Die Modeformel: Alle 20 Jahre wieder

Mathematik: Dass sich Modetrends wiederholen, ist kein Mythos, sondern mathematisch nachweisbar

Bild: (c) Emma Zajdela/Daniel Abrams/Commercial Pattern Archive

Wahrscheinlich habt ihr eure Eltern schon ab und zu mal jammern hören, wenn sich eine Mode aus ihrer Jugend wiederholt: Neiiiin, jetzt kommt der Schlag wieder, oh Gott, das Arschgeweih, Hilfe, die Minröcke. Modeexpert:innen und Beauty-Magazine verweisen seit langem auf die „20-Jahres-Regel“ – die Vorstellung, dass Modetrends oft alle zwei Jahrzehnte wieder aufleben.
Laut Wissenschaftler:innen der Northwestern University ist diese Beobachtung kein Mythos, sondern eine mathematische Tatsache.

In einer neuen Studie entwickelte das Team der Northwestern University ein neues mathematisches Modell, das zeigt, dass Modetrends in der Regel etwa alle 20 Jahre einen Zyklus durchlaufen. Durch die Analyse von rund 37.000 Bildern von Damenbekleidung aus dem Zeitraum von 1869 bis heute stellte das Team fest, dass Stile an Beliebtheit gewinnen, in Ungnade fallen und schließlich wieder einen Aufschwung erleben.

Warum das spannend ist: Diese Berechnungen zeigen nicht nur, wie Modetrends sich abwechseln, sondern könnten auch Aufschluss darüber geben, wie und wann sich neue Ideen in der Gesellschaft verbreiten.

Die Hauptautorin der Studie, Emma Zajdela, stellte diese Ergebnisse kürzlich auf dem Global Physics Summit der American Physical Society (APS) in Denver vor.

Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, aufzufallen und gleichzeitig dazuzugehören

„Unseres Wissens ist dies das erste Mal, dass jemand eine so umfangreiche und präzise Datenbank mit Modemesswerten über mehr als ein Jahrhundert hinweg erstellt hat“, sagte Zajdela. „Wir haben einige sehr interessante Ergebnisse, darunter die Tatsache, dass der Zyklus, den wir in den Daten entdeckt haben (20 Jahre), mit dem Branchenwissen übereinstimmt.“ Früher gab es nicht genug Daten, um diese Behauptung wissenschaftlich zu untermauern.

Zajdela und Abrams, ein Professor für Ingenieurwissenschaften und angewandte Mathematiker, führten die Studie unter anderem gemeinsam mit Alicia Caticha, einer Assistenzprofessorin für Kunstgeschichte durch. Ausgehend von historischen Schnittmustern und Laufstegkollektionen analysierte das Team Zehntausende von Kleidungsstücken, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreichen. So entstand einer der umfassendsten quantitativen Datensätze zur Mode, der je zusammengestellt wurde.

Zusammengesetzte Bilder beliebter Schnittmuster von 1923 bis 1987 zeigen die Veränderung der Saumlängen im Laufe der Zeit.
Mithilfe eigens entwickelter Tools maßen sie die wichtigsten Merkmale von Kleidern – Saumlänge, Ausschnitt und Taillenposition – und wandelten so Kleidungsdesigns in Daten um, die über Jahrzehnte hinweg gemessen und verfolgt werden konnten. Um die Daten zu analysieren, erstellten die Forscher ein mathematisches Modell, das auf einer einfachen Idee beruhte: dem Spannungsfeld zwischen dem Wunsch, aufzufallen und gleichzeitig dazuzugehören. Sobald ein Stil zu alltäglich wird, wenden sich Designer davon ab – aber nicht so weit, dass die Kleidung untragbar wird.

„Im Laufe der Zeit führt dieses ständige Bestreben, sich von der jüngsten Vergangenheit zu unterscheiden, dazu, dass Stile hin und her schwanken“, sagte Abrams. „Das System neigt von Natur aus dazu, zu schwanken, und wir sehen diese Zyklen in den Daten.“

Bild: (c) Emma Zajdela/Daniel Abrams/Commercial Pattern Archive

Ein schwankendes Muster, dass Platz für Nischen lässt

Die Ergebnisse zeigten ein auffälliges Muster. Während sich die Mode im Laufe der Zeit allmählich weiterentwickelt, folgt der Aufstieg und Niedergang von Stilen einer sich wiederholenden Welle, die etwa alle zwei Jahrzehnte ihren Höhepunkt erreicht. Eines der deutlichsten Muster betrifft die Saumlänge. Im Laufe des letzten Jahrhunderts haben sich die Rocklängen wiederholt verkürzt und verlängert – von kürzeren Flapper-Kleidern in den 1920er Jahren über längere, konservativere Stile in den 1950er Jahren bis hin zu Miniröcken Ende der 1960er Jahre.

In den letzten Jahrzehnten verliert dieses Muster jedoch an Deutlichkeit. Ab den 1980er Jahren zeigen die Daten, dass gleichzeitig eine größere Bandbreite an Rocklängen auftritt, was darauf hindeutet, dass Modetrends zunehmend fragmentiert sind. Anstelle eines dominanten Trends entstehen Nischen, die eine größere Vielfalt in der Mode widerspiegeln.

„Früher gab es zwei Optionen – kurze Kleider und lange Kleider“, sagte Zajdela. „In den letzten Jahren gibt es mehr Optionen: wirklich kurze Kleider, bodenlange Kleider und Midi-Kleider. Im Laufe der Zeit nimmt die Varianz zu und die Konformität ab.“

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Autorin / Autor: Redaktion  / Pressemitteilung - Stand: 25. März 2026