Herrscherin der tausend Sonnen

Autorin: Rhoda Belleza

Die Grundhandlung von „Herrscherin der tausend Sonnen“ ist schnell erklärt. Rhiannon, das einzig überlebende Mitglied einer intergalaktischen Kaiserfamilie, soll demnächst gekrönt werden, entgeht dann aber nur knapp einem Attentat und wird für tot gehalten. Von Rachegefühlen getrieben beschließt sie, den Mörder ihrer Familie zu finden.
Alys, dem zweiten Hauptcharakter, wird auf Grund seiner Herkunft die Schuld an dem Attentat in die Schuhe geschoben, sodass er fliehen muss und seine Unschuld zu beweisen versucht.
Das Buch wartet hierbei mit vielen guten Ideen und Ansätzen auf. Vor allem die Würfeltechnologie, die für die Handlung des Buches eine große Rolle spielt, ist eine interessante Idee, die vor allem auch philosophische Fragen aufwirft. Die meisten Bewohner der Galaxie bekommen mit der Geburt ein Stück Technologie installiert (Würfel genannt), das all ihre Erinnerungen speichert und sie digital z.B. mit dem Fernsehprogramm oder anderen Würfeln verknüpft. Das ist zwar keine vollkommen neue Idee, sie wird jedoch mit dem Erinnerungsaspekt sehr kreativ und glaubhaft beschrieben.

Wie es sich für einen Science-Fiction-Roman gebührt, kommen in dem Buch eine Vielzahl von Planeten und Aliens vor. Interessant ist hier die ausgeprägte kulturelle Vielfalt, durch die die beschrieben Wesen lebendiger wirken. Sie sehen nicht nur unterschiedlich aus, sie haben auch verschiedene Religionen und Moralvorstellungen, sprechen verschiedene Sprachen. So ist beispielsweise die Religion des Hauptcharakters Rhee geprägt durch die Ahnenverehrung und moralische Grundsätze, die während der Handlung immer wieder wichtig für Entscheidungen der Charaktere sind. Das wirkt aber niemals unglaubwürdig, da Rhee in ihrer Religion tief verwurzelt zu sein scheint.
Vor allem der kriegerische Konflikt um Macht und Kontrolle hat mir sehr gut gefallen, weil er wie aus dem echten Leben gegriffen wirkt. Fast kann man meinen, aktuelle und reale Konflikte wären einfach nur in die Zukunft verlegt worden. Kriegstreiberei durch einen Populisten, Rassismus und hilflose Vereinigte Planeten sowie ein Wettrüsten um Technologie sind Themen in „Herrscherin der tausend Sonnen“, die Lust auf mehr machen und dazu anregen, über die Gegenwart nachzudenken.

Leider gehen viele dieser guten Ansätze durch die eigentliche Handlung und die Charaktere verloren. Wirklich unsympathische Charaktere gibt es zwar nicht, doch vor allem in Rhees Fall zeichnet sich innerhalb der etwa 400 Seiten keinerlei Entwicklung ab. Das ist schade, denn irgendwann werden die immer gleichen Fehler, die alle begehen, nervig. Vor allem, da sie meistens selbst erkennen, was sie falsch gemacht haben und sich dann bemitleiden. Dadurch wirkt vor allem Rhee wie ein kleines, verwöhntes Kind und nicht wie die eigentlich starke und eigensinnige Prinzessin.
Ein weiterer Minuspunkt sind die Nebencharaktere. Einige von ihnen sind sehr interessant, und ich hätte es geliebt, mehr über sie zu erfahren. Obwohl sie größtenteils eine noch wichtigere Rolle in Band zwei spielen werden, bleiben sie jedoch flach und eindimensional. Vor allem über Vin, Dahlen und Tai hätte ich gerne mehr erfahren, da es sich bei allen theoretisch um Charaktere mit viel Potenzial handelt, das so leider verschenkt wird.

Die Handlung, die im Großen und Ganzen fesselt, leidet leider unter der großen Erzählwelt und einigen Handlungslücken. Einerseits ist die von der Autorin geschaffene Welt faszinierend, andererseits hat man als Leser_in das Gefühl, alles nicht ausführlich genug erklärt zu bekommen. Man wird so sehr schnell ins kalte Wasser geworfen, und vieles wird nur kurz angeschnitten.

In „Herrscherin der tausend Sonnen“ gibt es einige spannende Cliffhanger, bei denen man am liebsten gleich in der einen Erzählperspektive weiterlesen würde. Leider bekommen viele dieser spannenden Szenen eine oft sehr absurde Auflösung. Mehr als einmal werden Hauptcharaktere von plötzlich auftauchenden Dritten gerettet, die wohl einfach zufällig in der Nähe sind und das entsprechende Equipment dabeihaben. Das wirkt oft aus der Luft gegriffen und sehr unglaubwürdig. Auch wenn die Hauptcharaktere sich zur Abwechslung selbst retten, fehlt der spannende Teil oft. Einmal überspringt die Autorin die Lösung des Konfliktes sogar gänzlich, und der Leser findet sich sehr verwirrt einige Tage nach dem Vorfall wieder.

Ein großer Pluspunkt für die Handlung ist, dass zwar der eigentliche Fiesling leicht zu erraten ist, seine Motive aber lange im Dunkeln bleiben und eine spannende Fortsetzung versprechen.
Positiv überrascht hat mich auch die Beziehung der beiden Hauptcharaktere. Was auf dem Klappentext noch klang wie eine kitschige Romanze mit etwas Weltall hat sich so zum Glück nicht im Buch wiedergefunden. Tatsächlich haben sowohl Aly als auch Rhee eigene Handlungsstränge, die zwar verknüpft sind, beiden jedoch eine weitestgehend unabhängig voneinander verlaufende Geschichte geben. Das hat mir sehr gut gefallen, und ich bin schon sehr gespannt auf das erste Treffen der beiden.

Fazit
Alles in allem ist „Herrscherin der tausend Sonnen“ ein guter Science-Fiction Roman mit vielen tollen Ansätzen. Leider verschenkt er einiges Potenzial durch eindimensionale Charaktere und eine nicht immer ganz logische Handlung. Auf den zweiten Teil bin ich trotzdem gespannt, vor allem, da er einige Fehler des ersten Bandes korrigieren und das Potenzial der Handlung voll ausnutzen könnte.

Erschienen bei cbt

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Autorin / Autor: imber - Stand: 1. Juni 2018