FSJ, FÖJ, BFD -WTF?!

Noch einmal Blinzeln und schon stehen die Abschlussprüfungen vor der Tür? So fühlt es sich zumindest für diejenigen an, die jetzt das letzte Schuljahr vor sich haben. Blöd nur, dass auch die Aktivitäten nach der Schulzeit allmählich geplant werden wollen.

Und was willst du nach der Schule machen?
Auch wenn Weniges so nervig ist wie die Frage der Verwandtschaft an Weihnachten, was man denn jetzt mit seiner Zukunft anstellen möchte, lohnt es sich tatsächlich, allmählich darüber nachzudenken, wohin es gehen könnte.
Wenn du bereits eine bestimmte Branche im Blick hast, in der du eine Berufsausbildung machen oder in die du zumindest mal hineinschnuppern möchtest, kannst du jetzt schon mal die verschiedenen Unternehmensseiten durchforsten, um Bewerbungsfristen nicht zu verpassen. Praktika in beliebten Berufen gehen weg wie warme Semmeln, und Ausbildungen beginnen ebenso wie ein Studium oft zu einem festen Zeitraum ohne Verhandlungsspielraum. Je eher du dich also informierst, desto früher kannst du auch deine Bewerbungen vorbereiten und musst dich im Idealfall nicht neben der heißen Abschlussphase in der Schule damit herumärgern.

Wenn du auf das Abitur zusteuerst und es dich eher an eine Hochschule zieht, hast du Glück. Hier beginnt der Bewerbungszeitraum etwas später. Doch auch in diesem Fall warten ein paar Entscheidungen auf dich, die du nicht unterschätzen solltest. Du kannst zwischen mehreren tausend Studiengängen auswählen, musst dich entscheiden, ob du lieber an einer Fachhochschule oder einer Universität studieren möchtest und ob es vielleicht in eine andere Stadt gehen soll. Auch hier lohnt es sich also durchaus, über die Weihnachtstage ab und zu mal einen Blick auf die verschiedenen Hochschulwebsites zu werfen und dich über die Studiengänge zu informieren, die für dich in Frage kommen, statt den ganzen Tag in neuen Büchern zu schmökern oder den Fernseher zum Glühen zu bringen. 😉

Und was, wenn es nicht direkt mit Ausbildung oder Studium losgeht?
Du hast das Gefühl, dass dir das alles viel zu schnell geht und du dich noch nicht entscheiden kannst, welchen Weg du eigentlich einschlagen willst? Die drei Betriebe, bei denen du am liebsten eine Ausbildung beginnen möchtest, nehmen dieses Jahr keine Azubis auf? Der Studiengang, auf den du dich beworben hast, hat dieses Jahr eine zu hohe Notenschwelle (NC) und du kommst nicht rein?
Auch wenn du nicht direkt nach der Schule mit einer Ausbildung oder einem Studium beginnst, gibt es tolle Möglichkeiten, Praxiserfahrung in den verschiedensten Bereichen zu sammeln, dich sozial zu engagieren oder zu reisen. Und in manchen Fällen kannst du sogar alles kombinieren!

Wenn du erstmal einigermaßen unverbindlich Eindrücke sammeln möchtest, bietet sich ein Praktikum an. Aber auch bei einem Neben- oder Aushilfsjob kannst du ein bisschen Arbeitsluft schnuppern. Allerdings solltest du nicht zu hohe Erwartungen haben. Ohne Ausbildung und Berufserfahrung wird es vermutlich schwer, direkt den Traumjob zu ergattern. Um die Reisekasse aufzubessern oder dir ein Taschengeld dazuzuverdienen, sollte es aber allemal reichen.
Wenn du keine Lust hast, dir das komplette Geld für eine Reise erst zusammenzusparen und du noch ein bisschen was für eine Reise auf die Seite gelegt hast, dann ist vielleicht ein Work-and-Travel-Aufenthalt eine gute Idee. Mit so einem Visum kannst du innerhalb eines Landes herumreisen wie du möchtest, und immer dann, wenn das Geld knapp wird, länger an einem Ort bleiben und arbeiten. Es gibt verschiedene Länder, die so ein Visum für Jugendliche und junge Erwachsene anbieten. Wenn es weiter weg gehen soll, empfiehlt es sich auch hier, frühzeitig mit dem Planen und Buchen zu beginnen, um bei der An- und Abreise überflüssige Kosten zu sparen und mit Sicherheit ein Visum zu bekommen.

