Formwechsel

Maik Rokitta betreibt mit Leidenschaft ein Upcycling-Unternehmen, das Gebrauchsgegenstände aus alten Skateboards und Longboards designt.

Maik Rokitta betreibt mit Leidenschaft das Upcycling-Unternehmen Formwechsel, das Schmuck und Gebrauchsgegenstände aus alten Skateboards und Longboards herstellt. Sein Sortiment ist so originell wie vielfältig: Bunte Ketten, Ohrringe, Ringe und Armbänder. Aber auch Gebrauchsgegenstände wie Salatbestecke, Kämme, Pfannenwender, Gürtel, Garderoben, Schlüsselanhänger und Schneidebrettchen. "Am liebsten bauen wir aber für unsere Kunden individuell, zum Beispiel Brettspiele oder Bilder, Lampen und Hundenapfhalter, und das alles aus alten Skateboards und Longboards." erzählt er.

Was ist das Besondere an Formwechsel, was es von anderen „Upcycling-Unternehmen“ unterscheidet?
Wir bauen zwischendurch Dinge, auf die wir einfach Lust haben, wir nennen es „aus Geld Scheiße machen“. Wir bauen dann Dinge wie ein Eisboard, ein Skateboard auf Kufen. Oder ein Fahrrad aus einem Baumstamm. Oder ein Skateboard aus einem Baumstamm. Oder unseren Specht, den wir in einer Nacht und Nebelaktion in vier verschiedenen Städten angebracht haben. Alles Dinge, die uns Spaß machen, aber kein Geld bringen!

Wie kommst du an die Materialien?
Skateboard Shops sammeln für mich, und ich mache ab und zu einen Aufruf auf Facebook. Die Kids sammeln fleißig für mich, denn sie bekommen 5 Euro pro Deck von mir.

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein solches Unternehmen aufzubauen?
Zum einen war ich schon immer privat sehr kreativ und habe Dinge gebaut, für die ich schon mal belächelt wurde. Eine riesige Hollywoodschaukel aus meinen alten Skateboards oder eine Bar aus Cola Kisten und Bambus. Ich habe immer im Handwerk gearbeitet, als Kfz Mechaniker, Fahrradmechaniker, Einschaler auf dem Bau, Autoglaser, Schreiner, und und und. Aber nie wirklich kreativ. Immer musste ich Sachen machen, die andere entworfen oder angewiesen haben. Und dann gab es eine Zeit in meinem Leben, in dem ich nichts mehr zu verlieren hatte, außer einem guten Lohn! Da habe ich all meinen Mut und Wissen zusammen genommen und habe mich, ohne mich zu verschulden, (das war mir wichtig und funktioniert nach vier Jahren immer noch) selbstständig gemacht. Und wie sollte es sein, ich baue Dinge aus meinem Lieblingsmaterial: Skateboards. Seit vier Monaten arbeite ich noch für die AWO als Integrationsfachkraft, auch selbstständig. Dort arbeite ich mit Kids, die schon mehrfach straffällig geworden sind, zum Beispiel in meinem ins Leben gerufenen Skateclub 180°.

Was waren deine ersten Produkte?
Mein erstes Produkt ist bei einer Freundin im Keller entstanden und ich trage es immer noch bei mir, es ist ein Ring. Damals noch mit einer Bohrmaschine und ein paar Feilen.

Wo und wie produzierst du?
Wir arbeiten auf 6 qm in meiner Wohnung, hinter meiner Küche. Und das reicht! Das Skateboard ist maximal 80 cm lang, und alle Maschinen, die wir brauchen, haben auf 6 qm Platz. Wenn wir größere Dinge bauen, benutzen wir die Schreinerei eines Freundes.

Ist das ein Fulltimejob?
Ich habe es dreieinhalb Jahre als Fulltimejob gemacht, wobei Fulltimejob nicht ganz richtig ist. Es war mein einziger Job, ja, aber ich habe mich nicht selbstständig gemacht, um - wie andere-  mich kaputt zu arbeiten und irgendwann die Freude zu verlieren. Von Anfang an war mir klar, wenn ich das mache, mache ich es auf kleinem Fuß, ich brauche nicht viel! Wichtig ist, dass mein Hund Roxi und ich zu essen haben und ein Dach über dem Kopf, alles andere ist erstmal unwichtig. Wichtig in meinem Leben ist Zeit!

Wie kommst du an Kund_innen?
Am Anfang bin ich fast jedes Wochenende auf Designmärkten und Festivals gewesen, um meine Produkte und mich zu präsentieren. Ich wollte, dass die Leute nicht nur das Produkt sehen, sondern auch mitkriegen, wie es dazu gekommen ist, dass ich solche Produkte mache. Dass ich schon 33 Jahre Skateboard fahre und ich das Skatersein lebe, dass ich immer noch meine Skateboards aus den 80er und 90er Jahren habe und sie als Zaun um meinen Stand herum aufbaue, dass ich authentisch bin. Dass ich liebe was ich mache. Das war mir wichtig, dass die Leute das sehen. Mittlerweile kommen die Kunden und Markt-Betreiber zu mir. Das ist eine riesen Sache!

Ist der Umweltschutz, den du durch die Weiterverwendung von gebrauchten Materialien ja definitiv praktizierst, ein wichtiger Teil deiner Unternehmensphilosophie?
Umwelt ist ein riesen Thema bei uns und unserer Arbeit. Ich bin selber seit mehr als 20 Jahren Vegetarier und versuche unsere Ressourcen zu schützen. Ich fahre einen 40 Jahre alten Wagen, der weniger Abgase produziert als neue Dieselfahrzeuge und dadurch, dass er so alt ist und kein neuer produziert werden musste für mich, schon die Umwelt schont! In unserer Werkstatt wird fast kein Müll produziert. Bis ins Kleinste werden die Skateboards zersägt und verwendet. Das Griptape verwenden wir zum groben Vorschleifen, die bunten Späne werden aufgefangen und für andere schöne Dinge wieder verwendet.

Was ist dein Leitspruch – für dein Unternehmen, deine Arbeit…?
Spaß haben, immer und überall. Und am liebsten beim Skaten!

Mehr Infos auf der Webseite zu seinem Shop

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