Nicht länger als drei Sekunden!

Mini-Studie über die perfekte Dauer des Händeschüttelns

Ob sich das Händeschütteln zur Begrüßung nach Corona je wieder einbürgert, oder ob wir doch lieber beim Ellbogengruß bleiben, sei mal dahingestellt. Falls es aber doch wieder zur normal-förmlichen Begrüßungszeremonie wird, könnten die Ergebnisse dieser Mini-Studie interessant sein. Forscher_innen der School of Social Sciences der University of Dundee fanden nämlich heraus, dass ein Händeschütteln, das länger als drei Sekunden dauerte dazu führte, dass die Menschen anschließend weniger Freude an persönlichen Begegnungen hatten.

Um die Ergebnisse zu ermitteln, wurden 36 Studienteilnehmende zu ihren Arbeits- und Karriereaussichten befragt. Anschließend wurden die Proband_innen einem weiteren Forscher vorgestellt, der ihnen entweder "normal" (weniger als drei Sekunden), "länger" (länger als drei Sekunden) oder gar nicht die Hand schütteln sollte. Die Testpersonen waren sich während des gesamten Experiments der Bedeutung des Händedrucks nicht bewusst. Bei der anschließenden Analyse ihrer Reaktionen stellte sich heraus, dass die Teilnehmer_innen nach einem langen Händedruck weniger Freude an der Interaktion zeigten, weniger lachten und auch ein höheres Maß an Angst zeigten.

Ein Händedruck von weniger als drei Sekunden führte zwar in dem Moment zu einem geringeren Lächeln als ein längerer Händedruck, wurde aber von den Teilnehmer_innen als natürlicher empfunden. Bei dem Experiment ohne Händedruck wurden übrigens keine Verhaltensänderungen festgestellt.

Dr. Emese Nagy, Dozentin für Psychologie und Studienleiterin: "Das Händeschütteln ist eine besonders wichtige Begrüßung und kann langfristige Auswirkungen auf die Beziehungen haben, die wir eingehen."

Drei-Sekunden-Fenster

Es gäbe Hinweise darauf, dass viele Verhaltensweisen wie Umarmungen in ein Zeitfenster von etwa drei Sekunden fallen, und diese Studie habe bestätigt, dass auch das Händeschütteln, das in diesem Zeitrahmen stattfindet, von den Teilnehmenden als natürlicher empfunden wird. Oberflächlich betrachtet scheine zwar längeres Händeschütteln eine warme Geste zu sein, aber der Studie zufolge wirke es sich negativ auf das Verhalten des Empfängers aus, sogar nachdem der Händedruck beendet ist.

"Politiker sind besonders angetan vom langen Händedrücken, was oft als Ausdruck von Wärme, aber auch als Mittel zur Demonstration von Autorität eingesetzt wird. Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass dieses Verhalten zwar für die Kameras beeindruckend aussehen mag, aber möglicherweise die Qualität von Arbeits- und persönlichen Beziehungen von Anfang an gefährdet, was sich auf Millionen von Menschen auswirken könnte".

Diese jüngste Studie schließt an eine andere Studie von Dr. Nagy aus dem Jahr 2011 an, in der bestätigt wurde, dass eine Umarmung etwa so lange dauert wie viele andere menschliche Handlungen, und stützt die Hypothese, dass wir die Gegenwart in einer Reihe von Drei-Sekunden-Fenstern wahrnehmen.

Die neuesten Ergebnisse wurden von Dr. Nagy, Tibor Farkas, Frances Saunders und Anna Symeonides zusammengestellt und in der Zeitschrift Perceptual and Motor Skills veröffentlicht.

Falls ihr euch also demnächst mal ganz förmlich per Handdruck vorstellen sollt, denkt an die Dre-Sekunden-Regel und beobachtet auch mal, wie lange euer Gegenüber eure Hand hält. Vielleicht erklärt sich so auch manch ungutes Gefühl, dass ihr in der Vergangenheit schonmal nach Begrüßungs-Begegnungen hattet ;-).

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