Klingt toll! Was gibt es zu beachten?
Ein Praktikum, ein Nebenjob oder eine Reise müssen kein Trostpreis für eine nicht begonne Ausbildung sein, sondern können toll sein! Allerdings gibt es auch hier einiges zu bedenken. Wenn du dieses Jahr 18 wirst und die Schule beendest ohne direkt mit einer Berufsausbildung oder einem Studium zu beginnen, kann es passieren, dass deine Eltern kein Kindergeld mehr bekommen.
Ganz allgemein kann in bestimmten Fällen das Kindergeld bis zur Vollendung des 25. Lebensjahrs weiter bezahlt werden. Und da es sich dabei um eine nicht ganz unerhebliche Summe handelt, solltest du dir genau überlegen, was du nach der Schule machen willst. Hast du eine Zusage für einen Ausbildungsplatz oder ein Studium, so bekommst du auch für die Überbrückungsphase sicher Kindergeld, in den anderen Fällen ist es etwas komplizierter.

Die Familienkasse zahlt nämlich nur dann weiter Kindergeld, wenn du nachweisen kannst, dass du keinen geeigneten Ausbildungs- oder Studienplatz bekommen hast. Bekommst du also auf deine Bewerbungen einen Haufen Absagen, ist es eine Möglichkeit, bis zur nächsten Bewerbungsphase zu jobben oder nach einem Praktikumsplatz Ausschau zu halten. In diesem Fall ist es wichtig, dass du der Familienkasse die Absagen auf deine Bewerbung zukommen lässt. Andernfalls wird das Kindergeld gestrichen. Das gleiche gilt für ein Studium: Absagen für einen Studiengang solltest du unbedingt aufbewahren und bei der Familiengeldkasse einreichen. Wird es also nichts mit der Traumausbildung und du kannst das nachweisen, so erhalten deine Eltern weiter Kindergeld, auch wenn du selbst arbeitest und Geld verdienst.
Ähnliche Regeln gelten auch für die Familienversicherung. Wenn deine Eltern gesetzlich versichert sind, dann kannst du, bis du 23 bist, über sie familienversichert sein. Wenn du studierst oder eine Ausbildung machst, verlängert sich dieses Zeitfenster sogar noch und endet erst mit deinem 25. Geburtstag. Allerdings gilt in diesem Fall die 450 Euro Grenze. Wenn du mehr verdienst, dann musst du dich selbst versichern. Wenn du keinen Studierendentarif in Anspruch nehmen kannst, da du nicht studierst, kann das ganz schön teuer werden.

Irgendwas mit Menschen
Du hast Lust, dich in einer sozialen Einrichtung einzubringen? Dann ist vielleicht ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Bundesfreiwilligendienst genau das richtige für dich! Aber nicht nur im sozialen Bereich, auch Kultur- und Umwelteinrichtungen bieten Plätze für Freiwilligendienstler_innen an. Ob Kinos, Literaturhäuser, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen oder Fischotterparks - die Bandbreite an Einsatzorten ist riesig!
Und die Bewerbungszeiträume für die verschiedenen Formen des FSJ (neben dem freiwilligen sozialen Jahr hast du zum Beispiel auch die Chance, ein freiwilliges ökologisches Jahr oder ein freiwilliges kulturelles Jahr zu machen) und für einen Bundesfreiwilligendienst starten bald. Aber keine Sorge – ganz allein musst du dir die Einsatzorte nicht heraussuchen.
Auf der Seite der Initiative Engagementförderung Bundes Freiwilligendienst findest du zum Beispiel verschiedene Einsatzstellen, die jetzt schon nach Freiwilligen für das kommende Jahr suchen.

