Giftfreie Mode?

Greenpeace hat nachgeschaut, ob die Modeindustrie ihre Versprechen zu einer schadstofffreieren Textilproduktion hält

Zeichnung: Laura Pizzini

Wer hätte das gedacht, dass ausgerechnet die Billigmodekette H&M mal von Greenpeace gelobt würde? Aber tatsächlich wurde das schwedische Textilhandelsunternehmen zusammen mit Inditex (Zara) und Benetton von Greenpeace als "Trendsetter für eine saubere Textilproduktion" bezeichnet. 19 führende Modemarken hat die Umweltschutzorganisation vor allem hinsichtlich des Einsatzes von giftigen Chemikalien überprüft.Auf der Online-Plattform „Detox-Catwalk“ (www.detoxcatwalk.de) kürt sie bereits zum dritten Mal jene Modemarken, die bereits auf schädliche Chemikalien verzichtet haben und im Zeitplan sind, um die Umstellung auf eine saubere Produktion bis zum Jahr 2020 abzuschließen.

Inditex hat zum Beispiel die Abwasserdaten und seine Lieferketten veröffentlicht und liegt damit laut Greenpeace auf der Zielgeraden für eine schadstofffreie Produktion bis zum Jahr 2020. „Es ist ein großer Schritt nach vorn, dass Unternehmen dieses Jahr den Schleier über ihrer Lieferkette lüften“, sagt Santen: „Engagierte Marken zeigen, dass es auch in einer komplizierten und verflochtenen Welt möglich ist, die Herstellung von Produkten transparent zu machen."

Allerdings bemängelt Greenpeace auch, dass 16 von 19 Firmen nicht schnell genug entgiften. Zwölf Firmen liegen bezogen auf ihr Giftstoff-Management nur im Mittelfeld, darunter Adidas und Puma. In der schlechtesten Kategorie sind Esprit und Nike gelandet. Nach wie vor setzten sie gesundheitsschädliche Stoffe wie per- und polyfluorierte Chemikalien, sogenannte PFC, ein und würden ihre Herstellungsbedingungen nicht offenlegen. Damit seien sie im Begriff, ihr Versprechen zu brechen: Das Ziel, bis 2020 giftfreie Mode zu produzieren, sei für diese Firmen kaum zu schaffen, so Greenpeace. In Ländern mit textiler Massenproduktion sei vor allem die Wasserverschmutzung ein drängendes Problem für die Menschen. Giftige Chemikalien, die Modefirmen zum Färben und Ausrüsten von Textilien einsetzen, belasten Gewässer und Trinkwasserreserven. In den großen Städten Chinas – dem Land mit der größten Textilproduktion – seine bereits über 60 Prozent der Trinkwasserreserven ernsthaft verschmutzt, so Greenpeace.

„Giftige Chemikalien haben in Alltagskleidung und Schuhen nichts zu suchen“, sagt  Manfred Santen, Chemiker und Textilexperte von Greenpeace. „Zara, H&M und Benetton beweisen, dass eine schadstofffreie Produktion für Unternehmen jeder Größe möglich ist.“ Alle geprüften Unternehmen haben sich der Textilkampagne „Detox“ von Greenpeace angeschlossen, um die Detox 2020-Deadline einer giftfreien Modeproduktion erreichen zu können.

Die Massenproduktion von Mode belastet das Trinkwasser in den Herstellungsländern
Mit dem Lob für ihre Bemühungen zum Umwelt- und Verbraucherschutz spricht Greenpeace Zara, H&M und Benetton dennoch auch einen Tadel aus, denn Fast-Fashion-Marken mit ihrer Wegwerfmode haben ein wenig nachhaltiges Geschäftsmodell. „Neue Kollektionen alle paar Wochen belasten die Umwelt und benötigen enorme Ressourcen“, sagt Santen. „Zukunftsfähige Unternehmen bieten beispielsweise einen lebenslangen Reparaturservice für ihre Textilien an. Verbrauchern raten wir zu einer neuen Achtsamkeit beim Kleiderkonsum.“

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