Geheimwaffe gegen den Klimawandel?

Studie: Friseur:innen könnten als eine Art Alltags-Influencer:innen die Klimakommunikation unterstützen und Nachhaltigskeitstipps verbreiten

Zugegeben, die Überschrift klingt etwas übertrieben. Sicher wird die Bedrohung durch den Klimawandel nicht im Friseursalon gelöst. Aber es steckt doch etwas Wahres darin. Denn wenn es um den Klimawandel geht und darum, wie weit Menschen bereit sind, ihre Lebensweise anzupassen, dann geht es auch immer um Vertrauen und Kommunikation. Und wo wird im Alltag Vertrauen (oft) über Jahre aufgebaut und jede Menge gequatscht? Im Friseursalon!

Diese Idee hatten zumindest britische Forscher:innen von der University of Bath. Die Forscher:innen führten Tiefeninterviews mit 30 Saloninhaber:innen und befragten sie zu ihren Gesprächen und Interaktionen mit ihren Kund:innen zum Thema Nachhaltigkeit und Klima. Außerdem testeten sie in 25 Salons, wie sich kleine Aufkleber mit Nachhaltigkeitstipps auf den Spiegeln in Friseurläden auswirken. Denn viele wissen gar nicht, was eigentlich wirklich Einfluss auf Umweltfreundlichkeit hat.

Denise Baden, Professorin für nachhaltige Wirtschaft an der Universität Southampton, sagte: „Die meisten von uns denken, dass ein „grünes” Produkt eines mit recycelbarer Verpackung ist, aber der CO2-Fußabdruck von Shampoo entsteht hauptsächlich durch das verwendete heiße Wasser. Daher können einfache Botschaften wie „Die meisten von uns verwenden zu viel Shampoo und waschen sich zu oft die Haare” zu Gesprächen darüber anregen, wie man durch weniger häufiges Haarewaschen und niedrigere Temperaturen Zeit, Geld, Energie und Wasser sparen kann und dass dies besser für die Haut und die Haare ist.”

Alltagsinfluencer:innen statt Celebreties

In der Studie zeigte sich, dass Friseur:innen durch ihre vertrauensvolle Beziehung zu ihren Kund:innen das Zeug haben, wertvolle Überzeugungsarbeit zu leisten. Ihre Ratschläge werden gerne angenommen und umgesetzt. Die in der Studie befragten Friseur:innen gaben an, bereits häufig Gespräche zu diesen Themen zu führen, die oft bei der Haarpflege beginnen, aber auch bei anderen Themen wie Plastikverschmutzung, Lebensmittelauswahl und Energieverbrauch landen.
Die Sticker auf den Spiegeln erzielten ebenfalls Wirkung. Kund:innen, die sie zu sehen bekommen hatten, gaben zu 73 % an, ihre Haarpflege künftig gemäß den Tipps umweltfreundlicher zu gestalten.

Die Forscher:innen sehen darum in den Friseursalons eine echte und unterschätze Geheimwaffe. Denn während viele in Sachen Klimakommunikation auf irgendwelche Celebreties und Influencer:innen schielen, gibt es offenbar Orte, an denen Menschen sich im täglichen Leben zu ihrem Aussehen, aber auch ihren Lebensgewohnheiten mit einer Person austauschen, der sie vertrauen. Und diese hat in entspannter Atmosphäre die Möglichkeit, den Klimawandel in alltägliche Gespräche und Handlungen einzubinden.

In Großbritannien, wo die Studie durchgeführt wird, gibt es mehr als 61.000 Haar- und Schönheitssalons. Die Forscher:innen schlagen vor, Nachhaltigkeitsthemen stärker in der Friseur- und Kosmetikausbildung zu verankern und auch die "sprechenden Spiegel" mit Nachhaltigkeitsbotschaften in Salons zu verbreiten. Dann gäbe es theoretisch überall unerwartete Klimahelfer:innen, was einen großen Einfluss haben könnte. Voraussetzung ist natürlich, dass die Salonbetreiber:innen von Maßnahmen gegen den Klimawandel überzeugt sind und nicht gegenteilige Botschaften verbreiten 😉. Denn die eigenen Dienstleistungen - Haarewaschen, Föhnen, Färben und Hairstyling - sind energieintensiv und nicht gerade für besondere Umweltfreundlichkeit bekannt.

Quelle

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Autorin / Autor: Redaktion/ Pressemitteilung - Stand: 5. März 2025