Gehetzt durchs Studium

Ein Viertel aller Studierenden leidet unter starkem Stress; Frauen sind besonders betroffen

Neuer Lebensabschnitt, Prüfungsdruck, Zukunftsangst: Jeder vierte Studierende klagt über ein hohes Stresserleben (25,3 Prozent) und Erschöpfung (24,4 Prozent) - mögliche Vorboten eines Burnouts. Besonders Studentinnen fühlen sich psychisch belastet: So gibt jede fünfte Studentin (21,2 Prozent) an, unter den Symptomen einer sogenannten generalisierten Angststörung zu leiden und jede sechste Studentin hat Anzeichen eines depressiven Syndroms (16,9 Prozent).

Dies sind die aufrüttelnden Ergebnisse einer Studie zur Gesundheit Studierender, die in Kooperation des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) mit der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse (TK) entstand. Für die Studie wurden bundesweit über 6.000 Studentinnen und Studenten befragt.

Leistungsdruck und Zukunftsangst
„Die Gründe, warum so viele Studierende psychische Probleme haben, sind vielfältig. Zum einen beginnt mit dem Studium ein neuer Lebensabschnitt: Studienplanung, Prüfungsordnung, eventuell eine neue Stadt - alles ist neu. Häufig fühlen sich die jungen Studierenden dadurch orientierungslos und überfordert“, so PD Dr. Dr. Burkhard Gusy, einer der beiden Studienleiter, und Leiter des Arbeitsbereichs Public Health, Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung an der Freien Universität Berlin. „Hinzu kommen Prüfungsdruck, Zweifel und Zukunftsangst. Viele Studierende stehen nach dem Studium auch mit hohen BAföG-Schulden da. Da lastet ein enormer Druck auf den jungen Hochschulabsolventen - teilweise auch durch die hohen Ansprüche an sich selbst. Das kann Ängste und schlimmstenfalls auch eine Depression hervorrufen“, betont der Wissenschaftler.

Belastung unterscheidet sich nach Fächergruppen
Dabei sind das Stresserleben und die psychische Belastung in den einzelnen Fächergruppen sehr unterschiedlich. Vor allem die Studierenden in den Sprach- und Kulturwissenschaften geben an, von Angststörungen (22,5 Prozent) und Depressionen (18,3 Prozent) betroffen zu sein. Dicht gefolgt von den Studierenden in der Fächergruppe Sozialwissenschaften/Psychologie/Pädagogik (18,4 Prozent Angststörungen bzw. 18,0 Prozent Depressionen). Mental am besten geht es den Studierenden aus den Bereichen Medizin und Gesundheitswissenschaften (14,8 Prozent Angststörungen und 10,6 Prozent Depressionen). „Inwiefern die Ursachen für diese Ergebnisse tatsächlich in den Fächern selbst begründet liegen, muss in künftigen Studien näher erforscht werden“, erläutert Prof. Dr. Sandra Buchholz, Leiterin der Abteilung Bildungsverläufe und Beschäftigung am DZHW. „Möglicherweise bestehen die Unterschiede im Stresserleben und in den psychischen Belastungen von Studierenden bereits vor Studienbeginn. Fächerunterschiede könnten auch darauf zurückzuführen sein, dass sich die Zusammensetzung von Studierenden, beispielsweise mit Blick auf die Anteile von Frauen und Männern, zwischen den Fächern unterscheidet“, so Buchholz weiter.

TK-Chef Baas fordert deshalb, dass mehr Sport- und Entspannungsangebote an Unis eingerichtet und gesundheitsförderliche Strukturen entwickelt werden, die langfristig Stress und Belastung reduzieren. Das könnten zum Beispiel die Entzerrung von Prüfungsphasen sein oder die Einrichtung von Ruheräumen.“Gesundheitsförderung ist die Nachhal-tigkeit. Die Studierenden von heute sind die Mitarbeiter und Führungskräfte von morgen. Das, was sie an Gesundheits-Know-how an der Uni lernen und erleben, transportieren sie nach dem Abschluss mit in die Arbeitswelt. So entsteht in der Gesellschaft ein Gesundheits-Selbstverständnis, von dem wir alle profitieren.“

Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 11. Oktober 2018
 
 
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