Es ist nicht nur Mobbing

Studie: Ursachen für Amokläufe an Schulen zu wenig erforscht

Die grausigen Bilder rund um Amokläufe an Schulen haben sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt, und es gibt wohl heute kaum eine Schule, die nicht damit rechnet, selbst mal Opfer solch einer Tat zu werden. Kein Wunder also, dass die Forschung sich sehr für die Hintergründe von Amokläufe(r)n interessiert und fieberhaft die Ursachen erforscht. Die These, die bislang am verbreitetsten ist, geht davon aus, dass besonders Mobbing zwischen Gleichaltrigen und soziale Ausgrenzung der späteren Täter zu Schulamokläufen führt. Eine neue Studie zeigt dagegen, dass in vielen Fällen auch Konflikte von Schülern mit Lehrern deutlich ausgeprägt waren.

Es wurden 35 Studien mit insgesamt 126 Taten in 13 Ländern untersucht (USA, Kanada, Deutschland, Finnland, Brasilien, Argentinien, Australien, Bosnien, Griechenland, Ungarn, Niederlande, Schweden und Thailand). Dabei kam heraus, dass 88 Prozent der Täter schon vor der Tat Probleme und Konflikte im sozialen Beziehungsnetz und 85 Prozent soziale Ausgrenzung erlebt hatten. Bei genauerer Betrachtung dieser Konflikte stellte sich jedoch heraus, dass nur knapp 30 Prozent durch Gleichaltrige physisch gemobbt worden waren. Über 54 Prozent der Täter hatten jedoch Zurückweisung durch Gleichaltrige im Umfeld der Schule erlebt. Trotz des immer noch hohen Prozentsatzes, liegen sie unter den Häufigkeitsangaben bisheriger Studien. Ebenfalls interessant ist, dass 13 Prozent der Täter selbst schon als Mobbingtäter aufgefallen waren, und knapp ein Drittel von ihnen hatte vor der Tat Zurückweisung oder Enttäuschung in Liebesbeziehungen erlebt - bei einigen Tätern war dies sogar das einzige Problem im Beziehungskontext der Schule.

Problematische Lehrer-Schüler-Beziehungen
Die größte Überraschung war für die WissenschaftlerInnen jedoch, dass 43 Prozent der Täter vor ihrer Tat Probleme oder Konflikte und Erfahrungen von Ungerechtigkeit mit LehrerInnen und SchulvertreterInnen hatten. Dass problematische Lehrer-Schüler-Beziehungen ein möglicher Grund für Amokläufe sein können, war bereits in der Untersuchung sieben deutscher Amokläufe im Rahmen des Berliner Leaking-Projektes an der Freien Universität herausgearbeitet worden. Die aktuelle Untersuchung zeigt jetzt, dass auch in den USA Probleme und Konflikte zwischen Schülern und Lehrern vor einem Amoklauf aufgetreten waren. Das ist bisher jedoch wissenschaftlich kaum untersucht worden und fand in der Öffentlichkeit keine große Beachtung. Trotzdem sind US-amerikanische Taten stärker als deutsche Taten durch Konflikte zwischen Gleichaltrigen (Bullying) geprägt.

Amokläufer haben durchaus Freundschaften
Auch was das soziale Beziehungsgeflecht der Amokläufer betrifft, kommt die Studie zu neueren Ergebnissen: Waren laut bisherigen Erkenntnissen 48 Prozent der Täter von anderen als "Einzelgänger" bezeichnet worden, fanden die ForscherInnen nur bei 24 Prozent der Täter Selbstbeschreibungen, die dies bestätigen. Dagegen fanden sie bei 43 Prozent der Täter durchaus Freundschaften. Also seien sie nicht in dem Maße sozial isoliert gewesen, wie es in früheren Studien dargestellt wurde.

Insgesamt fordern die WissenschaftlerInnen, dass die Forschung künftig stärker verschiedene Täter-Typen und verschiedene Entwicklungsverläufe im Vergleich herausarbeiten solle, denn keiner der bislang diskutierten sozialen Risikofaktoren habe in allen Fällen vorgelegen. Daher sei es nicht möglich, von notwendigen kausalen Faktoren - oder Ursachen - zu sprechen.

Sie kritisieren außerdem, dass viele Studien allein auf Medienberichte zurückgreifen, dass keine Vergleichsuntersuchungen vorhanden sind, und dass die meisten Ergebnisse auf der Mehrfachauswertung einiger prominenter Fälle, wie den Gewalttaten von Columbine oder Emsdetten basieren. Weniger prominente Fälle seien gar nicht einbezogen worden. Damit wirft die Untersuchung auch ein kritisches Schlaglicht auf die bislang in der Öffentlichkeit diskutierten "Ursachen" für Amokläufe an Schulen.

Die Ergebnisse der Untersuchungen sind in der aktuellen Ausgabe des "International Journal of Developmental Science" veröffentlicht worden.

Quelle:

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Autorin / Autor: Redaktion /Pressemitteilung - Stand: 28. August 2014
 
 
 

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