-EC-Workshops, TheoPrax- und Junior-Ingenieur-Akademie-Projekte. Bei all diesen Aktionen ist das Fraunhofer IFAM in Bremen ein Vorreiter innerhalb der gesamten Fraunhofer-Gesellschaft. Wir halten auch Vorträge in Schulen und bieten Praktika für Jugendliche an. Ganz aktuell haben ein Kollege und ich an einem Gymnasium dargestellt, womit wir uns am Fraunhofer IFAM beschäftigen. Auch während und nach dem Studium gibt es die Möglichkeit, bei uns Studienarbeiten, Abschluss- und Doktorarbeiten zu machen. Und das Besondere daran ist, dass es anwendungsbezogene Themen sind, da wir viel praxisorientierte Auftragsforschung für die Industrie leisten. Für viele junge Wissenschafterinnen und Wissenschaftler ist dies ein regelrechtes Sprungbrett in die Arbeitswelt. Ich finde es ganz wichtig, den jungen Menschen die Technologien und Arbeitsgebiete näher zu bringen und sie für Naturwissenschaften, Ingenieurwesen, Forschung und Entwicklung zu begeistern, weil es so viele spannende Bereiche gibt.

Und welchen Rat würden Sie einer Schülerin mit auf den Weg geben, die überlegt ob sie in einem MINT-Fach studieren oder die Ausbildung machen soll?
Ganz wichtig finde ich, dass sich die Schülerin klar machen sollte, dass auch Frauen heutzutage viele Möglichkeiten in den MINT-Bereichen offen stehen. Es hilft auch zu überlegen, wo die eigenen Stärken und Interessen liegen. Wenn sich die Schülerin darüber im Klaren ist, dann kann sie aus zahlreichen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten auswählen.

Autorin / Autor: Redaktion - Stand: April 2012
 
 
 

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