Was sind die Unterschiede zwischen einem FSJ und einem BFD?
Bevor du dich auf die Seiten stürzt, kann eine kurze Einschätzung, welcher Dienst besser zu dir passt, auf jeden Fall helfen. Bist du zum Beispiel älter als 26, dann kannst du dich nicht mehr auf ein FSJ bewerben. Ein freiwilliges soziales, kulturelles und ökologisches Jahr richtet sich nur an Menschen, die zwischen 16 und 26 Jahre alt sind. Aber nicht verzagen, denn für den Bundesfreiwilligendienst gilt: Solange du 16 Jahre alt oder älter bist, kannst du dich engagieren. Bist du älter als 26, so hast du beim BFD sogar die Chance, einen Teilzeit-Freiwilligendienst zu absolvieren.

Bei beiden Diensten ist dein Geschlecht egal, und die Dauer des Freiwilligendienstes variiert zwischen sechs und 18 Monaten. Allerdings ist ein FSJ eine einmalige Angelegenheit. Einen Bundesfreiwilligendienst kannst du alle fünf Jahre wiederholen.
Bei beiden Freiwilligendiensten verdienst du dir keine goldene Nase. Sowohl beim FSJ als auch beim BFD erhältst du maximal 363 Euro Taschengeld. Beide Dienste haben aber auch keinen Einfluss auf deinen Anspruch auf Kindergeld/Waisenrente und Wohngeld. Sprich, wenn du Wohngeld bekommst, dann ändert das Taschengeld daran nichts. Außerdem übernehmen die Einsatzstellen deine Sozialversicherung ebenso wie einen Anteil der Kosten für Unterbringung und Verpflegung.

Ein großer Unterschied zwischen den Freiwilligen Diensten ist noch der Einsatzort. Während der BFD nur im Inland möglich ist, kannst du ein FSJ, ein FÖJ oder ein FKJ auch im Ausland machen. Da diese Freiwilligenarbeit allerdings nicht mehr so stark gefördert wird, erwarten die meisten Einsatzstellen, dass du die Kosten (anteilig) selbst übernimmst. Wenn deine Sparbüchse das nicht hergibt, empfiehlt es sich, vor dem Freiwilligendienst einen Spenderkreis aufzubauen, der die Kosten übernimmt. Da auch der Aufbau so eines Spenderkreises Zeit in Anspruch nimmt, solllest du dir jetzt schon einmal überlegst, wo es dich hinzieht und dich darüber informieren, wie genau der Aufbau so eines Spenderkreises funktioniert. Es gibt auch einige andere Freiwilligendienste, die Jugendliche und junge Erwachsene ausschließlich in andere Länder vermitteln. Einige von ihnen findest du bei den Links unter diesem Artikel.

Wenn du noch gar keine klare Präferenz hat, kannst du dich einfach mal inspirieren lassen oder selbst eine offene Bewerbung erstellen. Bei der Initiative Engagementförderung gibst du an, ob du auf der Suche nach einem freiwilligen sozialen Jahr oder Bundesfreiwilligendienst bist und ob du eher etwas Soziales, Ökologisches oder Kulturelles im Sinn hast. Darüber hinaus kannst du einen öffentlich einsehbaren kurzen Text über dich verfassen und angeben, welcher Zeitraum dir für einen Freiwilligen-Dienst am besten passen würde, und ob du gerne ins Ausland gehen möchtest oder lieber in Deutschland oder nur in einem bestimmten Bundesland eingesetzt werden möchtest. Die vollständige Bewerbung können allerdings nur registrierte Einsatzstellen sehen. Schaltest du parallel zu der aktiven Suche einer Einsatzstelle noch eine eigene Bewerbung, erhöhst du deine Chance, eine Stelle zu finden, die für dich passt. 😊

Freiwilligendienst - Anbieter_innen und Datenbanken

Autorin / Autor: Karla Groth - Stand: 23. Dezember 2020