Die "Upcycling-Bahn"

Die Stadtwerke Bonn haben die soliden Stadtbahnwagen aus den 1970er Jahren mit modernster Technik bestückt und durch die Wiederverwendung jede Menge Ressourcen gespart

Modernisierung statt Neuanschaffung

99 Stadt- und Straßenbahnen befördern täglich Tausende von Fahrgästen im Schienennetz der Stadtwerke Bonn (SWB). Jährlich nutzen 92 Millionen Fahrgäste das attraktive Angebot des Verkehrsunternehmens. Basis des Erfolgs ist neben kompetenten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht zuletzt eine moderne und leistungsfähige Fahrzeugflotte. Verkehrsunternehmen müssen deshalb tragfähige finanzielle Entscheidungen bei Anschaffung, Wartung und Instandhaltung der Bahnen fällen.

Eine dieser wichtigen Entscheidungen stand 2006/2007 in Bonn an: Die ältesten Stadtbahnwagen aus den Jahren 1974 bis 1977 waren auf mindestens 35 Jahre ausgelegt. Angesichts des Alters und Zustands der Bahnen musste entschieden werden, wie es weitergeht. Die Stadtbahnwagen hatten vor allem durch ihre solide Verarbeitung und Karosserie überzeugt. Die Luftfederung des Wagenkastens und die außergewöhnlich solide Verarbeitung boten und bieten Fahrgästen nach wie vor einen hohen Komfort, der unbedingt erhalten werden sollte. Neue Modelle auf dem Markt der Stadtbahnwagen überzeugten dagegen weder Geschäftsführung noch Werkstätten. Das Projekt „Zweiterstellung“ war damit geboren: Nach langen Überlegungen, Vorplanungen und Gutachten haben sich die Verantwortlichen dann auf die mutige Entscheidung verständigt, vorerst 25 B-Wagen in den eigenen Werkstätten zu modernisieren und auf die Neuanschaffung von 25 Modellen zu verzichten.

Demontage der alten Stadtbahnwagen

Die alten Fahrzeuge werden in einer dafür extra umgebauten Werkstatt in Bonn-Beuel modernisiert, mittlerweile im Serienbau. Der Umbau der Stadtbahnwagen beginnt mit einer umfassenden Entkernung der Fahrzeuge. Die Wagen werden in der Werkstatt des Betriebshofs Beuel fast komplett zurückgebaut und die Karosserie geschliffen. Die Demontage beginnt.

Rund 60 Prozent der Substanz bleibt aber erhalten, vor allem die Karosserie, die aufgearbeitet wird. 52 Kilometer Kabel für ein komplettes Fahrzeug verlegt das Team nach der Entkernung und der Neulackierung in mehreren Monaten. Die Elektroarbeiten nehmen zeitlich einen großen Raum ein. Die Fahrzeuge erhalten wichtige neue Komponenten, wie einen rückspeisefähigen Antrieb. In der Endphase der Modernisierung werden im Fahrgastraum abschließend die mit neuen Bezügen gepolsterten Sitze montiert.

Positive Resonanz bei Fahrgästen
Nach Testphasen und Abnahmen durch die technischen Aufsichtsbehörden geht es dann für die modernisierten Stadtbahnwagen in den Linienverkehr. Ende Mai 2017 sind bereits zehn zweiterstellte Bahnen im SWB-Netz unterwegs. Und die Resonanz bei den Fahrgästen ist durchweg positiv.

Verlängerung des Lebenszyklus
Durch die Renovierung konnten die Stadtwerke die Lebenszyklen der Wagen um rund 25 Jahre verlängern. Bis zu 30 Tonnen Stahl spart die Maßnahme dadurch pro renoviertem Wagen ein. Ein Projekt mit viel Potenzial zur Nachahmung!

Mehr Infos findet ihr unter

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