Generation einsam?

Jugendstudie zu Social Media: Hälfte der Jugendlichen sieht Einsamkeit als alltägliche Belastung an

Insta, TikTok und Co. sind fester Bestandteil im Alltag und spielen insbesondere im Umgang mit Einsamkeit eine zentrale und gleichzeitig widersprüchliche Rolle. Fast die Hälfte der 14- bis 20-Jährigen gaben in der neuen repräsentativen Befragung der Vodafone Stiftung an, soziale Medien häufig oder gelegentlich zu nutzen, um sich weniger einsam zu fühlen.

Dabei greifen besonders Jugendliche mit ausgeprägten Einsamkeitserfahrungen überdurchschnittlich häufig auf Social-Media-Angebote zurück. Für die Studie „Generation einsam? Social Media, Einsamkeit und Bewältigungsstrategien im Leben junger Menschen“ wurden mehr als 1.000 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren im Mai 2025 befragt.

„Einsamkeit unter jungen Menschen ist kein individuelles Randphänomen, sondern Ausdruck eines gesellschaftlichen Wandels, der auch mit der Art zusammenhängt, wie Beziehungen heute gelebt werden“, so Matthias Graf von Kielmansegg, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung. „Wenn intensive digitale Vernetzung nicht automatisch mehr soziale Verbundenheit schafft, dann müssen wir junge Menschen gezielt stärken – durch Unterstützung bei der Persönlichkeitsbildung, mit Blick auf emotionale Stabilität und durch eine Schule, die Räume für Zugehörigkeit, gemeinsames Erleben und persönliche Bindungen schafft. Einsamkeit darf kein Tabuthema sein.“

Mädchen öfter von Einsamkeit betroffen

Soziale Medien werden häufig genutzt, um Einsamkeit zu lindern. Gleichzeitig löst die intensive Nutzung aber bei vielen erst recht belastende Gefühle aus: Einsamkeit zählt für knapp jede:n Zweite:n zu den relevanten Alltagsbelastungen. Besonders Jugendliche mit häufigen Einsamkeitserfahrungen berichten, sensibler zu sein gegenüber weiteren Stressfaktoren und einer insgesamt negativeren Wahrnehmung ihres Alltags. Weibliche Jugendliche sind dabei häufiger von Einsamkeit betroffen als männliche.

Bewusster Umgang mit Einsamkeit

Viele Jugendliche entwickeln eigenständige Strategien, um mit Einsamkeitsgefühlen umzugehen. Als am wirksamsten gelten soziale Kontakte im echten Leben: Persönliche Treffen und gemeinsame Aktivitäten mit Freund:innen werden deutlich häufiger als hilfreich eingeschätzt als Social Media oder Online-Content. Auch Hobbys, Sport und kreative Tätigkeiten spielen eine wichtige Rolle, während digitale Angebote nur für eine Minderheit als effektive Strategie gelten.

„Einsamkeit ist ein großes Thema, gerade im Zusammenhang mit Social Media. Und wir machen die Erfahrung, dass es immer wichtiger wird. Jugendliche berichten von Einsamkeit, das ist nicht immer der Grund, weshalb sie sich melden. Aber es ist häufig ein zweites Thema, das aufkommt, neben familiären Problemen, Depressionen und Liebeskummer,” sagt Melanie Eckert, Co-Founderin und Co-CEO von Krisenchat, einer bundesweiten Online-Plattform für kostenlose und anonyme psychosoziale 24/7-Beratung für junge Menschen.

Erwartungen an Schule und gesellschaftliche Verantwortung

Eine große Mehrheit der Jugendlichen fordert Schulen und Ausbildungsstätten auf, mehr Verantwortung zu übernehmen und Jugendliche im Umgang mit Einsamkeit zu unterstützen. 84 % halten entsprechende Angebote im schulischen Umfeld für wichtig oder sehr wichtig. Gleichzeitig äußern viele Zweifel, ob Einsamkeit bislang ausreichend thematisiert wird und wünschen sich mehr Raum für soziale Begegnung, Prävention und einen reflektierten Umgang mit digitalen Medien.

Quelle

Was denkst du darüber?

Autorin / Autor: Redaktion / Pressemitteilung