Freund-liches Vorurteil

Menschen, die wir kennen, bewerten wir wenig objektiv

Du kennst deine beste Freundin als absolute Quasselstrippe? Dann wirst du sie vermutlich auch in einer Situation als kommunikativ bewerten, in der sie von anderen eigentlich eher zurückhaltend eingeschätzt wird.
Menschen, die wir kennen, können wir nur schwer objektiv bewerten, weil wir möchten, dass das Bild, das wir uns von ihnen gemacht haben, auch stabil ist und bleibt. Dieses schon vorhandene Bild zu ignorieren und den Freund oder die Freundin in einer bestimmten Situation unabhängig davon zu beurteilen, ist fast nicht möglich. Das meinen WissenschaftlerInnen der TU Dresden, die in Versuchen überprüft haben, wie sehr die Freundschaft zwischen zwei Menschen ihr objektives Urteil trübt.

Für den Test wurden Freundespaare eingeladen und zunächst ausführlich übereinander befragt. Ein paar Tage später wurden sie auf Video aufgenommen, während sie verschiedene Standardtests durchliefen - etwa Allgemeinbildungstests, aber auch Rollenspiele.
Dann mussten die Teilnehmer/innen, ihre Freund/innen und Fremde das Verhalten der Gefilmten bewerten. Die ForscherInnen konnten ziemlich genau vorhersagen, wie die Gefilmten von ihren Freunden bewertet werden würden. Denn ihr Urteil stimmte weitestgehend mit dem Bild überein, dass sie in der ersten Befragung von ihren Freunden preisgegeben hatten. Menschen, die man kennt und mag, betrachtet man mit einer rosa Brille, ihnen werden verstärkt positive Eigenschaften und Fähigkeiten zugeschrieben, auch wenn sie in einer konkreten Situation objektiv betrachtet gar nicht sichtbar werden. Fremde bewerteten die gefilmten Personen dementsprechend oft ganz anders als die FreundInnen.

Die freundlichen Vourteile haben natürlich eine positive Seite. Das grundsätzlich stabile Bild ermöglicht, dass man etwa ein untypisches Verhalten von Freundinnen als Ausrutscher erkennt und insgesamt das künftige Verhalten besser vorhersagen kann.
Die Kehrseite der Medaille ist natürlich die Voreingenommenheit, mit der man Menschen begegnet, die man kennt. Wenn ein Lehrer etwa einen Schüler für ganz besonders intelligent hält, wird er ihn in einer mündlichen Prüfung möglicherweise überschätzen und zu Unrecht eine sehr gute Bewertung geben. Das ist nicht schlimm, so lange alle Schüler so betrachtet werden, aber naturgemäß wird ein Lehrer nicht von allen ein so positives Bild haben. Die ForscherInnen plädieren darum dafür, möglichst anonyme Prüfungen durchzuführen, wenn ein objektives Ergebnis gefragt ist.

Den Ergebnissen zufolge sollte man also ganz genau hinschauen, wenn eine Beurteilung oder eine Bewertung - z.B. ob jemand für einen Job geeignet ist - von einem Menschen kommt, der den/die zu Beurteilenden kennt oder gar mit ihm/ihr befreundet ist.

Künftig möchten die ForscherInnen gerne überprüfen, wie sich das mit Leuten verhält, die einander gar nicht leiden können. Solche Paare zu finden, die dann auch noch bereit sind, gemeinsam an einer Studie teilzunehmen, sei aber leider eine echte Herausforderung.

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Autorin / Autor: Redaktion / Quelle: eurekalert.org; Bild: LizzyNet - Stand: 11. Oktober 2013
 
 
 

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