In the Dark - Keiner weiß, wer sie sind

Autorin: Cara Hunter
Übersetzer/in: Iris Hansen, Teja Schwaner

Ein Haus wird saniert, dann werden in einem verborgenen Kellerraum eine verstörte junge Frau und ein Kind gefunden. In dem Haus darüber wohnt ein alter Mann, der dement ist und nichts davon wissen will. Der Ermittler Adam Fawley und sein Team übernehmen. Sie stoßen auf einen zurückliegenden ähnlichen Fall, wo eine junge Frau verschwunden, aber der Sohn gefunden wurde. Hängt das miteinander zusammen? Da der alte Mann dement ist und die junge Frau schweigt, wird es ein ziemliches Gepuzzle.

Auf dem Klappentext ist von vielen Wendungen und einem rasanten Tempo die Rede und zumindest für die Wendungen stimmt das. Es ist am Ende doch ziemlich viel ziemlich anders als man zwischendrin vielleicht gemutmaßt hatte. Das ist der große Pluspunkt, weil man doch immer wieder überrascht wird. Von "Tempo" ist in diesem Roman allerdings nicht viel zu spüren. Das ist grundsätzlich nicht schlimm, aber auch die Figuren bleiben merkwürdig farblos. Fawley hat ein schlimmes Trauma, weil sein Sohn sich umgebracht hat, seine Frau sehnt sich nach einem Kind, ein Kollege begeht eine große Dummheit und der Kriminalfall selbst hat es auch in sich - es gibt viel Stoff, aus dem man Dramen hätte schmieden können, aber tatsächlich bleibt man als Leser sehr distanziert.

Das liegt vor allem an der überaus merkwürdigen Erzählperspektive. Fawley erzählt zunächst als Ich-Erzähler, dann erleben wir das Geschehen aus der Perspektive einer Kollegin, dann sind wir beim Kollegen... es ist einfach verwirrend. Ich hatte bis zum Schluss zu keiner Figur ein Gesicht, ein Gefühl, eine Haltung, sogar die Namen der meisten Figuren habe ich vergessen. Der Titel wurde hier zum Fluch: Keiner weiß, wer sie sind.

Zudem werden in dem Roman Tatortskizzen, Protokolle, Zeitungsartikel, SMS-Chats & Co. dargeboten, die vermutlich dem Leser das Gefühl geben sollen, selbst zu ermitteln. Für mich hat es eher den Lesefluss gestört und ich konnte den Kriminalakten auch wenig Spannendes abgewinnen. Es ist ja schließlich kein Escape Book, wo man das Rätsel selbst lösen muss. Ein wenig mehr Charakterzeichnung hätte dem Buch meiner Meinung nach besser getan.
Schade, denn die Geschichte selbst wäre genau nach meinem Geschmack gewesen. Mein Fazit heißt darum: eine komplexe, ausgeklügelte und wenig vorhersehbare Story, etwas anstrengend umgesetzt. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache.


Erschienen im Aufbau Verlag

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    Autorin / Autor: luthien - Stand: 6. Dezember 2019